Aufsichtsrat entscheidet
Neumann neuer Chef bei Conti

Das Rennen um die Nachfolge Manfred Wennemers bei Continental ist entschieden: Mit dem bisherigen Technikvorstand Karl-Thomas Neumann rückt ein Elektronikexperte an die Spitze. Er hatte auf der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am Samstag die Unterstützung der Arbeitnehmerseite - und die Rückendeckung des neuen Großaktionärs Schaeffler.

DÜSSELDORF. Karl-Thomas Neumann rückt an die Spitze des Zuliefererkonzerns Continental vor. Der Aufsichtsrat bestellte den 47-Jährigen auf einer außerordentlichen Sitzung am Samstag zum Nachfolger von Manfred Wennemer, der nach der Einigung über den Einstieg der Schaeffler-Gruppe seinen Rücktritt zum Ende des Monats angekündigt hatte. Neumann setzte sich damit im Kontrollgremium gegen den bisherigen Conti-Finanzvorstand, Alan Hippe, durch, der ebenfalls im Rennen um den Posten gewesen war. Hippe wird als Ausgleich auf die neu geschaffene Position des stellvertretenden Vorstandschefs befördert.

Der Einstieg der Schaeffler-Gruppe hinterlässt damit weitreichende Spuren in der Führungscrew des Hannoveraner Dax-Konzerns. So geht das Unternehmen mit einem Neustart im Vorstand in die neue Ära mit dem Großaktionär Schaeffler. Die Franken haben damit auch an der Konzernspitze von Conti erste Pflöcke eingeschlagen. Denn obwohl der Familienkonzern noch nicht im Aufsichtsrat des Dax-Konzerns vertreten ist, gilt es als gewiss, dass Conti-Ausichtsratschef Hubertus von Grünberg bei der Berufung des Wennemer-Nachfolgers auch die Vorstellungen des neuen Großaktionärs berücksichtigt hat. Die IG Metall in Niedersachsen begrüßte die Entscheidung des Aufsichtsrates. "Mit Herrn Neumann steht ein ausgesprochen kompetenter Kenner der Autozulieferindustrie an der Spitze der Continental AG", sagte IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine.

Nach einem wochenlangen Übernahmekampf hatten sich Schaeffler und Conti in der Nacht zum Donnerstag darauf geeinigt, dass die Franken faktisch die Kontrolle in Hannover übernehmen. Die Transaktion ist die bisher größte in diesem Jahr und läßt einen Verbund mit 216 000 Mitarbeiter und einem Umsatz von 35 Mrd. Euro entstehen. Die Schaeffler-Gruppe inklusive Conti rückt so unter die Top Drei der Branche auf, neben dem japanischen Zulieferer Denso und Marktführer Bosch aus Stuttgart.

Mit Neumann, der über Computerarchitekturen für Mikrocontrollerchips promovierte, übernimmt ein ausgewiesener Spezialist für Elektrotechnik das Ruder beim zweitgrößten deutschen Autozulieferer. Der 47-Jährige war erst 2004 von Volkswagen als neues Vorstandsmitglied zu Conti gekommen. Dort war der Manager bislang für die Sparten Chassis & Safety (Fahrwerk und Bremsen) und Powertrain (Antriebstechnik) verantwortlich - und damit genau den Sparten, an denen Schaeffler besonders interessiert ist. Der 41-Jährige Hippe ist dagegen nach Wennemer der zweite Verlierer des Übernahmekampfes von Conti mit Schaeffler. Der Liebling des Finanzmarktes galt noch vor einem halben Jahr intern als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge auf dem Conti-Chefsessel. Nun muss er sich mit der Stelle des Stellvertreters begnügen. Zusätzlich übernimmt Hippe ab Oktober auch die Leitung der Sparte Conti-Tech.

Der gebürtige Darmstädter Hippe studierte Betriebswirtschaftslehre in Mannheim, machte 1996 seinen Doktor und stieg als Controlling-Chef beim Gebäudedienstleister Aveco ein. Zwei Jahre später wechselte er zum Flughafenbetreiber Fraport und machte den Konzern fit für den Börsengang. Mit 35 Jahren wurde er Finanzvorstand von Continental. Der ausgewiesene Zahlenkenner und studierte BWLer bewies in Hannover bereits auch sein unternehmerisches Geschick. So übernahm er vor drei Jahren zusätzlich zum Finanzressort auch die Verantwortung für das defizitäre US-Geschäft mit Pkw-Reifen und brachte dies 2007 wieder in die schwarzen Zahlen zurück.

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