Aufsichtsrat stimmt auf Sondersitzung ab
Keine Entlastung für Siemens-Vorstände

Der Siemens-Aufsichtsrat hat wegen der Schmiergeldaffäre für eine Verschiebung der Entlastung von großen Teilen der Konzernführung gestimmt. Einen entsprechenden Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrats-Präsidium hat das Kontrollgremium auf einer Sondersitzung bestätigt - die Reaktion auf neue, "sehr substanzielle Hinweise".

HB MÜNCHEN. Demnach sollen auf der Hauptversammlung an diesem Donnerstag mit Ausnahme von Konzernchef Peter Löscher die Vorstände, die im vergangenen Geschäftsjahr aktiv waren, erst einmal nicht entlastet werden, sagte ein Siemens -Sprecher am Montag in München. Gleiches gilt für Aufsichtsräte, die in den vergangenen Jahren Vorstandsmitglieder waren. Damit kommt Siemens den Forderungen von Investoren und Aktionärsschützern zumindest teilweise entgegen.

Ursprünglich hatte Siemens in der Einladung zur Hauptversammlung vorgeschlagen, trotz der Korruptionsaffäre Vorstand und Aufsichtsrat fast komplett zu entlasten. Nur beim früheren Vorstandsmitglied Johannes Feldmayer, der zu den Beschuldigten in der Affäre um Schmiergeldzahlungen an die Arbeitnehmerorganisation AUB gehört, sollte die Entscheidung vertagt werden. In der vergangenen Woche erklären die Anwälte von Siemens nun, es gebe neue, "sehr substanzielle Hinweise" in der Schmiergeldaffäre. Diese beträfen eine "Reihe von Personen, die innerhalb einiger vergangener Jahre Mitglieder des Vorstands waren".

Da keine Namen genannt wurden, sollen nun alle Vorstände und Aufsichtsräte, die im Untersuchungszeitraum Mitglied des Vorstands waren, erst einmal nicht entlastet werden. Davon sind zum Beispiel der aktuelle Finanzvorstand Joe Kaeser und Ex-Vorstandschef Klaus Kleinfeld betroffen. Dagegen sollen Aufsichtsräte wie Gerhard Cromme - Chef des Kontrollgremiums und nie Siemens -Vorstand - den aktuellen Vorschlägen zufolge entlastet werden. Auch hier hatte es Forderungen nach einer Vertagung gegeben.

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