Auf Hauptversammlung klagt der Vorstand über schleppendes Geschäft im Inland
Für Bilfinger Berger wird Deutschland immer unwichtiger

Deutschlands zweitgrößter Baukonzern Bilfinger Berger wird immer internationaler. Das Geschäft im Heimatmarkt ist mittlerweile verschwindend klein.

HB MANNHEIM. „In diesem Jahr werden wir auf Grund des Wachstums im Ausland nur noch 19 Prozent unserer Leistung auf dem deutschen Baumarkt erbringen“, sagte Vorstandschef Herbert Bodner am Donnerstag auf der Hauptversammlung von Bilfinger Berger in Mannheim.

Zwar schreibe Bilfinger Berger in Deutschland weiterhin schwarze Zahlen, der inländische Baumarkt bleibe jedoch unverändert schwierig. Der Ingenieurbau leide unter einer angespannten öffentlichen Haushaltslage und auch im Hochbau sei mit einer weiter rückläufigen Nachfrage zu rechnen. „Im Unterschied zu Deutschland ist in anderen europäischen Staaten beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur erhebliche Dynamik zu verzeichnen“, sagte Bodner.

Das vor 125 Jahren gegründete Unternehmen hat in den vergangenen Jahren seine internationalen Aktivitäten deutlich ausgebaut. Im Jahr 2002 hatte der Anteil des Deutschland-Geschäfts an der Leistung noch 31 Prozent betragen. 2003 erwarb Bilfinger Berger zwei große Baugesellschaften in den USA und Australien.

Für das laufende Geschäftsjahr bekräftigte Bodner, dass beim operativen Ergebnis und beim Überschuss deutliche Zuwächse zum Vorjahr erreicht werden sollen. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital (Roce) soll ab 2005 mindestens elf Prozent betragen, nach 8,8 Prozent im Jahr 2004. Die Bauleistung solle ohne Berücksichtigung von möglichen Zukäufen mit 6,7 Milliarden Euro den Rekordwert des Vorjahres in Höhe von 6,11 Milliarden Euro nochmals übertreffen.

Kräftiges Wachstum verspricht sich Bilfinger Berger von der in den vergangenen Jahren als zweites Standbein neben dem Baugeschäft aufgebauten Sparte Dienstleistungen. In den beiden hochmargigen Geschäftsfeldern Gebäude-Management und Industrie-Dienstleistungen soll die Leistung um rund ein Viertel auf zwei Milliarden Euro steigen. Mehr als 500 Millionen Euro soll das Gebäude-Management beisteuern, der Großteil werde durch Industrie-Dienstleistungen wie etwa Instandhaltung erlöst. Beim operativen Ergebnis (Ebita) der Sparte sei ein Zuwachs auf rund 80 Millionen Euro zu erwarten; im Vorjahr waren es 62 Millionen Euro.

Mit der Westdeutschen Immobilienbank (WIB) will Bilfinger Berger seine Aktivitäten im kaufmännischen Gebäude-Management künftig in dem Gemeinschaftsunternehmen EPM Assetis GmbH bündeln. Der Baukonzern kontrolliert 70 Prozent der Anteile, die WIB den Rest. EPM Assetis soll im laufenden Jahr mit 400 Mitarbeitern eine Leistung von mehr als 60 Millionen Euro erwirtschaften und einen positiven Beitrag zum Konzernergebnis liefern.

Von den Aktionären erhielt das Management um Konzernchef Bodner auf der Hauptversammlung zumeist Lob für „die im Branchenvergleich erfolgreiche Unternehmensführung“. Kritik wurde von einigen Anteilseignern an der Aufsichtsratsvergütung in Höhe von mehr als einer Million Euro und den zurückhaltenden Geschäftsprognosen geübt. „Die mittelfristig angestrebte Verdoppelung des Konzernergebnisses auf 100 Millionen Euro erreichen Sie bereits locker in diesem Jahr“, mahnte ein Aktionär den Vorstand.

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