Aufsichtsratsmandat
Deutsche Bank gerät bei Schering in Interessenkonflikt

Der Übernahmekampf um Schering führt bei der Deutschen Bank und dem Versicherungskonzern Allianz zu Diskussionen über Interessenskonflikte. Es dreht sich dabei um Posten im Aufsichtsrat des Berliner Pharmakonzerns.

FRANKFURT. Unternehmenskreise rechnen damit, dass Hermann-Josef Lamberti, der auch dem Vorstand der Deutschen Bank angehört, sein Mandat niederlegen oder zumindest vorerst ruhen lassen wird. Die Deutsche Bank berät den Darmstädter Merck-Konzern, der am Montag eine Übernahmeofferte für Schering im Umfang von 14,6 Mrd. Euro vorgelegt hatte.

Ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte, dass Lamberti an einer Aufsichtsratssitzung von Schering am Dienstag nicht teilgenommen habe. Zu Gründen sagte er nichts. Ein Schering-Sprecher betonte indessen, dass Lamberti an der Sitzung „wegen Interessenkonflikten“ nicht teilgenommen habe. Lamberti gehört dem Schering-Kontrollgremium seit 2001 an. In der Sitzung am Dienstag hat der Aufsichtsrat des Pharmakonzerns den Vorstand in seiner ablehnenden Haltung bestätigt. Um Interessenkonflikte zu vermeiden, trennen Banken ihr Investment-Banking deutlich vom eigenen Beteiligungsgeschäft („Chinese Walls“).

Unterdessen wird auch beim Versicherungskonzern Allianz, der rund zwölf Prozent an Schering hält, über mögliche Interessenkonflikte diskutiert. Schering hat die zum Allianz-Konzern gehörende Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein als Berater im Abwehrkampf gegen Merck engagiert hat. Sorgen, dass daraus eine Interessenkollision resultieren könnte, trat Vorstandschef Michael Diekmann gestern allerdings vehement entgegen.

„Da gibt es eine absolute Chinese Wall zwischen Investmentbank und Aktionärsinteressen“, sagte Diekmann auf der Bilanzpressekonferenz. Auch Finanzvorstand Achleitner unterstrich, dass das Schering-Management „völlig frei“ in seiner Disposition bleibe.

Die Allianz will sich vorerst nicht in den Übernahmekampf um Schering einmischen. „Wir werden uns zum gegebenen Zeitpunkt entscheiden“, sagte Paul Achleitner, Finanzvorstand des größten Einzelaktionärs der Schering AG, die sich gegen eine Übernahme durch den Konkurrenten Merck wehrt. Für die Allianz als Aktionär sei die einzig gültige Kategorie in dieser Auseinandersetzung der „angemessene Wert der Aktie“. Angesichts eines Kurses von 83 Euro, dem ein Angebot von 77 Euro gegenüber stehe, sei es sinnvoll, in Warteposition zu bleiben.

Den Übernahmekampf bewertete Achleitner, der die Finanzstrategie der Allianz steuert, grundsätzlich positiv. Es sei ein Reifezeugnis für den deutschen Kapitalmarkt, dass sich zwei Managementteams offen und direkt an die Anteilseigner wendeten, um die Vorteile ihres Konzepts zu verdeutlichen. shf/cha/pot

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