Aufschwung im Zivilgeschäft von Boeing, General Dynamics und Lockheed Martin
US-Rüstungsfirmen stellen sich auf schlechtere Zeiten ein

Die großen US-Rüstungsfirmen schwimmen weiter im Geld. Ihre Gewinne und der finanzielle Mittelzufluss (Cash-Flow) beeindruckten auch im dritten Quartal 2005. Angesichts des Cash-Flows und des bereits forcierten Abbaus von Schulden rechnet Analyst Dan Ilany von Bear Stearns damit, dass die Konzerne in naher Zukunft Geld in Form von höheren Dividenden und Aktienrückkäufen an ihre Aktionäre ausschütten werden.

je PORTLAND.Aber dennoch gibt es Risiken für die Zukunft. Während ihre hohen Auftragsbestände mindestens noch für die nächsten zwölf Monate florierende Geschäfte garantieren, sehen Analysten nach 2006 eine deutliche Abschwächung. Für Unternehmen wie Boeing, Lockheed Martin und General Dynamics kommt deshalb ein Aufschwung in ihrem Zivilgeschäft gerade rechtzeitig.

Begründet wird die Abschwächung unter anderem mit unerwarteten Milliardenausgaben für die Beseitigung von Sturmschäden an der Golfküste. Die mit massiven Defiziten kämpfende US-Regierung will nach Aussagen aus dem Pentagon die bislang projizierten Ausgaben zwischen 2007 und 2011 um jährlich zehn bis 15 Mrd. Dollar kürzen. Am stärksten gefährdet sind dabei teure Großwaffensysteme. Raytheon meldet für das dritte Quartal 2005 eine Gewinnsteigerung um die Hälfte auf 228 Mill. Dollar oder 50 Cents pro Aktie. Der Umsatz stieg um acht Prozent auf 5,3 Mrd. Dollar, wobei sowohl das Militärgeschäft als auch der Umsatz mit Zivilflugzeugen zunahm.

Der führende Rüstungskonzern Lockheed Martin, der von Kürzungen an dem 200 Mrd. Dollar teuren F-35-Programm besonders betroffen wäre, profitierte im abgelaufenen Quartal weiter von der Spendierfreudigkeit des Pentagon für Flugzeuge und Raketen. Der Umsatz stieg um neun Prozent auf 9,2 Mrd. Dollar, der Reingewinn nahm von 307 auf 427 Mill. Dollar zu. Höhere Auslieferungen von C-130J-Militärtransportern und wachsende Erlöse aus dem IT-Geschäft hoben den Umsatz. Für das Gesamtjahr 2005 hob Lockheed die Gewinnerwartungen auf 3,85 bis 3,95 Dollar pro Aktie deutlich an.

Boeing, die zweitgrößte Waffenschmiede, enttäuschte mit einem Rückgang des Militärumsatzes um elf Prozent auf 7,4 Mrd. Dollar. Der Konzern machte dafür den Verkauf der Raketentochter Rocketdyne an United Technologies verantwortlich, aber Analysten waren nicht überzeugt. „Fast in jeder Kategorie war das Umsatzwachstum schwächer als erwartet“, sagt Analyst Paul Nisbet von JSA. In Boeings Zivilgeschäft geht es dagegen nach mageren Jahren wieder auswärts. Die Orderbücher sind mit 98 Mrd. Dollar prall gefüllt, und Vorstandschef James McNerney hob die Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr an. „Nach Jahren, in denen das Rüstungsgeschäft überwog, strebt Boeing wieder auf ein Gleichgewicht zwischen zivilem und militärischem Bereich zu“, sagt Analyst Roman Szuper von Standard & Poor's.

Northrop Grumman, der führende Kriegsschiffbauer mit Werften am Golf von Mexiko, hielt seinen Quartalsgewinn von 288 Mill. Dollar fast auf Vorjahreshöhe, obwohl Wirbelsturm Katrina Schäden von über einer Mrd. Dollar an seinen Anlagen anrichtete. Der Umsatz blieb mit 7,4 Mrd. Dollar auf Vorjahreshöhe. Die Instandsetzung der Werften wird laut Northrop neun bis zwölf Monate dauern. General Dynamics sah Schwäche, wenn auch keine Sturmschäden im zivilen Schiffbau. Auf der anderen Seite lieferte der Konzern mehr Truppentransporter und Panzer für den Irak-Krieg, steigerte die Erlöse aus Informationssystemen für das Militär und profitierte von wachsender Nachfrage nach den Business-Jets seiner Tochter Gulfstream. Insgesamt wuchs sein Umsatz um 16 Prozent auf 5,4 Mrd. Dollar, der Reingewinn kletterte gegenüber dem Vorjahr von 322 auf 374 Mill. Dollar oder 1,84 Dollar pro Aktie. Für das Gesamtjahr hob Konzernchef Nicholas Chabraja seine Gewinnprognose von 7,05 auf 7,15 Dollar pro Anteil an.

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