Aufsichtsratsvorsitz: Contis Räte stellen Reitzle gutes Zeugnis aus

Aufsichtsratsvorsitz
Contis Räte stellen Reitzle gutes Zeugnis aus

Seit etwa einem Jahr ist der Vorstandsvorsitzende von Linde gleichzeitig auch Chefaufseher bei Continental. Anders als sein Vorgänger Rolf Koerfer findet Reitzle dort auch bei den Arbeitnehmern Rückhalt.
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HAMBURG. Die 19 Aufsichtsräte des Autozulieferers Continental sind nach gut einem Jahr mehrheitlich mit der Arbeit ihres Vorsitzenden Wolfgang Reitzle zufrieden. Er mache seine Sache an der Spitze des Aufsichtsrats hervorragend, bescheinigt dem Linde-Chef ein sogenanntes Board Review, das in der heutigen Sitzung des Kontrollgremiums vorgestellt wird. Das erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des Aufsichtsrates.

Der Linde-Chef hatte das Amt im Oktober 2009 übernommen. Zuvor hatte es unter seinem Vorgänger Rolf Koerfer heftige Turbulenzen zwischen Kapital- und Arbeitnehmerbank gegeben. Reitzle arbeite erfolgreich als Scharnier zwischen beiden Seiten, heißt es.

Im Zuge der Professionalisierung der Arbeit des Aufsichtsrates hatte Reitzle den Frankfurter Unternehmensberater Florian Schilling mit einer Untersuchung zur Effizienz des Kontrollgremiums beauftragt. Der deutsche Corporate-Governance-Kodex sieht vor, dass Aufsichtsräte regelmäßig ihre Arbeit prüfen lassen.

Über den Inhalt der Befragung vereinbarten die Teilnehmer Stillschweigen. Wie das Handelsblatt aus Kreisen erfuhr, haben die Vertreter der Arbeitnehmerseite ihre eigenen Mit-Aufsichtsräte bewertet, nicht aber die der Kapitalseite, die von den Vertretern des Conti-Großaktionärs Schaeffler dominiert wird. Niemand habe derzeit Interesse an einem Konflikt, heißt es.

Das gilt auch für Koerfer, der nach seinem Abtritt als Chefaufseher weiter dem Präsidium des Kontrollgremiums angehört. Der Schaeffler-Vertraute ist umstritten, weil er aus Sicht vieler Räte einseitig die Interessen seines Mandanten verfolge. Mitkontrolleure kreiden Koerfer an, als einziger gegen die Anfang 2010 erfolgte Kapitalerhöhung in Höhe von rund 1,1 Mrd. Euro gestimmt zu haben.

Conti-Aufsichtsräte befürchten, dass es zwischen Reitzle und Koerfer sowie dem Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger bei der Neuaufstellung des Konzerns zu einem neuen Konflikt kommen könnte. Schaeffler wandelt sich derzeit in eine kapitalmarktfähige Gesellschaft, um mit Conti fusionieren zu können. Ein Zusammengehen der verschuldeten, aber operativ wieder erfolgreichen Unternehmen soll nicht vor Ende 2011 erfolgen.

Bei der Umschuldung kommt Continental schneller voran als erwartet. Gestern begab der MDax-Konzern wie angekündigt zwei weitere Anleihen im Volumen von 1,25 Mrd. Euro. Zusammen mit zwei früheren Hochzinsanleihen hat Conti innerhalb von drei Monaten bei Anlegern drei Mrd. Euro an Fremdkapital eingesammelt. Das Geld dient der Umschuldung.

Den Autozulieferer drücken rund acht Mrd. Euro an Netto-Finanzschulden. Ein Großteil davon wird im Sommer 2012 fällig. Das Zinsniveau von 6,5 Prozent und 7,1 Prozent für die aktuellen Anleihen fällt niedriger als erwartet aus. Conti will die 2012 fälligen Kredite bis zur Hälfte durch Bonds ablösen. In diesem Jahr sind nach Unternehmensangaben keine weiteren Anleihen mehr vorgesehen.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur

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