Aufseher Hubertus von Grünberg im Interview
„Nicht durch Verbotenes die Firma riskieren“

Telekom-, Continental- und ABB-Aufseher Hubertus von Grünberg spricht über die Skandale bei der Telekom und beim ABB-Konkurrenten Siemens, über die schwierige Chefsuche bei ABB, rührende Schweizer, geglückte Übernahmen und das iPhone.
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Handelsblatt: Herr von Grünberg, was schätzen Sie an Ihrem Handy, einem iPhone von Apple?



Hubertus von Grünberg:

Die Multimediafähigkeiten dieser portablen Geräte sind noch nicht perfekt. Aber mein iPhone kann schon eine Menge. Das liegt vor allem daran, dass es die Ansicht vergrößern kann. Statt Micky-Maus-Internet entspricht das Bild dem vom Schreibtisch gewohnten. Das ist schon eine ordentliches Angebot - jedenfalls bis ausrollbare Bildschirme auf den Markt kommen. Schauen Sie mal, wie schnell ich die Börsenkurse parat habe: Conti liegt bei gut 81 Euro.

Ist der Aktienkurs Ihr Bildschirmschoner?

Jedenfalls habe ich ihn griffbereit, genau wie den von ABB und den der Deutschen Telekom. Ich kann Ihnen nur zum iPhone raten ...

... als Telekom-Aufsichtsrat seit nunmehr acht Jahren müssen Sie das sagen. Deren Tochter T-Mobile vertreibt das Apple-Gerät exklusiv in Deutschland ...

... das stimmt. Diese Funktion macht mir eine Menge Spaß. Vor der Präsentation des Gerätes in Berlin hat mich Vorstandschef René Obermann - mit dem ich mich übrigens gut vertrage - gefragt, ob ich nicht Apple-Chef Steve Jobs kennenlernen wollte. Natürlich wollte ich! Jede Minute mit ihm habe ich genossen. Der Mann ist ein Marketinggenie, das Schwerpunktströmungen in der Gesellschaft weltweit erahnen und schnell in patentgeschützte Technologie umsetzen kann. Das schafft Bonanzas - einzigartige Positionen im Markt. Die gibt es auch bei ABB. Vor so etwas ziehe ich den Hut.

Derzeit erregt ausgerechnet das Kommunikationsunternehmen Telekom öffentlichen Ärger, weil es Kontakte zwischen Mitgliedern des Kontrollgremiums und Journalisten ausspioniert hat. Haben Sie auf der Sitzung des Aufsichtsrates am Mittwoch nachgehakt?

An diesem Tag war ich bei ABB und habe deshalb nicht an der Sitzung teilgenommen. Weiter möchte ich hier nicht kommentieren, da in dieser Sache noch ermittelt wird.

Was muss aus Ihrer Sicht jetzt passieren, um Schaden von der Telekom abzuwenden?

Krisen sind keine Zeit für vielstimmige Chöre. Für das Gremium spricht der Vorsitzende - und das ist Ulrich Lehner.

Mit Siemens steht ein Dax-Konzern seit Monaten im Mittelpunkt eines Bestechungsskandals. Sie stützen bei ABB strenge Antikorruptionsregeln. Zahlt sich das aus?

Es gibt nichts Wichtigeres als das. Wir werden nicht durch verbotenes Tun unsere Firma riskieren. Dazu sind wir zu gut. Es gibt nur eine wirkliche Gefahr für ABB - und das ist diese. Wir dürfen keine Kompromisse machen. Bereits mein Vorgänger Jürgen Dormann hat ein rücksichtsloses System etabliert. Die Mitarbeiter müssen wissen, dass wir kein Auge zudrücken, auch nicht bei allergrößten Verdiensten. Da ist der Physiker Grünberg genauso unerbittlich wie der Volkswirt Dormann.

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