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Aufsichtsrat: Porsche-Clan droht Machtverlust bei VW

exklusiv Im Aufsichtsrat von VW droht neuer Zoff. Grund: Der neue Großaktionär Katar bekommt als Gegenleistung für seine Milliardenspritze nicht nur einen, sondern gleiche zwei Sitze im Kontrollgremium. Das bringt die Porsches und Piëchs in Bedrängnis - und könnte zur neuen Belastungsprobe für die fragile Familien-Arithmetik werden.

Ferdinand Piëch (links) und Wolfgang Porsche: fragile Familien-Arithmetik. Quelle: dpa
Ferdinand Piëch (links) und Wolfgang Porsche: fragile Familien-Arithmetik. Quelle: dpa

HAMBURG/STUTTGART. Den Familien Porsche und Piëch droht ein herber Rückschlag im Aufsichtsrat von Volkswagen. Denn als Gegenleistung für die milliardenschwere Hilfe des Emirats Katar bei der Rettung des hochverschuldeten Sportwagenbauers Porsche drängen die Scheichs auf einen zweiten Sitz im VW-Kontrollgremium. Dies erfuhr das Handelsblatt aus VW-Aufsichtsratskreisen. Es herrsche Einvernehmen darüber, dass Katar "bei nächster Gelegenheit" einen weiteren Platz in Volkswagens Aufsichtsrat besetzen solle, bestätigten Kreise der niedersächsischen Landesregierung am Montag dem Handelsblatt.

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Hussain Ali Al-Abdulla ersetzt im April Roland Oetker

VW und Porsche wollen spätestens im Jahr 2011 zum integrierten Autokonzern verschmelzen. Bislang galten zwei Sitze für den Golfstaat nur als mittelfristige Perspektive. Der erste Vertreter des Emirats, das am Ende gut 17 Prozent am kombinierten Autobauer VW-Porsche halten dürfte, steht auf der Hauptversammlung von Volkswagen am 22. April zur Wahl. Hussain Ali Al-Abdulla, Manager der Katar-Holding, soll den Unternehmer Roland Oetker ersetzen.

Der nun vereinbarte weitere Platz bringt die Familien Porsche und Piëch in Bedrängnis. Finden sie keinen Kontrolleur außerhalb der Familien, der das VW-Gremium freiwillig verlässt, droht ihnen neben dem Machtverlust auch noch neuer Streit innerhalb der fragilen verwandtschaftlichen Arithmetik.

Dann müssten die Clanspitzen Wolfgang Porsche, Chefaufseher von Porsche, und Ferdinand Piëch, VW-Aufsichtsratschef, einen der Ihren dazu bewegen, den Stuhl für Katar zu räumen. Aus der Familie kontrollieren auch Piëchs Bruder Hans Michel und Neffe Ferdinand Oliver Porsche den Konzern. Ginge einer der Piëchs oder Porsches, gewänne der andere Stamm die Oberhand. Es gebe "keinerlei Überlegungen, dass ein Familienmitglied sich aus dem Aufsichtsrat zurückzieht", heißt es deshalb im Umfeld von Wolfgang Porsche. Eine Lösung muss jedoch dringend her.

Denn offenbar hat Porsche dem Investor vom Golf 2009 in höchster Not zwei Sitze im VW-Gremium versprochen. Katar hatte sich an Porsches Finanzholding beteiligt und die meisten Optionen von Porsche auf VW-Aktien übernommen. Ursprünglich wollte Porsche den größeren VW-Konzern schlucken, verhob sich aber 2009 mitten in der Finanzkrise an der Finanzierung des komplizierten Deals.

Nun schluckt Volkswagen in zwei Schritten Porsches operatives Geschäft, bevor der Autokonzern und Porsches Finanzholding im Jahr 2011 fusionieren wollen. Dem Porsche-Piëch-Clan dürften am Ende bis zu 35 Prozent der Stimmen am neuen Autokonzern bleiben.

Der jetzt aufbrechende Konflikt um die Macht im VW-Aufsichtsrat stellt das erste Mal die neue Konstellation auf die Probe, in der die Familien nicht wie früher bei Porsche allein regieren. Keiner der Beteiligten wollte sich am Montag auf Anfrage zu dem sensiblen Thema äußern.

Das Kalkül des Clans: Machen die Energiemanager Jürgen Großmann (RWE) und Hans Michael Gaul (ehemals Eon) oder Tui-Chef Michael Frenzel für Katar Platz, müsste keiner aus der Familie weichen. Als schwächster Kandidat gilt Gaul, der kein operatives Amt bekleidet und nicht wie Großmann und Frenzel zur erweiterten Niedersachsen-Fraktion gehört. Gaul ist bis Frühjahr 2011 in das Kontrollgremium gewählt, Frenzel bis 2012. Großaktionär Niedersachsen, der 20 Prozent der VW-Stammaktien hält, verfügt über ein in der Satzung des Unternehmens verbrieftes Recht auf zwei Sitze im Kontrollgremium. Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) sind damit fest gesetzt.

  • 16.03.2010, 22:53 Uhrhardy

    ...mit großem Unbehagen sehe ich den Einstieg von Katar. Vergeigt VW seinen eigenen Laden? Es kann doch nicht wahr sein! Sieht man die eigenen Tassen nicht mehr im Schrank? Es scheint so! Der Orient und der Asien-Mensch scheint uns um Millionen Längen voraus zu sein. ich hoffe, daß der alte Fuchs Piech sich nicht das Zepter aus der Hand nehmen läßt. ich hoffe, er begreift den Ernst der Lage. Deutsches ingenieur-Wissen muß zwingend dringend in deutschen Händen bleiben. Es muß bleiben, dort wo es entwickelt wurde. Keine franzö-sische oder amerikanische High-Tech-Schmiede, würde einen ausländischen Einstieg zulassen. Sind wir blöde? Oder was ist mit uns los?

  • 16.03.2010, 11:44 UhrSchlaumeier

    die Golf Staaten sind da schon wesentlich weiter als die meisten Köpfe hier. ich denke die Wüstenfüchse haben erkannt, dass die fossilen brennstoffe endlich sind und aus diesem Grunde beteiligen Sie sich an Unternehmen, die eben auch in der Zukunft noch die richtigen Produkte anzubieten haben. Da ist VW der richtige Partner.

  • 16.03.2010, 08:59 Uhrrainer repke

    guter Kommentar Thomas. Da widerspricht sich was.

    Wahrscheinlich hat man Quatar nur aus Not aufgenommen. Und das sind schlechte Zeichen.

    Dann geht es zwischen den Porsches und Piech nicht ganz so glatt.

    Sobald unser lieber Herr Piech auscheidet, bricht der ganze Laden auseinander.

    Warum baut man solche Konzerne? Groessenwahn? bisswut? Keine guten Leute im Umfeld?

    Alles schlechte Zeichen. Wenn ich in Quatar zustaendig waere, wuerde ich mich unwohl fuehlen....

    Euer
    Rainer

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