0 Bewertungen
20.04.2008 
Deutsche Autobauer im Reich der Mitte

Audi will in China Absatz verdoppeln

von Andreas Hoffbauer

Der deutsche Autobauer Audi peilt in China eine Verdoppelung des Absatzes auf 200 000 Fahrzeuge jährlich an. Doch dafür müssen die Ingolstädter einiges unternehmen, wie Audi-Chef Rupert Stadler dem Handelsblatt sagte. Ehrgeizige Probleme hat auch die deutsche Konkurrenz.

Audi-Chef Rupert Stadler sieht sich auf einem guten Weg. Foto: apLupe

Audi-Chef Rupert Stadler sieht sich auf einem guten Weg. Foto: ap

PEKING. Um dieses Ziel langfristig zu erreichen, werde der Hersteller seine Produktion vor Ort deutlich ausbauen müssen, erklärte Audi-Chef Stadler am Sonntag am Rande der Eröffnung der Pekinger Automesse. "Wir sind momentan in China gut ausgelastet und werden langfristig um einen Kapazitätsaufbau und neue Investitionen nicht herumkommen."

Stadler deutete an, dass der neue Q5 künftig bereits im nächsten Jahr auch in China gebaut werden soll. Zur geplanten Markteinführung auf den chinesischen Markt im Sommer 2009 werde der kleine Geländewagen zunächst aber "auf jeden Fall aus Europa" kommen, so der Audi-Chef. Der Q5 wurde am Wochenende auf dem Pekinger Autosalon erstmals präsentiert und wird zuerst im Herbst in Europa auf dem Markt gebracht.

Dieses Jahr will Audi den China-Absatz um neun Prozent auf 110 000 Fahrzeuge steigern. "Das erste Quartal verlief mit einem China-Plus von 25 Prozent sehr erfreulich", zeigt sich Stadler optimistisch. Bislang fertigt Audi in der nordchinesischen Stadt Changchun gemeinsam mit dem chinesischen Partner FAW seine Limousinen. In China hat Audi 125 exklusive Audi-Händler in 85 Städten.

Audi geht davon aus, dass sich der Pkw-Absatz in China von zuletzt 5,3 Millionen um jährlich mindestens eine Million Fahrzeuge erhöhen wird. Im so genannten Premium-Bereich verkauft die Marke jedes zweite Fahrzeug und ist klarer Marktführer. Vor allem Behörden und Regierungsstellen, aber auch viele Hotels und Unternehmen nutzen in der Volksrepublik meist Audi-Dienstfahrzeuge.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: BMW und Mercedes greifen an

Hauptkonkurrenten wie BMW und Mercedes blasen in China allerdings zum Angriff, vor allem im Flottengeschäft. Das China-Joint-Venture von BMW kündigte gestern an, seine Kapazität bis 2012 zu verdreifachen. Die jährliche Produktion soll auf 100 000 Autos von derzeit 35 000 gesteigert werden, teilte der BMW-Partners Brilliance auf der Pekinger Automesse mit. 2007 legte der BMW-Absatz in China um 37 Prozent auf rund 61 000 Fahrzeuge zu.

Konkurrent Mercedes überlegt, seine in Peking produzierte E-Klasse auch als Langversion in China auf den Markt zu bringen. Mit seinen zehn Zentimeter verlängerten Modellen war Audi schon sehr früh auf dem chinesischen Markt erfolgreich, da wohlhabende Chinesen meist mit Fahrer unterwegs sind. Daimler-Chef Dieter Zetsche erklärte in Peking, der Konzern wolle sein Händlernetz in China zudem deutlich ausbauen. Daimler möchte seinen Konkurrenten BMW auf dem chinesischen Markt übertreffen. Konzernchef Dieter Zetsche sagte, er sei von dem Erfolg dieses Vorhabens überzeugt.

Für Audi sei China "nach Deutschland der zweite Heimatmarkt", betonte Audi-Chef Stadler. Dass das Reich der Mitte eines Tages den deutschen Absatz überholen werde, sei zwar nicht auszuschließen, "aber bis dahin ist es noch ein sehr langer Weg." In China werde der Pkw-Markt vor allem im Bereich der Massenmodelle wachsen. In Deutschland verkaufte die Marke aus Ingolstadt zuletzt rund 250 000 Fahrzeuge im Jahr.

Audi plane allerdings in Zukunft keine Exporte aus chinesischen Fabriken in andere Märkte. Stadler: "Wir produzieren in China für China, das bleibt auch so." Die VW-Tochter stellt als Mitsponsor der Sommerspiele auch einen großen Teil der Olympia-Flotte sowie der Fahrzeugkonvois für den Fackellauf. Kritik an der Großveranstaltung in Peking wies Stadler zurück: "Sport bringt Menschen zueinander und das unterstützen wir." Kritik am China-Engagement sei da völlig fehl am Platz: "Wir müssen uns nicht entschuldigen, dass wir in China Autos verkaufen."

Umwelttechnologien wie moderne Dieselmodelle werden seiner Ansicht nach eine immer wichtigere Rolle bei den Kunden spielen. Neue Konkurrenz aus China sieht der Audi-Chef allerdings noch "nicht heute und nicht morgen". Chinas Limousinenmarkt werde auch in Zukunft in der Hand der deutschen Marken bleiben.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterKöpfe

Eick löst Middelhoff als Arcandor-Chef ab  Artikel in Merkliste

Das ist ein Paukenschlag in der deutschen Unternehmenslandschaft: Der Noch-Finanzvorstand der Deutschen Telekom, Karl-Gerhard Eick, wird neuer Vorstandschef des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor. Das erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen. Was aus dem aktuellen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wird, ist noch unklar. Artikel


Anzeige