Aufsichtsrat tagt am Sonntag
„Nachfolgesuche ist auf der Zielgeraden“

Der Aufsichtsrat von Siemens trifft sich am Sonntagnachmittag zu einer außerordentlichen Sitzung. Auf dem Treffen stehen auch Personalien an. Ob bereits ein Nachfolger für Vorstandschef Klaus Kleinfeld präsentiert wird, ist allerdings ungewiss. Das Problem: Der Wunschkandidat ist abgesprungen. Dennoch gibt sich ein Kontrolleur gegenüber dem Handelsblatt optimistisch.

HB MÜNCHEN. Den Termin bestätigte ein Konzernsprecher am Freitag ohne sich zur Tagesordnung auszulassen. „Die Suche für einen Nachfolger von Klaus Kleinfeld ist auf der Zielgeraden“, hieß es dafür aus Unternehmenskreisen. „Wir werden nicht Sonntag nach München bestellt, um gemeinsam kaffee zu trinken“, sagte ein Aufsichtsrat am Freitag. Ob dem Kontrollgremium am Sonntag aber schon der Nachfolger präsentiert werde, sei noch offen. Eventuell werden nur Kandidaten vorgestellt oder gar nur der Stand der Suche bekannt gegeben.

Fest steht lediglich, dass der Leiter der Siemens-Gebäudetechnik, Heinrich Hiesinger, in den Zentralvorstand aufrücken soll. Er ersetzt Johannes Feldmayer, der wegen des Skandals um die Zahlungen an die Arbeitnehemerorganisation AUB zwischenzeitlich in Untersuchungshaft musste und seither von seinen Aufgaben entbunden ist. Hiesinger, 46, gilt als Vertrauter des ehemaligen Aufsichtsratschefs Heinrich von Pierer, der im Zuge des Schmiergeldskandals vor wenigen Wochen zurückgetreten war. Hiesinger führt die Gebäudetechnik seit 2003 als Bereichsvorstand, zuvor leitete er die Sparte Energieverteilung.

Siemens muss bis Ende September einen neuen Vorstandschef suchen, denn dann läuft Kleinfelds Vertrag aus. Eine Verlängerung hatte er ausgeschlagen, nachdem der Aufsichtsrat seinerseits mit einer Vertragsverländerung gezögert hatte. In dem Gremium wurde befürchtet, dass Kleinfeld doch noch mit einer der vielen Schmiergeldaffären des Konzerns in Verbindung gebracht wird.

Reitzle gibt Siemens einen Korb

Nach dem endgültigen Verzicht von Linde-Chef Wolfgang Reitzle auf die Nachfolge von Kleinfeld ist Aufsichtsratschef Cromme unter erheblichen Druck geraten. Aufsichtsratskreise erwarten, dass Cromme angesichts der grassierenden Führungskrise nun genötigt ist, das Amt des Siemens-Chefs übergangsweise selbst zu übernehmen. „Das ist keine komfortable Situation, aber unter Umständen die einzige mögliche Variante“, hatte ein Aufsichtsrat in dieser Woche dem Handelsblatt gesagt.

In einer E-Mail an die Linde-Führungskräfte hatte Reitzle am Montag den Wechsel zu Siemens definitiv ausgeschlossen: „Ich werde Vorstandsvorsitzender dieses erfolgreichen Unternehmens bleiben.“ Der Linde-Boss galt seit Wochen als Wunschkandidat von Cromme, dem neuen starken Mann bei Siemens. Allerdings wurde die Personalie noch vor dem Rückzug von Kleinfeld bekannt, seitdem tobte die Nachfolgedebatte.

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