Auf Expansionskurs
Klöckner & Co rollt den Markt auf

Der Duisburger Stahlhändler Klöckner & Co fasst jetzt auch mittelgroße Zukäufe ins Auge – und treibt die Konsolidierung innerhalb der Branche voran. „Wir wollen wie bisher pro Jahr zehn bis zwölf kleine Unternehmen erwerben“, sagte Vorstandschef Thomas Ludwig dem Handelsblatt.

DUISBURG. Unter dem Strich soll das für ein Umsatzwachstum von fünf Prozent pro Jahr reichen. „Mindestens“, fügt Ludwig hinzu. Denn inzwischen traue sich Klöco zu, auch Unternehmen in der Größenklasse 150 bis 200 Mill. Euro Umsatz zu kaufen. Dabei denkt er offenbar an Nordamerika, wo der Konzern noch relativ schwach vertreten ist.

Die rasante Konzentration auf Seiten der Produzenten setzt die werksunabhängigen Stahlhändler unter Druck. Durch Fusionen wie Arcelor/Mittal und Corus/Tata verschlechtert sich ihre Verhandlungsposition gegenüber den Lieferanten. Es gibt noch viele kleine Spieler im Markt. In Europa sind 3 000, in Nordamerika 1 300 Stahlhändler aktiv.

„Die Händler müssen eine kritische Größe zu erlangen, um für die Produzenten ein gleichwertiger Partner zu sein“, sagt Branchenexperte Markus Loy von der Düsseldorfer WGZ Bank. Als führender europäischer Stahlhändler „zeigt Klöco schon bisher die stärkste Aktivität bei Fusionen und Übernahmen“, hat Loy beobachtet. Sechs Millionen Tonnen Stahl kauft Klöco pro Jahr direkt bei allen wichtigen Produzenten ein.

Vor allem bei der Versorgung kleinerer Abnehmer aus der Bauindustrie und dem Maschinenbau kann das 101 Jahre alte Traditionsunternehmen sein engmaschiges Netz mit 238 Lagerstandorten als Absatzkanal für die Produzenten ins Spiel bringen. Mit Ausnahme der Automobilindustrie beliefern die Produzenten keine Endkunden direkt.

Finanziell ist Klöco für die Expansion gerüstet. Der Börsengang im Juni 2006 spülte 100 Mill. Euro in die Firmenkasse. Auch operativ sind die Duisburger gut unterwegs. Bereits im Januar meldete Klöco, dass sich das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) 2006 um 43 Prozent auf 395 Mill. Euro verbessert hat. Zugleich stieg der Umsatz um fast elf Prozent auf 5,5 Mrd. Euro. Am Donnerstag legt Klöco die Bilanz für 2006 vor.

Der Start ins Jahr 2007 war verheißungsvoll. Die deutsche Tochter, die allein für 20 Prozent vom Konzernumsatz steht, profitiere von der starken Binnenkonjunktur. Mit ihren aktuellen Renditen belege das einstige Sorgenkind bereits einen Platz im Mittelfeld der Gruppe, bilanziert Ludwig die erfolgreiche Sanierung seit dem Jahr 2005. Allerdings überzeichne das erste Quartal den Aufwärtstrend: „Schließlich hatten wir ja keinen richtigen Winter.“ Trotzdem geht der Konzernchef von einer positiven Entwicklung mit steigenden Preisen und stabilen Absatzmengen zumindest bis zum Sommer aus.

Vor einem möglichen Rutsch der Stahlpreise ab dem zweiten Halbjahr, wie ihn die Analysten der Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse prognostizieren, ist Ludwig nicht bange. Denn davon wäre sein Unternehmen weniger betroffen als die Prozenten, versichert der Klöco-Chef: „Unser Geschäftsmodell ist stabil.“ Diesen Punkt hätten die Investoren anfangs nicht verstanden.

Damit spielt Ludwig darauf an, dass sich der Aktienkurs von Klöco bisher im Schlepptau der Stahlhersteller entwickelt und seit Juni auf aktuell 42 Euro mehr als verdoppelt hat. Sogar der schrittweise Ausstieg des bisherigen Eigentümers Lindsay Goldberg Bessemer bremste die Aktie nicht. Der Finanzinvestor, der Klöco 2005 von der WestLB gekauft hatte, hält inzwischen nur noch 15,5 Prozent.

Analysten prognostizieren trotz besserer Zahlen im Kerngeschäft ein Ergebnisminus von zehn Prozent für 2007. Der Grund ist, dass der Verkauf von Randaktivitäten und Bestandsaufwertungen das Vorjahresergebnis um 90 Mill. Euro erhöht haben. Mit einer bereinigten operative Marge von 5,5 Prozent liegt Klöco vor Konkurrent Schmolz + Bickenbach, der 2006 im Handel auf 4,8 Prozent kam.

Einen weiteren Schuldenabbau hält Ludwig nicht für erforderlich. Bei einem nachhaltigen Ebitda von mindestens 300 Mill. Euro sei eine Nettoverschuldung von 375 Mill. Euro angemessen. Von dem Schaden, den der frühere Besitzer Balli anrichtete, als er 2002 die Firmenkasse plünderte, habe sich Klöco erholt. Ludwig: „Ein Unternehmen wie dieses kriegt man so schnell nicht kaputt.“

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%