
HB DÜSSELDORF. Der deutsche Maschinenbau kommt immer stärker auf Touren. Nach einem rabenschwarzen Jahr 2009 spüren die Firmen allmählich auch im Inland wieder eine deutlich anziehende Nachfrage. Dank der weltweiten Konjunkturerholung lagen die Bestellungen im Juni insgesamt um 62 Prozent über dem Vorjahreswert, wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Montag mitteilte. Im ersten Halbjahr betrug das Plus damit knapp ein Drittel. „Das kann sich schon sehen lassen“, sagte VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Allerdings sei der Juni 2009 auch einer der schwächsten Monate gewesen. Für dieses Jahr peilen die Hersteller ein Wachstum der Produktion um drei Prozent an nach einem Minus von einem Viertel im Vorjahr.
Als erfreulich strich Wortmann heraus, dass auch das Inlandsgeschäft wieder kräftig zulege. Das Plus lag hier im Juni bei 67 Prozent. Die Nachfrage aus dem Ausland war bereits früher in Gang gekommen. Das Inlandsgeschäft profitiere auch von indirekten Exporten. Deutsche Maschinenbauer lieferten Anlagen an andere heimische Hersteller, die mit diesen wiederum Anlagen für den Export produzierten. Dies gelte etwa für die Antriebstechnik oder für Wälzlager für Windräder.
Im Ausland werde die Nachfrage weiter vor allem aus Asien angetrieben, etwa in China und Indien. Aber auch in den USA, Japan und Russland sei die Talsohle durchschritten. China ist vor den USA der wichtigste Einzelmarkt der deutschen Hersteller, die rund drei Viertel ihrer Maschinen ins Ausland liefern.
„Die Auslastung lag im Juli bei 83 Prozent“, sagte der VDMA-Experte. Den Tiefpunkt hatte die Branche ein Jahr zuvor mit 69 Prozent erreicht. Ein guter Wert sei eine Auslastung von 85 bis 86 Prozent, darüber könne es zu Engpässen in der Produktion kommen. Allerdings gebe es in der Branche keine einheitliche Entwicklung. Früh in die Krise geratene Bereiche wie Textilmaschinen verzeichneten große Zuwächse, später hineingeratene wie die Landtechnik hätten noch Nachholbedarf.
Das unterschiedliche Erholungstempo zeigen auch jüngste Signale aus führenden Unternehmen der Branche. So hatte der Werkzeugmaschinenbauer Gildemeister in der vergangenen Woche seine Geschäftsprognose für 2010 angehoben. Konzernchef Rüdiger Kapitza erwartet beim Umsatz und Auftragseingang nun Wachstum statt Stagnation. Der Anlagenbauer Gea kommt hingegen nur langsam in Schwung. Vorstandschef Jürg Oleas setzt auf das zweite Halbjahr und kündigte den Abbau von weiteren bis zu 500 Arbeitsplätzen an. Die überwiegend mittelständisch geprägte Branche hatte seit dem vergangenen Jahr rund 50 000 Stellen gestrichen. Sie beschäftigt rund 900 000 Mitarbeiter.