Aufsichtsratsvorsitz
Fischer hat bei RWE Rückhalt

Als Thomas Fischer in der vergangenen Woche als Chef der WestLB gehen musste, schien auch eine Ablösung als Aufsichtsratsvorsitzender des Energieriesen RWE nur eine Frage der Zeit. Doch Fischer hat gute Chancen, diesen Posten zu behalten: Eine mächtige Gruppe von Aktionären steht mehrheitlich hinter ihm.

HB DÜSSELDORF. Der einflussreichste Vertreter der kommunalen Aktionäre, Dortmunds Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer, signalisierte am Dienstag seine Unterstützung. „Ich persönlich fände es gut, wenn Herr Fischer weiter macht“, sagte er dem Handelsblatt.

Langemeyer sieht keinen Anlass für den Aufsichtsrat, sich mit der Personalie zu befassen. Die Berufung in das Kontrollgremium sei schließlich personengebunden und habe nichts mit der Tätigkeit bei der WestLB zu tun. „Ob er weiter macht, kann letztlich nur Herr Fischer selbst entscheiden“, sagte er. Die Stadt hält direkt, über die Stadtwerke und eine Beteiligungsgesellschaft rund 19 Mill. Stammaktien – und ist mit mehr als drei Prozent einer der größten Anteilseigner.

Fischer war am vergangenen Donnerstag zusammen mit Risikovorstand Matthijs van den Adel vom Aufsichtsrat der WestLB mit sofortiger Wirkung abberufen worden. Die Landesbank nannte zwar keine konkreten Gründe. Anlass waren aber Fehlspekulationen im Eigenhandel, die bislang einen Verlust von 240 Mill. Euro verursachten.

In RWE-Kreisen hatte es daraufhin geheißen, dass Fischer vermutlich auch nicht mehr an der Spitze des Aufsichtsrates zu halten sei. Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz stellte Fischers Zukunft bei RWE in Frage.

Nachfolger-Suche wäre ohnehin schwierig

Fischer steht dem Gremium seit Ende 2004 vor und ist bis 2011 gewählt. Da Aufsichtsratsmandate in der Tat persönliche Mandate sind, hat seine Abberufung als WestLB-Chef formell keine Auswirkungen auf seine Tätigkeit für RWE. Fischer müsste aber wohl selbst zurücktreten, wenn er keine Unterstützung mehr hätte. Offenbar sieht er dafür aber keinen Anlass und will an seinem Posten festhalten. Aus seinem Umfeld hieß es, mehrere Aufsichtsräte hätten Fischer in den vergangenen Tagen bereits kontaktiert und gebeten weiter zu machen.

Mit den Kommunen hat er auch wichtige Verbündete auf seiner Seite. Sie kontrollieren 28 Prozent der Aktien und stellen vier Vertreter des Aufsichtsrates.

Zwar gibt es unter den kommunalen Aktionären auch kritische Stimmen. Düsseldorfs Oberbürgermeister Joachim Erwin hatte am Wochenende etwa erklärt, er rechne damit, dass Fischer nicht mehr Aufsichtsratschef bleiben werde. Erwin sitzt allerdings nicht selbst im Aufsichtsrat. Neben dem Dortmunder Langemeyer gibt es aber weitere kommunale Vertreter im Kontrollgremium, die Fischer das Vertrauen aussprechen.

Ohnehin wäre es schwierig, eine Alternative zu finden, die sowohl für die Kapitalseite als auch die kommunalen Aktionäre akzeptabel wäre. Zuletzt galt der amtierende Chef der WestLB – vor Fischer war es Friedel Neuber – als Kompromisskandidat. Da der neue WestLB-Chef Alexander Stuhlmann aber nur für eine Übergangszeit von rund einem Jahr amtieren will, würde das dieses Mal keinen Sinn ergeben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%