Audi-Entwickler verlässt VW-Konzern
„Hackis“ Abgang

Ulrich Hackenberg, Entwicklungschef von Audi, muss den Konzern verlassen. Der ehemalige Vertraute von Firmenpatriarch Martin Winterkorn soll in die Abgasaffäre verwickelt sein. Wie der VW-Konzern mit dieser Zäsur umgeht.

MünchenAuf die Rennstrecke in Ascari dürfen nur Auserwählte. Hier oben in der spanischen Hochebene finden keine schnöden Autorennen statt, hier testet man unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ulrich Hackenberg kennt hier jede Kurve. Ohne eine Miene zu verziehen prügelt er in der kalten spanischen Wintersonne den neuen Audi R8 durch den Parcour. „Noch eine Runde?“ fragt der Audi-Entwicklungschef seinen Beifahrer. Wer mag da schon nein sagen, wenn Deutschlands mächtigster Autoentwickler noch einmal Gas geben möchte.

Autorennen, das ist Ulrich Hackenbergs Welt. Ein halbes Jahr später ist für den Audi-Entwicklungschef zumindest dienstlich damit offiziell Schluss. Am Donnerstagabend verabschiedete der Audi-Aufsichtsrat den 65-Jährigen, der aber schon seit Ende September beurlaubt ist. Die Aufsichtsräte lasten Hackenberg ebenso wie dem VW-Entwicklungschef Heinz-Jakob Neußer die Verantwortung für den Abgasskandal an, der den VW-Konzern seit Monaten in Atem hält. Ob Hackenberg von den Manipulationen gewusst hat, ist bis heute nicht geklärt.

Hackenberg gilt neben dem ebenfalls gestürzten Martin Winterkorn als der technische Kopf im Volkswagen-Konzern. Gemeinsam mit „Wiko“ entwarf „Hacki“ in den 80er- und 90er-Jahren die Audi-Modellpalette vom A3 über den A8 bis zum Audi TT – Autos, die Audi in die erste Liga der Branche führten.

Hackenberg, das Kind des Ruhrgebiets, und der Schwabe Winterkorn verstanden sich bei den wichtigsten Dingen Fußball und Auto blind. Auch wenn Hacki-Schalke Fan ist, und Winterkorn als Aufsichtsrat des FC Bayern in München saß. Für das Produkt zählte nur kompromisslose Qualität, für die Untergebenen strenger Gehorsam.

Beides mündete in Hackenbergs großer Mission: der Einführung der Baukastenlogik. Über den gesamten VW-Konzern mit seinen 12 Marken und 100 Fabriken sollten nur noch zwei große Arten von Autokonstruktionen erlaubt sein – der modulare Längs- und der modulare Querbaukasten. Wie im Lego-Spielkastensystem werden alle Teile für diese Verwendungen genormt und sollten Volkswagen und seinen Töchtern viel Flexibilität bei geringen Kosten sichern. Technische Sonderwege einzelner Marken sind damit ausgeschlossen.

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