Audi-Chef Rupert Stadler
Der Büßer aus Ingolstadt

Audi-Chef Rupert Stadler nimmt in der Abgasaffäre die Schuld auf sich. Aus Wolfsburg und Ingolstadt schlagen ihm frostige Töne entgegen. Konzernchef Matthias Müller braucht jedoch den alten Weggefährten.

MünchenSeit zehn Wochen schüttelt die Abgasaffäre die VW-Zentrale durch. Eine Krisensitzung jagt die nächste, Mitarbeiter werden verhört, Schuldige gesucht. Wer wusste was wann? Wie beruhigt man die Kunden, wie die Behörden? Wo bekommen wir das Geld für die Rückrufe und Strafen her?

Vier Autostunden weiter südlich In Ingolstadt war von dieser Hektik zu Beginn der Krise nicht viel zu spüren. Audi-Chef Rupert Stadler muss zwar auch Autos zurückrufen, aber die manipulierten Vierzylinder-Motoren kamen ja von VW. Dass der aus Wolfsburg entsandte mächtige Entwicklungschef Ulrich Hackenberg schon zu Beginn der Affäre das Feld räumen musste, hat Stadlers Position nur gestärkt. Audi ist Opfer in der Affäre, kein Täter, lautete die Gewissheit des Rupert Stadler.

Bis zum zweiten November. In einer knappen Meldung teilten die US-Behörden Carb und EPA mit, dass in den Sechszylinder-Dieseln der Marken VW, Audi und Porsche eine unerlaubte Software stecke, ein so genanntes Defeat Device. Stadler trommelt in Ingolstadt seine Entwickler zusammen, denn Audi hat den Sechszylinder für sich und die Schwestermarken entwickelt. Die Techniker bestreiten den Vorwurf, Stadler meldet Entwarnung nach Wolfsburg. Kurz darauf dementiert der VW-Konzern den Vorwurf öffentlich: Nein, keine unerlaubten Abschaltprogramme im Sechszylinder.

Ein Fehler, den Stadler schon bald bereut. Denn schon wenige Tage später müssen die Entwickler im Audi-Werk Neckarsulm einräumen, dass der Motor sehr wohl ein verbotenes Defeat Device enthält, das von den Amerikanern als Täuschungsprogramm für Abgastests gewertet wird. Stadler tobt und berichtet Müller den Vorgang. Es soll lautstark geworden sein zwischen den beiden. Anfang vergangener Woche fliegt Stadler in die USA, um die Umweltbehörden Milde zu stimmen. Die sind es allmählich satt, immer neue Schummelprogramme in Autos des VW-Konzerns zu entdecken.

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Müller braucht den alten Weggefährten

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