Aufarbeitung des Schmiergeldskandals
Siemens trennt sich von Anti-Korruptionschef

Der Führungswechsel im Siemens-Konzern hat weitere personelle Konsequenzen. Das Unternehmen bestätigte am Donnerstagabend, dass Daniel Noa, Chef der Compliance-Abteilung, von seinen Aufgaben entbunden wird. Das Urteil über die Arbeit des Mannes, der eigentlich den Siemens-Korruptionssumpf trocken legen sollte und nun schon nach einem halben Jahr wieder seinen Schreibtisch räumen muss, fällt vernichtend aus.

MÜNCHEN. Der 55 Jahre alte Noa hatte sein Amt erst am 1. Januar angetreten. Seine Abteilung soll für ordnungsgemäßes Verhalten im Konzern sorgen und ist mit der Aufarbeitung des Schmiergeldskandals beauftragt. Siemens hatte die überraschende Berufung Noas kurz vor Weihnachten bekannt gegeben, als sich der Schmiergeldskandal zuspitzte. Noah hatte zuvor als Staatsanwalt in Stuttgart gearbeitet.

Aus Kreisen des Aufsichtsrats verlautete, die Entscheidung komme nicht überraschend. Noa sei bei Siemens nie wirklich heimisch geworden, auch deshalb habe er kein schlüssiges Compliance-Programm entwickeln können. Dem Vernehmen nach erschwerten Noas zudem bescheidene Englisch-Kenntnisse die Zusammenarbeit mit den internen Korruptionsermittlern der amerikanischen Kanzlei Debevoise & Plimpton. Noa war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Der Stuttgarter Ermittler gehörte zu den Schlüsselfiguren des neuen Compliance-Systems, das der damalige Siemens-Chef Klaus Kleinfeld installierte und zu Jahresbeginn 2007 an die Arbeit brachte. Zuvor waren zahlreiche hochrangige Siemens-Manager verhaftet worden, darunter der ehemalige Zentralvorstand Thomas Ganswindt. Die Ermittler vermuten, dass Siemens-Manager ein System schwarzer Kassen aufgebaut haben, um damit Auftragsvergaben im Ausland zu erleichtern. Dort sollen hunderte von Millionen Euro geparkt worden sein.

Der bisherige CEO Kleinfeld hatte deshalb ein ganzes System unterschiedlicher Ermittlungsinstanzen aufgebaut, darunter die US-Kanzlei Debevoise, die eng mit der amerikanischen Börsenaufsicht SEC zusammenarbeiten. Debevoise holte auch auf Wirtschaftsdelikte spezialisierte Buchprüfer von Deloitte ins Haus. Hinzu kam der Anti-Korrputionsberater und ehemalige Watergate-Ermittler Michael Hershman, wenig später engagierte Kleinfeld auch noch die Kanzlei Davis-Polk. In diesem Geflecht unterschiedlicher Instanzen soll sich Noa verfangen haben. Ob der neue Konzernchef Löscher die Strukturen nach dem Weggang Noas neu ordnen wird, ist noch nicht bekannt.

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