Aufsichtsratsitzung
Showdown bei Thyssen-Krupp

Die 20 Aufsichtsräte von Thyssen-Krupp werden bei ihrem entscheidenden Treffen am Mittwoch eine desaströse Bilanz vor sich auf Tisch liegen haben. Nach einem hohen Verlust im zweiten Quartal machte Vorstandschef Ekkehard Schulz am Dienstag alle Hoffnungen auf eine Erholung im laufenden Geschäftsjahr zunichte.

FRANKFURT. Bis auf die Aufzugsparte sind alle Geschäftsbereiche fest im Griff der Rezession. Schulz muss daher die erst vor wenigen Wochen genannte Prognose zurücknehmen. Statt eines Gewinns werde nun ein Fehlbetrag in mittlerer bis höherer dreistelliger Millionenhöhe am Ende des Jahres unter dem Strich stehen.

Denkbar ist auch ein Fehlbetrag von über einer Mrd. Euro; denn in der Prognose sind noch nicht die Kosten für den geplanten Konzernumbau berücksichtigt. Bei seinem heutigen Treffen soll der Aufsichtsrat über die Verschlankung von fünf auf zwei Sparten entscheiden.

Anders als ursprünglich vorgesehen sollen die beiden neuen Divisionen "Technologies" und "Materials" keine Eigentständigkeit bekommen. Der Vorstand will damit die Zügel fester in die Hand nehmen, um künftig schneller auf Krisen und Fehlplanungen reagieren zu können. Die von Schulz seit der Fusion von Krupp und Thyssen vor zehn Jahren propagierten Strategie "so dezentral wie möglich, so zentral wie nötig" soll damit der Vergangenheit angehören.

Die Neuordnung stößt allerdings auf erbitterten Widerstand der Arbeitnehmerseite, die eine Beschneidung ihrer Mitspracherechte sieht. In dem hitzigen Konflikt werden sie Schulz zudem Wortbruch vor. Dieser hatte entgegen einer zuvor getroffenen Vereinbarung beim Konzernumbau betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr ausschließen wollen.

Nach Konzernangaben werden bis zu 2 000 Arbeitsplätze in der Stahlsparte gestrichen und einige Hunderte in der Verwaltung. Weitere Stellen stehen bei den Werften auf der Kippe. Die IG Metall spricht von 5 000 bedrohten Jobs.

Die Bilanz für das zweite Quartal zeigt den Handlungsbedarf bei dem größten Stahlhersteller Deutschlands. Der Umsatz brach um ein Viertel auf 9,9 Mrd. Euro ein, und der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) schrumpfte gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 1,2 Mrd. auf 142 Mio. Euro. Unter dem Strich steht ein Verlust von 362 Mio. Euro.

Für Experten kommt die schwache Bilanz nicht unerwartet. "Das erwartete Bild ist eingetroffen", sagte Ralf Dörper von der WestLB. Dies gelte auch für die gesenkte Prognose, die vom Markt erwartet wurde. "Alle Augen sind nun auf den Umbau gerichtet. Die Frage ist, welche Belastungen dieser mit sich bringt."

Thyssen-Krupp setzt vor allem die schwache Nachfrage der Fahrzeug- und Maschinenbauindustrie zu. Belastend wirken sich zudem die Investitionen in die neuen Werke in Brasilien und den USA aus, die mit rund acht Mrd. Euro erheblich teuer als ursprünglich taxiert werden. Unter anderem wegen der Mehrausgaben verschlechterte sich der Cash-Flow im ersten Halbjahr um 490 Mio. Euro auf minus 1,44 Mrd. Euro; die Verschuldung erhöhte sich um knapp 200 Mio. auf 3,7 Mrd. Euro.

Bedenklich ist aus Sicht von Analyst Dörper die Entwicklung des Auftragseingangs. Dieser fiel im zweiten Quartal um 46 Prozent auf 7,6 Mrd. Euro.

Vorstandschef Schulz legt trotz der schwachen Auftragslage alle Hoffnungen auf das kommende Geschäftsjahr. Nach einem Rückgang im laufenden Jahr werde sich der Umsatz 2009/2010 (bis Ende September) moderat erholen, heißt es im Geschäftsbericht. Zur Ergebnissteigerung soll der geplante Konzernumbau beitragen, von dem sich das Management Einsparungen von bis zu 500 Mio. Euro verspricht.

Aus Sicht der Unternehmensberatung Accenture könnten die Kosten sogar deutlich stärker gekürzt werden. Bei den Arbeitnehmern wären die damit verbundenen Einschnitte wohl nicht durchsetzbar, schränkte Accenture-Stahlexperte Peter Berggren jedoch ein.

Die Stahlkrise

Weltweit

Die weltweite Nachfrage nach Stahl ist seit Herbst im Sinkflug. Eine Erholung erwarten die meisten Unternehmen erst im Verlauf des zweiten Halbjahres. Der Chef von Weltmarktführer Arcelor-Mittal, Lakshmi Mittal, rechnet mittlerweile damit, dass die Produktion um 15 bis 20 Prozent schrumpfen wird.

Deutschland

Die deutschen Produzenten Thyssen-Krupp und Salzgitter müssen sich auf ein noch größeres Minus einstellen. Nach Einschätzung der Wirtschaftsvereinigung Stahl wird 2009 mehr als ein Viertel weniger Stahl geschmolzen als im Vorjahr. Grund ist die hohe Abhängigkeit der deutschen Hüttenkonzerne von der Fahrzeug- und Maschinenbauindustrie.

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