Audi und der Dieselskandal
Aufsichtsrat hält an Rupert Stadler fest

Nach der Audi-Mutter spricht auch der Autobauer selbst in Form des Aufsichtsrats das Vertrauen für Chef Stadler aus. Das bedeutet allerdings nicht viel. Schadenersatzansprüche bleiben weiter auf dem Prüfstand.
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DüsseldorfAuch der Aufsichtsrat von Audi hat Vorstandschef Rupert Stadler das Vertrauen ausgesprochen. Wie die Volkswagen-Tochter am Mittwoch mitteilte, hat sich das oberste Kontrollgremium für die Entlastung aller amtierenden Audi-Vorstände – und damit auch von Stadler – durch die Hauptversammlung ausgesprochen. Der Aufsichtsrat des VW-Konzern hatte am Vortag ebenfalls die Entlastung des Audi-Vorstandschefs empfohlen. Bei Audi hatte der Dieselskandal seinen Ausgang genommen.

Mitte März hatte eine Razzia der Staatsanwaltschaft München II in der Audi-Zentrale in Ingolstadt für Aufsehen gesorgt – just zu dem Zeitpunkt, als Stadler auf der Bilanzpressekonferenz die Zahlen für 2016 präsentieren wollte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen unbekannt. Noch ist also bei Audi offen, ob die Strafbehörden wie bei Volkswagen gegen einzelne Mitarbeiter des Unternehmens vorgehen werden. Stadler, Audi-Chef seit 2007, hat immer wieder betont, dass er von den betrügerischen Manipulationen an den Dieselfahrzeugen nichts gewusst habe.

Wie es in der Mitteilung von Audi weiter hieß, spreche der Aufsichtsrat sein Vertrauen in den amtierenden Vorstand aus, Audi „weiter erfolgreich zu entwickeln“. Mit der vorgeschlagenen Entlastung durch die Hauptversammlung gehe kein Verzicht auf mögliche Schadensersatzansprüche gegen einzelne Vorstandsmitglieder einher. Der Aufsichtsrat prüfe seit Bekanntwerden der Dieselaffäre, ob Schadensersatzansprüche gegen einzelne Vorstandsmitglieder geltend gemacht werden müssten. Diese Prüfung dauere nach wie vor an. Wie schon der Aufsichtsrat auf Konzernebene begründeten auch die Audi-Kontrolleure ihr Entlastungs-Votum für die Vorstände mit einer „umfassenden rechtlichen Prüfung der Anwaltssozietät Gleiss Lutz“. Persönliche Verfehlungen einzelner Vorstandsmitglieder hat der Audi-Aufsichtsrat demnach nicht festgestellt.

Rupert Stadler war schon seit längerem intern zur Last gelegt worden, dass er bei der Aufklärung der Abgasmanipulationen keine glückliche Figur abgegeben habe. Der 54-Jährige hatte deshalb schon mehrfach mit Gegenwind zu kämpfen. Zuletzt waren in einem Rechtsstreit neue Vorwürfe gegen ihn laut geworden. Vor dem Amtsgericht Heilbronn läuft der Prozess eines ehemaligen Audi-Entwicklungsingenieurs, der gegen seine Entlassung im Zusammenhang mit dem Dieselskandal klagt und Stadler beschuldigt.

Für ein inzwischen ausgeschiedenes Audi-Vorstandsmitglied hat es allerdings nicht zur Entlastung gereicht. Die Entscheidung über den früheren Entwicklungsvorstand Stefan Knirsch hat das Audi-Kontrollgremium zunächst einmal vertagt. Knirsch war im Herbst vergangenen Jahres vorzeitig bei Audi ausgeschieden – wegen einer möglichen Verwicklung in den Dieselskandal. Die Aufsichtsräte von Audi begründeten die Vertagung mit „noch laufenden Untersuchungen“.

Audi ist wie Volkswagen unmittelbar am Abgasskandal beteiligt. Weil die Ingolstädter Konzerntochter rund 80.000 manipulierte Dieselfahrzeuge in den USA verkauft hatte, drohen Audi dort Straf- und Entschädigungszahlungen in Milliardenhöhe. Im Mai fällt vor einem US-Gericht die endgültige Entscheidung, welchen Schadensersatz Audi in den USA leisten muss.

Ungeachtet der hohen Belastungen durch die Dieselaffäre verlangt der Audi-Betriebsrat neue Investitionszusagen für das Hauptwerk in Ingolstadt. Dort müsse künftig auch ein ausschließlich mit einem Elektroantrieb ausgestattetes Fahrzeug von den Bändern laufen. „Unser Stammwerk muss weiter fit für die Zukunft gemacht werden“, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Max Wäcker am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung in Ingolstadt. Bislang werden dort außer den Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor nur Hybrid-Modelle gefertigt. Das erste eigene Elektromodell will Audi in seiner Fabrik in Brüssel produzieren.

Audi-Personalvorstand Thomas Sigi versicherte, das Unternehmen investiere konsequent in die Elektrifizierung. „Bis 2020 bringen wir drei rein elektrische Modelle.“ Sigi betonte, dass die Mitarbeiter beim Umbau des Unternehmens in Richtung Digitalisierung und Elektroantrieb alle erdenkliche Unterstützung erhielten.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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