Audi, BMW und Mercedes
Wie Tesla die Deutschen ärgert

Der Mercedes S-Klasse, der Audi A8 und der 7er BMW sind die Geldmaschinen ihrer Konzerne. Doch US-Konkurrent Tesla gewinnt Stück für Stück Marktanteile in der Oberklasse. Bisher fehlt den Deutschen die passende Antwort.
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DüsseldorfDie deutschen Absatzzahlen von Tesla wirken auf den ersten Blick ernüchternd. Mit 696 verkauften Fahrzeugen im ersten Halbjahr hat der US-Elektropionier auf dem deutschen Automarkt immer noch einen vergleichsweise kleinen Marktanteil von 0,04 Prozent. Von den 1000 verkauften Fahrzeugen im Monat, die Firmenchef Elon Musk beim Marktstart als Ziel ausgab, ist man noch ein gutes Stück entfernt.

Doch ein Misserfolg sind die Halbjahreszahlen trotzdem nicht. Mit nur einem Modell sind die Fortschritte von Tesla in Deutschland durchaus beachtlich. Insbesondere wenn man in Betracht zieht, dass die Tesla-Zahlen nicht durch Eigenzulassungen geschönt werden wie bei der Konkurrenz und das Vertriebsnetz deutlich kleiner ausfällt. Im Vergleich zum Vorjahr konnten die Verkäufe des Model S im ersten Halbjahr deutlich zulegen, alleine im Juni um 110 Prozent.

Damit rückt Tesla näher an die Marktführer in der Oberklasse, wie Porsche 911 und Cayenne, die Mercedes S-Klasse und den Audi A8. Ambitionierte Modelle wie den Jaguar F-Type und den Maserati Ghibli kann Tesla im ersten Halbjahr bereits hinter sich lassen. Mit einem Modell verkaufen die Amerikaner in Deutschland mittlerweile rund 10 Prozent so viele Fahrzeuge wie Branchenprimus Porsche mit seiner gesamten Modellpalette. Im Juni verkaufte sich das Model S in Deutschland sogar besser als der auslaufende 7er von BMW und der Porsche Panamera.

Für die deutschen Hersteller sind die jüngsten Zahlen eine Warnung. „Es ist eine riskante Wettbewerbsstrategie, Tesla auf die leichte Schulter zu nehmen“, sagt Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center of Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen. Denn die Amerikaner werden für die deutschen Premiumhersteller zunehmend zum Ärgernis. In der Oberklasse sind die Margen immer noch deutlich höher als in anderen Segmenten. Und die großen deutschen Autobauer haben dem Model S derzeit wenig entgegenzusetzen.

Weltweit konnten die Verkäufe des Model S im ersten Halbjahr um 54 Prozent auf 21.500 Fahrzeuge zulegen. Auf dem Heimatmarkt USA setzt das Model S längst zum Überholmanöver an. Nach 10.200 verkauften Fahrzeugen in den ersten sechs Monaten dürfte es die S-Klasse schon im Laufe des Jahres als meistverkauftes Oberklasse-Modell in den USA ablösen. In der Schweiz landen nur der Porsche 911, der Porsche Cayenne und der Range Rover Sport vor Tesla. Und das obwohl die Schweiz keine Subventionen für Elektroautos zahlt. In Märkten wie Norwegen und den Niederlanden, wo der Kauf staatlich gefördert wird, landet Tesla längst vor den Deutschen.

Für Autoprofessor Dudenhöffer sind die Erfolge von Tesla in der Oberklasse auch ein Hinweis darauf, dass sich die Plug-in-Hybrid-Offensive der deutschen Premiumautobauer am Ende als eine teure Fehlinvestition entpuppen könnte. „Es besteht die große
Gefahr, dass die Premiumhersteller in die falsche Technologie investiert haben“, so Dudenhöffer. Beim Absatz fallen die halbelektrischen Varianten des Porsche Panamera, des Porsche Cayenne und der Mercedes S-Klasse noch deutlich hinter Tesla zurück. Selbst kompakte Modelle mit Plug-in-Hybrid wie der Audi e-tron und der Golf GTE verkaufen sich ohne Eigenzulassungen schlechter als Model S.

Porsche und Audi sollen darum bereits an einem rein elektrischen Tesla-Killer arbeiten. Doch vor dem Jahr 2018 dürfte keines der Modelle auf den Markt kommen. Bis dahin bleibt Tesla auch international unangefochten in der elektrischen Oberklasse.

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  • einmal Salzburg-Monaco quer über die Alpen mit dem Tesla:
    http://www.bkw.ch/ueber-bkw/unser-engagement/teambkw/x-alps/
    Ist ihnen gelungen: http://www.xalps.ch/
    Kenne einen Schweizer der sehr viel unterwegs ist mit dem Tesla. Er möcht nicht mehr tauschen. Laden kann man auch daheim und an jeder Steckdose und bis es Schlangen an den Stationen gibt, werden mehr davon gebaut! momentan braucht man sich davor nicht fürchten.

  • Der Kauf ist absolut rational.
    Sobald die Leute die Falschinformationen durchschauen, die im Namen deutscher Autohersteller von den Medien verbreitet werden, und diese Leute erkennen, dass man sehr wohl einen Tesla als alleiniges Fahrzeug verwenden kann, außer natürlich man gehört zu denjenigen, die täglich mehr als 400km fahren, wird dieses Auto gekauft. Entsprechendes "Kleingeld" natürlich vorausgesetzt.
    Für den Bau eines Teslas werden im übrigen keine seltenen Erden benötigt und selbst mit dem ganz normalen deutschen Strom-Mix fährt ein Tesla ökologischer als ein vergleichbares benzinbetriebenes Fahrzeug.
    Das nur mal so am Rande.

  • "Es gab mal Tests wo die Reichweite bei 120 km/h mit Klimaanlage bei 30 Grad 184 Kilometer und 258 km bei 13 Grad war."
    Ja, dieser völlig realitätsfremde Test von AMS ist bekannt. Die absolut untaugliche "Mess-Methode" ebenso.
    Kurz gesagt: AMS hat den Tesla im Test nicht mal ansatzweise leer gefahren. Es wurden ein paar km runtergespult (im schön aufgeheiztem Auto mit Klima-Anlage auf Maximum - ein Betriebszustand, der mit Sicherheit nicht während einer echten 300km-Fahrt dauerhaft vorliegt), das Auto danach aufgeladen und die benötigte Strommenge inklusive Ladeverlust auf die Batteriekapazität hochgerechnet. Daraus wurde die _theoretische_ Reichweite extrapoliert.
    Wer ein wenig Ahnung hat, erkennt schnell den Fehler.
    _Echte_ Testfahrten mit 120km/h auf der Autobahn haben ganz andere Werte ergeben. da sind 350km locker drin - ganz im Gegensatz zu den von der AMS "getesteten" 184km.
    Kein Wunder, dass Leute wie Herr Schmidt ein so verzerrtes Bild vom Tesla haben, wenn sie jeden Murks glauben, den sie von deutschen Autoherstellern gesponsorten Autozeitungen präsentiert bekommen.

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