Aufräumarbeiten führen zu Engpass
„Katrina“ bringt Ölfeld-Ausrüster in Bedrängnis

Die Folgen des Wirbelsturms Katrina im Golf von Mexiko haben die weltweite Ölindustrie weiterhin fest im Griff. Vor Ort laufen die Aufräum- und Reperaturarbeiten an den Anlagen auf Hochtouren. Dies führt allerdings dazu, dass es weltweit an Ausrüstung für die Exploration und Produktion, also das Suchen und Fördern von Öl, mangelt und sich Projekte dadurch verzögern könnten.

tom DÜSSELDORF. „Darunter leiden alle in der Industrie“, sagte der Chef der staatlichen kuwaitischen Ölfirma Kuwait Foreign Petroleum Exploration, Bader al-Kashti der Nachrichtenagentur Bloomberg. Nun müsste der Beginn von Bohrungen verschoben werden. Ähnlich äußerte sich der Chef von Qatar Petroleum, Talib al-Murri.

Der Markt für die Ausrüstung von Ölfeldern war bereits in den Monaten vor dem verheerenden Wirbelsturm sehr angespannt. Die Situation habe sich jetzt noch weiter verschärft, beobachten die Ölanalysten von ING. Vor allem mangelt es an schwimmenden Bohrplattformen sowie an spezialisierten Ingenieuren.

Der Wirbelsturm Katrina hatte im Golf von Mexiko rund zwei Dutzend kleinere Plattformen zerstört. Auch in Kreisen europäischer Ölkonzerne wird der Mangel an Ausrüstung registriert. In der vergangenen Woche hatten Firmen auf einer Konferenz im schottischen Aberdeen bereits Engpässe beklagt.

Im Ölgeschäft verlassen sich die Energiemultis bei der Erschließung neuer Quellen meist auf die Dienstleistungen so genannter Ölservice-Firmen. Diese Unternehmens stellen Bohrinseln, Fachkräfte und errichten einen Großteil der Infrastruktur für die Konzerne. Zu den größten der Branche zählen die US-Konzerne Halliburton und Schlumberger.

Deren Geschäft boomt: Bei Rohölpreisen von über 60 Dollar für ein Barrel (entspricht 159 Litern) haben die börsennotierten wie auch die staatlichen Ölkonzerne ihre Budgets für die Exploration und Produktion erheblich aufgestockt.

Die Investmentbank Lehman Brothers hat ermittelt, dass die Ölindustrie in diesem Geschäftsfeld 2005 gut 13 Prozent mehr ausgeben wird als im Vorjahr. Nachdem sich die Ölfirmen in den neunziger Jahren in Zeiten niedriger Rohölpreise stark verschlankt hatten und wenig Geld in das Auffinden neuer Ölquellen gesteckt haben, ziehen die Aktivitäten nun rasant an. Damit steigen auch die Kosten für das benötigte Material sowie fähiges Personal. Eine Bohrplattform kann Analysten zu Folge heute schon rund 100 000 Dollar am Tag kosten. Das ist mehr als doppelt so teuer wie im Vorjahr.

Diese Schwierigkeiten kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Experten weisen zwar darauf hin, dass nach wie vor genug Rohöl auf dem Markt ist. Doch wenn sich in der kommenden Woche die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) in Wien trifft, wird es auch um die Frage gehen, ob und wie das Kartell seine Förderung weiter ausweiten kann.

Saudi-Arabien, aber vor allem der Iran als zweitgrößtes Förderland der Opec, müssen in alte Felder investieren, um die Produktion steigern zu können. Das staatliche saudische Ölunternehmen Saudi Aramco verfügt mit Safaniya über eines der weltweit größten Förderprojekte auf hoher See. Auch die riesigen iranischen Soroush und Nowruz-Felder befinden sich vor der Küste (Off Shore). Analysten befürchten nun, dass die große Nachfrage nach Off-Shore-Technik weltweit das Wachstum der Förderung dort bremsen könnte.

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