Auf Expansionskurs
Michelin bekräftigt Interesse an Conti-Reifen

Der weltgrößte Reifenhersteller Michelin hat sein Interesse an der Reifensparte des deutschen Konkurrenten Continental unterstrichen. „Sollten die neuen Conti-Eigentümer die Reifensparte eines Tages zum Verkauf stellen, schauen wir uns das selbstverständlich an“, sagte Konzernchef Michel Rollier dem Handelsblatt. Allerdings fürchtet er kartellrechtliche Probleme bei einer Komplettübernahme.

PARIS. Der neue Continental-Eigner Schaeffler hat bei der Übernahme zwar eine weitgehende Bestandsgarantie für das Unternehmen abgegeben, die die Reifensparte umfasst. Doch prüft Continental nach Angaben aus Firmenkreisen zumindest die Zukunft des europäischen Reifengeschäfts. Es gebe konkrete Sondierungsgespräche über einen Verkauf, heißt es. Continental hat am Montag Pläne für eine neue Konzernstruktur vorgestellt. Danach wird das Reifengeschäft in eine eigene Gruppe überführt. Experten werten dies als Schritt zu einer möglichen Trennung.

Reifenhersteller stehen derzeit unter doppelten Druck: Die weltweite Konjunkturflaute lässt den Autoabsatz sinken und damit die Nachfrage nach Reifen für die Erstausstattung ab Werk. Zudem drücken die hohen Kautschuk-Preise auf die Margen. Michelin allein kauft pro Jahr rund zehn Prozent des Kautschuk-Weltangebots auf.

Wegen der schwachen Märkte zeigte sich Rollier im Handelsblatt-Gespräch zurückhaltend, ob Michelin das angepeilte Gewinnziel in diesem Jahr erreichen kann. „Es ist zwar noch zu früh zu sagen, ob die aktuelle Krise unsere Marge belasten wird“, sagte er. Sollten die nächsten Wochen und Monate aber schlecht laufen, werde das Unternehmen „eine Belastung haben“.

Derzeit stellt der französische Konzern in Aussicht, die Gewinnspanne des ersten Halbjahres weiter zu halten. Sie lag bei 8,6 Prozent, gemessen am Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) im Verhältnis zum Umsatz. Im April hatte Michelin die Märkte mit einer Gewinnwarnung geschockt und angesichts der steigenden Rohstoffpreise das Margenziel nach unten korrigiert. Zuletzt hat auch Konkurrent Continental angesichts der schleppenden Autokonjunktur die Prognose herabgesetzt.

Analysten glauben nicht, dass Michelin seine Ziele in diesem Jahr erreichen wird. Aus den bei Bloomberg erfassten Gewinnschätzungen ergibt sich, dass die Experten im Schnitt mit einer Ebit-Marge von 8,1 Prozent rechnen. „Wir glauben, dass die wirtschaftlichen Risiken nicht vollständig im Konzernausblick berücksichtigt sind“, sagte ein Analyst eines Pariser Brokers. Die Michelin-Aktie hat seit Anfang des Jahres über 40 Prozent ihres Wertes verloren.

Bei dem geplanten Umbau sieht sich Michelin auf Kurs. Bis zum Jahr 2010 will Michelin die Kosten um 1,5, bis 1,7 Mrd. Euro senken. Davon seien bereits 500 Mill. Euro erzielt worden, sagte Rollier. Gelungen sei dies durch eine stärkere Standardisierung der Produktion und eine bessere Spezialisierung der Werke. So produziert das Werk im französischen Bourge nur noch Pkw-Reifen, die Herstellung von Flugzeug-Reifen wurde eingestellt. Zu den spektakulärsten Schritten zählt die Schließung des Werkes in Toul, in dem 826 Menschen arbeiten. Zum jetzigen Zeitpunkt seien keine weiteren Schließungen geplant, versichert der Michelin-Chef. Über die vier Standorte in Deutschland äußerte er sich zufrieden. Anfang des Jahres hatte der Konzern dort unter anderem längere Arbeitszeiten und längere Werkslaufzeiten durchgedrückt.

Während der Autoabsatz in USA und Europa lahmt, boomen die Märkte in den aufstrebenden Volkswirtschaften, vor allem Brasilien, Indien und China. „Mit nur zwei Werken in China haben wir Probleme der Nachfrage zu folgen“, sagte Rollier. Derzeit würde Michelin den Bau neuer Werke prüfen. In fortgeschrittenem Stadium seien Gespräche zum Kauf eines Grundstücks für eine neues Fabrik in Indien.

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