Aufruf zu europaweiten Aktionen bei Electrolux
AEG-ler machen ihr Werk dicht

Die Beschäftigten des Nürnberger AEG-Werks geben nicht auf. Tausend von ihnen protestierten am Freitagmorgen gegen die drohende Schließung der Traditionsfabrik durch den Electrolux-Konzern. Zeitgleich gingen zig Kollegen im restlichen Europa auf die Straße.

HB NÜRNBERG. Die Beschäftigten der Frühschicht versammelten sich vor den Toren und blockierten sie für den Lieferverkehr. Als leitende Manager eintrafen, wurden sie mit Pfiffen und Buhrufen empfangen, am Betreten der Fabrik allerdings nicht gehindert.

Die Aktion war Teil eines europaweiten Protesttags, zu dem der Europäische Metallgewerkschaftsbund rund 25&bsp;000 Beschäftigte des schwedischen Mutterkonzerns Electrolux in Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich, Belgien, Ungarn und Schweden aufgerufen hat.

Von dem Aktionstag solle ein klares Signal an die Electrolux- Führung ausgehen, dass sich die Beschäftigten an den europäischen Standorten nicht länger gegeneinander ausspielen ließen, sagte der Nürnberger IG-Metall-Funktionär Jürgen Wechsler. „Ab heute sind alle Standorte in Europa solidarisch. In Zukunft reden wir nicht nur über ein Europa der Konzerne und des Kapitals, sondern auch über ein Europa der Arbeitnehmer.“

Electrolux prüft die Schließung des Nürnberger Werks mit 1750 Beschäftigten. Unabhängig von der endgültigen Entscheidung sollen nach Angaben der IG Metall auf jeden Fall 500 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren, wenn im nächsten Jahr die Trocknerfertigung in Nürnberg ausläuft.

Bereits am 5. Oktober hatte die Belegschaft das AEG-Werk aus Protest 24 Stunden lang blockiert. Der Konzern stellte daraufhin eine für 24. Oktober geplante Entscheidung über die Schließung vorläufig zurück und kündigte Gespräche an. Wechsler warnte jedoch vor einer „Verzögerungstaktik“

Die meisten westeuropäischen Electrolux-Standorte stehen unter starkem Druck. Der schwedische Konzern plante in großem Stil Produktionsverlagerungen in Billiglohnländer. So soll die Nürnberger Fertigung nach Polen gehen. Der spanische Standort Fuenmayor wurde Gewerkschaftsangaben zufolge bereits geschlossen. Massenentlassungen habe es in den Electrolux- Werken in Florenz und im schwedischen Mariestaad gegeben. „Electrolux greift europaweit an, wir werden europaweit zurückschlagen“, rief der AEG-Betriebsratsvorsitzende Harald Dix aus.

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