Industrie

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Audi-Werksleiter Faustmann: „Das ist einmalig im VW-Konzern“

Ab Juni wird im Audi-Werks in Győr der neue A3 gefertigt. Im Interview wehrt sich Werksleiter Thomas Faustmann gegen Zweifel an der Qualität und kritisiert die ungarische Hochschulreform.

Thomas Faustmann leitet das Audi-Werk in Győr seit zehn Jahren.
Thomas Faustmann leitet das Audi-Werk in Győr seit zehn Jahren.

GyőrIm Juni eröffnet Audi in Győr erstmals eine komplette Automobilfertigung. Mit einer Jahresproduktionskapazität von 125.000 Einheiten steigt Ihr Werk dann zu einem der wichtigsten Standorte für die Audi-Kompaktmodelle auf. In Deutschland bestehen Zweifel, dass die Qualität durch die Produktion in Ungarn gleichbleibend hoch bleibt. Was entgegnen Sie den Kritikern?

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Bei uns hat Qualität oberste Priorität. Das Audi-Produktionssystem gilt für alle Audi-Standorte weltweit.  In Győr werden Premiumprodukte hergestellt – mit das Beste, was es auf dem Weltmarkt zu kaufen gibt. Das gilt sowohl für die Motoren als auch für die Automobile. In unseren Produktionsprozess investieren wir seit zwanzig Jahren viel Kraft und heute sind wir, was die Qualität angeht, Spitzenklasse. Wir machen auch bei unseren neuen Produktionslinien keine Kompromisse.

Mit ihrer neuen Autoproduktion sind sie aber auch auf verlässliche Zulieferer angewiesen …

Viele unserer bewährten Lieferanten sind uns nach Győr gefolgt. Wir haben circa 50 Zulieferbetriebe, die in Ungarn produzieren. In der Regel ist es so, dass internationale Firmen ihre Produkte in Ungarn herstellen, die sie in ihren Forschungs- und Entwicklungszentren am Stammsitz entwickelt haben. Wir stellen uns bei der Auswahl der Zulieferer immer die Frage: Ist die Technologie vorhanden, um unseren  Anforderungen gerecht zu werden? Ist die Qualität sichergestellt? Neben der Kostenstruktur sind Technologie und Qualität für uns als Premiumhersteller entscheidend. Dazu ist eine gewisse Forschungs- und Entwicklungsarbeit notwendig.

Audi Ungarn Auferstanden aus Ruinen

Schon heute steht in Győr im Westen Ungarns das größte Motorenwerk des VW-Konzerns. Ab Juni wird der Standort noch wichtiger. Dann wird hier der neue A3 gefertigt. Ein Besuch in einer wiederbelebten Industriestadt.

Sie versuchen derzeit, ihre Ausbildung in Ungarn der dualen Ausbildung in Deutschland anzupassen. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gesammelt?

Ohne Audi würde ein ungarischer Facharbeiter im Extremfall in der Berufsschule so ausgebildet, dass er drei Jahre lang keinen Betriebsalltag erlebt hätte. Wir wollen, dass unsere Auszubildenden früher Praxiserfahrung sammeln. Im zweiten Lehrjahr kommen die Auszubildenden zu uns, um sich  die Griffe und Kniffe von unseren Experten vor Ort anzueignen. In unserem Projekt- und Trainingszentrum, das wir vor 1,5 Jahren neu errichtet haben, bilden wir in 13 unterschiedlichen Berufen aus. Dennoch gibt  es immer noch Unterschiede: Auszubildende in Deutschland haben einen Vertrag mit dem Unternehmen. So etwas gibt es hier in Ungarn noch nicht. Einen Vertrag gibt es erst nach der Ausbildung. Auch bei Neueinstellungen legen wir sehr strenge Auswahlkriterien an. Das führt dazu, dass unsere Produktionsmannschaft über ein sehr hohes Qualifikationsniveau verfügt.

  • 06.02.2013, 10:02 UhrDoktorDip

    Gyor, Heimat des quattro, haha.
    Ist es wirklich zu begrüßen, wenn eine neue Produktionsstraße für Audis kleinere Modelle in Ungarn steht? Warum fragt das Handelsblatt nicht nach, an welchem Standort Audi die A4 bis A6-Fertigung in zehn Jahren sieht?
    Beginnender Ausverkauf nach Osteuropa sage ich dazu nur, wie bei Generela Motors Richtung Mexiko in den 80er Jahren..

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