Audi-Chef Rupert Stadler
„Alles andere als Old Economy“

Die Branche steht vor einem historischen Umbruch: Das Ölzeitalter geht zu Ende, die Metropolen drohen am Verkehr zu ersticken. In Asien wächst der Markt weiter rasant, in Europa verliert das Auto bei der Generation Facebook an Strahlkraft. Wie Audi-Chef Rupert Stadler die Zukunft der PS-Branche sieht, erklärt er im Interview.

Handelsblatt: Herr Stadler, in Luc Bessons Film "Fünftes Element" aus dem Jahr 1997 bewegen sich die Menschen in der Zukunft mit fliegenden Taxis fort, die aussehen wie raketengetriebene Salatschüsseln. Ist das die Zukunft der Mobilität?

Rupert Stadler: Sicher nicht. Ich glaube, dass das Auto der Zukunft dem Auto von heute zumindest äußerlich weitgehend ähnlich, aber viel intelligenter sein wird. Wenn ich mich in meine Kindheit zurückversetze, da gab es den Film ,Knight Rider'. Darin kam ein Auto namens K.I.T.T. vor, das konnte sprechen, denken und autonom fahren. Das Auto war supercool - damals eine Zukunftsvision, aber heute durchaus realistisch: Unsere Audi Modelle verfügen bereits heute über Elemente von K.I.T.T. in ihrer Ausstattung. Denken Sie an Sprachsteuerung, intelligente Geschwindigkeitsregler oder Fahrerassistenzsysteme. Damit wird ein teilautonomes Fahren möglich.

In den letzten 30 Jahren sind die jährlichen Verkaufszahlen von Neuwagen um rund 30 Millionen auf heute etwa 60 Millionen weltweit gestiegen. In den nächsten 30 Jahren sollen noch einmal weitere 30 Millionen hinzukommen. Verkraften die Städte solch einen Anstieg überhaupt noch?

Ich glaube schon. Die Frage ist, wie man Mobilität bei so viel urbaner Konzentration organisiert. China ist zum Beispiel gerade dabei, in den nächsten zwei bis drei Jahren 20 000 Kilometer Autobahn zu bauen. In Russland, Brasilien und China gibt es einen enormen Bedarf an Mobilität. Dabei wird manche Stadt an ihre Grenzen kommen. Aber der Wunsch nach einem Auto ist in diesen Märkten sehr stark. Ein Auto bedeutet vor allem individuelle Freiheit.

Auch wenn es manchmal die Freiheit ist, im Stau zu stehen. Wie groß ist der Umbruch, vor dem die Industrie steht? Stehen wir vor dem goldenen Zeitalter, weil immer mehr Menschen Auto fahren - oder steht der Anfang vom Ende bevor, weil die Ressourcen für den Autoverkehr ausgehen?

Ich bin Optimist, denn die Autoindustrie ist alles andere als Old Economy. Wir müssen den Hubkolbenmotor, also Benziner und Diesel, weiterentwickeln und optimieren. Denn dieser Antrieb ist noch auf Jahre hinaus die Basis für ein solides und profitables Geschäft und sichert die wichtige Übergangsphase zur Elektromobilität. Die Erlöse aus dem Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotor sichern wiederum die Investitionen in Zukunftstechnologien.

Noch verdient die Branche aber ihr Geld am Auto 1.0. Das heißt Verbrennungsmotor, wenig vernetzt und relativ groß. Reicht die Zeit, um damit den Technologieumbruch zu finanzieren?

Nur wer die Kraft hat, die Investitionen von morgen heute zu tätigen, der kann auf dieser Zeitreise dabei sein. Wir haben eine sehr große Herausforderung zu managen - und wir werden sehen, wie schnell sich alles realisieren lässt. Vielleicht braucht man auch für die eine oder andere Lösung etwas mehr Zeit, als den Unternehmen in der öffentlichen Diskussion zugestanden wird. Wir müssen Antworten auf folgende Fragen geben: Wie sieht es mit dem Thema soziale Verantwortung aus? Haben wir CO2-neutrale Fabriken? Kümmern wir uns um das Recycling der Autos? Passt der Energieverbrauch?

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