Aufschwung
Brasilien zieht deutsche Investoren an

Für die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Spiele im Jahr 2016 braucht Brasilien eine neue Infrastruktur. Zusammen mit dem allgemeinen Wirtschaftsaufschwung zieht das deutsche Investoren in Scharen an.

São Paulo Der anhaltende Wirtschaftsaufschwung Brasiliens zieht deutsche Investoren an wie noch nie: Seit Jahresbeginn verkünden hiesige Unternehmen im Wochenrhythmus Übernahmen, Beteiligungen oder Investitionen in Brasilien - weit vor allen anderen ausländischen Konkurrenten.
"Die deutsche Wirtschaft ist aufgewacht", sagt Stefan Zoller, CEO des EADS-Tochterunternehmens Cassidian und Vorsitzender des sogenannten Brazil Boards im Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). "Heute gibt es kein Unternehmen mehr, das Brasilien nicht auf seiner Investitionsliste hat."
Grund für die neue Lust an Zuckerhut und Copacabana sind zum einen die stabil wachsende Binnennachfrage und zum anderen riesige Infrastrukturprojekte der brasilianischen Regierung. Eine Billion Dollar will der Staat zusammen mit der Privatwirtschaft bis 2014 investieren, vor allem um die marode Infrastruktur auszubauen. Denn Schlaglöcher in den Straßen und Stromausfälle kann sich das fünftgrößte Land der Erde bald nicht mehr leisten: 2014 wird Brasilien die Fußballweltmeisterschaft und 2016 die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro austragen.
Per Dekret will die neue Präsidentin Dilma Rousseff Genehmigungsprozesse für Staudämme, Straßen und Flug- und Schiffshäfen beschleunigen. Auch der Ausbau Brasiliens zur Energiegroßmacht steht auf ihrem Programm: Neben den großen Ölvorräten will sie in alternative Energien, aber auch in Atomenergie investieren.
Folglich zieht Brasilien vor allem Firmen aus den Branchen Bau, Transport und Energie an, aber auch Autohersteller, Medizintechnik-Anbieter und Chemiekonzerne. Der Windgeneratorhersteller Wobben investiert 170 Millionen Euro in einen der größten Windkraftparks Brasiliens. Der europäische Rüstungskonzern EADS überwacht gemeinsam mit dem brasilianischen Mischkonzern Odebrecht die Sportveranstaltungen und schützt mit Sicherheitstechnik die Ölanlagen vor der Küste. Der Badarmaturen-Produzent Hansgrohe baut ein eigenes Vertriebs- und Verkaufsnetz in Brasilien auf.
Rund 60 Wirtschaftsdelegationen erwartet die Deutsch-Brasilianische Handelskammer in São Paulo dieses Jahr. Verkehrsminister Peter Ramsauer war kürzlich bereits mit mehreren Firmen im Schlepptau vor Ort. Sie hoffen, im Hafen von Santos im Osten des Landes und bei dessen Anbindung an das Hinterland, umfangreich am Ausbau beteiligt zu werden. Der Hafen Duisburg unterzeichnete ein Beratungsabkommen mit Santos für ein Logistikkonzept. "Wir wollen für die heimische Wirtschaft als Wegbereiter fungieren, wenn es im nächsten Schritt um die Vergabe der Aufträge geht", sagt Erich Staake, Chef der Duisburger Hafen AG.
"Die Unternehmen sind erstmals auch bereit in Vorleistung zu treten, um in Brasilien Fuß zu fassen", beobachtet Zoller vom Brazil Board des BDI. Die nötige Sicherheit dafür liefern nicht nur die geplanten Infrastruktur-Projekte, sondern auch der anhaltende Aufschwung. Brasilien ist nahezu unbeschadet durch die Weltwirtschaftskrise gekommen, die Wirtschaftsleistung ist im vergangenen Jahr um 7,5 Prozent gewachsen. Deutsche Unternehmen wollen deshalb die zunehmend kaufkräftige Bevölkerung als Kunden erobern.
Der Chemiekonzern BASF etwa hofft, als Zulieferer für lokale Konsumgüterhersteller zum Zuge zu kommen. BASF will in Brasilien eine Produktion für Acrylsäure aufbauen - dem Grundstoff für Windeln. "Bisher war der Binnenmarkt zu klein, aber das hat sich jetzt geändert", sagt Michel Mertens von BASF. Nach Angaben des Bundesstaates Bahia im Nordosten wird BASF dort bis zu 650 Millionen Euro investieren.
Siemens plant eine Fabrik für medizinische Geräte. Die Münchener wollen wegen des wachsenden Umsatzes im Gesundheitssektor mit einer eigenen Produktion präsent sein. Sie sind nicht die einzigen: Die Konkurrenten General Electric und Philips haben bereits den Bau neuer Fabriken für Diagnosegeräten in Brasilien angekündigt.
Auch Autobauer BMW liebäugelt mit einer eigenen Produktion in Südamerika. Noch sind die Umsätze von BMW und Mini in Brasilien bescheiden - aber sie wachsen deutlich: Im vergangenen Jahr verkaufte BMW mit 18 000 Fahrzeugen mehr als 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Bislang baut der Konzern Motorräder in der Amazonas-Freihandelszone Manaus.

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