Auf Bau von Protein-Produktion wird verzichtet
Merck stoppt Millionen-Projekt in Jena

Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck hat eine Großinvestition für die Produktion von Krebsmedikamenten in Jena auf Eis gelegt. In das Werk mit 280 Arbeitsplätzen sollten rund 300 Millionen Euro investiert werden. Die Produktion von Erbitux und EMD 72000 solle nun über externe Hersteller abgesichert werden.

HB FRANKFURT. „Merck sieht für den eigenen mittelfristigen Bedarf ausreichend Produktionskapazitäten für biologische Wirkstoffe am Markt verfügbar,“ begründete Konzernchef Bernhard Scheuble am Montag die Entscheidung. Merck bevorzuge daher eine flexible Lösung, „anstatt Kapital in einer neuen Anlage zu binden,“ ergänzte er. Zu der Entscheidung habe auch die aktuelle Unsicherheit über die Gesundheitsreformen in Deutschland beigetragen. Die neuen biologischen Krebsmittel wären etwa von den Zwangsrabatten und dem Eingriff in die freie Preisbildung bei Innovationen betroffen.

Merck hatte im März Pläne zum Bau einer neuen Anlage zur Proteinherstellung im thüringischen Jena bekannt gegeben und mitgeteilt, eine endgültige Entscheidung für den Bau noch in diesem Jahr treffen zu wollen. Damals war eine Investitionssumme von rund 300 Mill. € genannt worden. Die EU hatte eine Hilfe in Höhe von 78 Mill. € für das Werk gebilligt.

Bei der Investition hätte es sich nach früheren Unternehmensangaben um die größte Einzelinvestition in der 335-jährigen Geschichte des Darmstädter Traditionsunternehmens gehandelt. Die Produktionsstätte hätte etwa 260 neue Arbeitsplätze und 20 Ausbildungsplätze geschaffen.

Nach Angaben eines Merck-Sprechers hat sich seit März der Markt für das Outsourcing biologischer Wirkstoffe deutlich erholt. „Es gibt mehr freie Kapazitäten, so dass Merck sich nun günstiger von außen bedienen kann“, erklärte der Sprecher. Auf mittlere Sicht ist nach Einschätzung der Darmstädter die Verfügbarkeit der neuen biologischen Krebsmedikamente Erbitux und EMD 72000 durch Auftragsproduktionen bei externen Herstellern gesichert. Das Unternehmen verfüge für die Herstellung von Erbitux bereits über Lieferkontrakte mit Boehringer Ingelheim und dem US-Konzern ImClone Systems, teilte Merck mit.

„Bei EMD 72000 stehen wir noch in Verhandlungen“, sagte der Sprecher. EMD 72000 befindet sich gegenwärtig in der klinischen Erprobung der Phase II. Mit einer Marktzulassung rechnet Merck frühestens 2007. Die Entwicklung der beiden Krebsmedikamente Erbitux und EMD 72000 verläuft nach Unternehmensangaben nach Plan.

Die Darmstädter hatten vergangene Woche mitgeteilt, dass die Schweizerische Arzneimittel-Zulassungsbehörde Swissmedic im beschleunigten Verfahren einen positiven Vorbescheid über die Zulassung von Erbitux erlassen habe. Der endgültige Bescheid über die Zulassung soll nun innerhalb von 30 Tagen eingehen. Merck hatte die Zulassung des Medikaments, das als Hoffnungsträger der noch jungen Merck-Krebssparte gilt, bei den zuständigen Behörden der Schweiz und der Europäischen Union (EU) Ende Juni eingereicht. Für das Mittel hält Merck einen Jahresumsatz von bis zu 500 Mill. € für möglich. Die Merck-Aktie lag mit 1,7 % etwas stärker als der MDax im Minus bei 31,68 €.

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