Audi Ungarn: Auferstanden aus Ruinen

Audi Ungarn
Auferstanden aus Ruinen

Schon heute steht in Győr im Westen Ungarns das größte Motorenwerk des VW-Konzerns. Ab Juni wird der Standort noch wichtiger. Dann wird hier der neue A3 gefertigt. Ein Besuch in einer wiederbelebten Industriestadt.
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GyőrDie Fahrt hinaus vom Zentrum der Stadt Győr zum Audi-Werk gleicht einer Reise durch die ungarische Industrievergangenheit. „Fabrik-Friedhof“ nennen die Einheimischen das Gelände. Hinter Steinmauern verfallen längst verlassene Fabriken, auf denen zu Zeiten des Sozialismus noch die Schlote rauchten. Starkstrommasten und Bahnschienen kreuzen die Straße, die hinaus führt zur Zukunft des Industriestandorts im Westen Ungarns.

Vier leuchtende Audi-Ringe begrüßen den Besucher des Audi-Werks Győr, das mittlerweile das größte Motorenwerk des gesamten VW-Konzerns ist. Offiziell arbeiten hier 8600 Mitarbeiter, inoffiziell sind es sogar etwas mehr. Ab Juni sollen hier sogar komplette Fahrzeuge gefertigt werden. Eine Milliarde Euro hat Audi dafür investiert.

Vor fast zwanzig Jahren, als die Produktion im Westen Ungarns startete, hatte mit dieser Entwicklung kaum jemand gerechnet. Zur Eröffnung kamen der damalige VW-Vorstandsvorsitzende Ferdinand Piëch und Niedersachsens Ministerpräsident Gerhard Schröder. Die kleine Zylinderkopffertigung war noch nicht mehr als ein konzerninterner Zulieferbetrieb.

Heute stünden im VW-Werksverbund die meisten Bänder still, wenn in Győr die Produktion ausfallen würde. 8.000 Motoren werden heute pro Tag produziert – vom kleinen 4-Zylinder bis zum leistungsstarken 12-Zylinder. Vom Werk in Győr werden die Motoren hinaus in die großen Fabriken des VW-Imperiums geliefert – von Ingolstadt bis ins chinesische Changchun. Mittlerweile ist Audi Hungaria sogar der größte Exporteur des Landes in Richtung China. „Unsere Aufgabe hier ist es, lokal in Premiumqualität für den Weltmarkt zu wettbewerbsfähigen Kosten zu produzieren“, sagt Werksleiter Thomas Faustmann.

Er leitet das Werk seit zehn Jahren und hat die meisten großen Entwicklungsschritte persönlich miterlebt. „Wir haben hier am Standort gemeinsam über 20 Jahre mit der Stadt, der Region und der Regierung am Thema Infrastruktur gearbeitet.“ Die Autobahnanbindung des Werks habe man innerhalb weniger Monate vereinbart und gemeinsam finanziert. Zudem können Industrieunternehmen in Ungarn in der Regel mit einer staatlichen Hilfe zwischen fünf und zehn Prozent der Investitionssumme rechnen. „An Überseestandorten sind ganz andere staatliche Fördermöglichkeiten denkbar. Aber für europäische Verhältnisse sind wir hier sehr zufrieden“, sagt Faustmann.

Seit 1998 werden in Győr auch der Audi-TT und einige A3-Varianten montiert. Mit einer Tagesproduktion von 89 Autos fällt die Montage im Jahresvergleich aber noch klein aus. Die lackierten Karosserien für den Roadster werden immer noch aus Ingolstadt angeliefert. Doch bald ist diese Zeit vorbei.

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