Auf Rekordjagd
Türkische Autobauer holen auf

Die türkischen Automobilhersteller fahren von einem Rekord zum nächsten: Im Jahr 2007 liefen 1,2 Mill. Fahrzeuge von den Bändern. Die Branche hat ihre Produktion damit in nur vier Jahren verdoppelt. Ein großer Teil der Fahrzeuge ging dabei nach Deutschland.

ISTANBUL. In der Weltrangliste der Automobilproduzenten liegen die türkischen Automobilhersteller aktuell auf Platz 16. Bis zum Jahr 2010 will die Türkei mit einer Fertigung von zwei Mill. Einheiten unter die weltweit zehn größten Automobilhersteller aufrücken. Eine tragende Säule des Erfolgs ist der Export: Über 70 Prozent der Fahrzeuge werden im Ausland verkauft. Größter Absatzmarkt ist Deutschland.

Das Inlandsgeschäft lief 2007 dagegen schlecht: steigende Kraftstoffpreise, hohe Zinsen und Steuern ließen den KFZ-Absatz um 9,5 Prozent einbrechen. Während der Handel klagt, verbreiten die türkischen Automobilhersteller Zuversicht. Denn die schwache Inlandsnachfrage wird durch wachsende Exporte mehr als ausgeglichen: "Wir werden unsere Produktion im zu Ende gehenden Jahr um etwa zwölf Prozent gesteigert haben", sagte Ercan Tezer, Generalsekretär des Verbandes der türkischen Automobilindustrie (OSD) dem Handelsblatt.

2008 sollen die KFZ-Exporte erneut um zehn bis 15 Prozent wachsen. Für das kommende Jahr erwartet der Verbandschef überdies eine Trendwende auf dem Inlandsmarkt: Tezer rechnet bei den Neuzulassungen mit einem Plus von 15 Prozent. Bis 2009 will die Branche rund 1,6 Mrd. Dollar in den Ausbau ihrer Produktionskapazitäten investieren. Gerade der Heimatmarkt hat viel Potenzial: In der Türkei kommen erst 122 Kraftfahrzeuge auf 1000 Einwohner. Damit liegt das Land nicht nur unter dem Weltdurchschnitt von 136 Autos pro 1000 Einwohner, sondern auch hinter wirtschaftlich vergleichbaren Ländern wie Bulgarien oder Rumänien.

Auch der Bedarf an Nutzfahrzeugen dürfte angesichts eines prognostizierten Wirtschaftswachstums von fünf bis sechs Prozent pro Jahr weiter steigen. Davon könnten vor allem die deutschen Hersteller Daimler und MAN profitieren. "Für uns war 2007 ein weiteres Rekordjahr", freut sich Jürgen Ziegler, Präsident und CEO von Mercedes -Benz Türk. Das Unternehmen fertigt LKW im zentralanatolischen Aksaray. Ihre Reisebusfertigung haben die Stuttgarter komplett in die Türkei verlegt, nach Hosdere bei Istanbul. Trotz rückläufiger Entwicklung des Gesamtmarktes hat Mercedes 2007 seine Position als Marktführer im türkischen Bus- und LKW-Segment weiter ausgebaut. "Maßgeblich zugelegt haben wir beim Export unserer Fahrzeuge", sagte Ziegler dem Handelsblatt. Mercedes-Benz Türk werde in den kommenden Jahren "massiv in den Kapazitätsausbau investieren, um die erwartete Steigerung der Produktion darstellen zu können".

Mit dem rasanten Wachstum der Fertigung ist in den vergangenen Jahren in der Türkei auch eine dynamische Zulieferindustrie entstanden. Sie besteht aus rund 900 Unternehmen, darunter etwa 200 Joint Ventures mit ausländischen Partnern. Die Branche beschäftigt rund 250 000 Menschen. Wie die Autohersteller profitieren auch die türkischen Zulieferer von Löhnen, die bei weniger als einem Drittel des deutschen Durchschnitts liegen. Für einen weiteren Kostenvorteil sorgen die in der Türkei noch übliche 45-Stunden-Woche und der niedrige Krankenstand.

Die türkischen Zulieferer bedienen neben der heimischen Automobilindustrie etwa 150 Exportmärkte und erzielen dabei ein Volumen von drei Mrd. Dollar. Vor Herausforderungen steht die Branche bei der Beherrschung der zunehmenden Teilevielfalt und -komplexität.

Integration und Entwicklungskompetenz dürften die Schlüsselworte sein, die darüber entscheiden, ob sich die türkischen Lieferanten nachhaltig im globalen Wettbewerb behaupten können.

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