Aufsichtsratswahl angefechtet
MAN wird zum Präzedenzfall

Die Fusionsverhandlungen zwischen MAN, der VW-Nutzfahrzeugsparte und Scania begleiten juristische Störfeuer. Zum allerersten Mal wollen die Aktionärsschützer Klage gegen die Wahl des MAN-Aufsichtsrates einreichen. Dabei sind ihnen die drei von Volkswagen entsandten Aufsichtsratsmitglieder ein Dorn im Auge – besonders VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch .

MÜNCHEN. „Wir sind in den letzten Zügen“, sagte Reinhild Keitel, Sprecherin der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) am Montag. Um die Frist nicht verstreichen zu lassen, muss die Klage in dieser Woche eingereicht werden. „Wir machen so etwas zum ersten Mal. Eine solche Klage ist auch für uns neu“, sagte Keitel. Die SdK vertritt seit 1959 in erster Linie die Interessen der Minderheitsaktionäre in Deutschland. MAN wollte den Vorgang am Montag nicht kommentieren. Die Klage wird nach den Worten von Keitel auf drei wesentlichen Punkten fußen.

Zum einen sehen die Aktionärsschützer einen Interessenskonflikt der drei von Volkswagen entsandten Aufsichtsratsmitglieder. Audi-Chef Rupert Stadler, VW-Nutzfahrzeugchef Stephan Schaller und der VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch handelten nach Ansicht der SdK im Interesse des VW-Konzerns und das sei nicht unbedingt deckungsgleich mit den Interessen der MAN-Aktionäre.

Volkswagen hat in den vergangenen Monaten knapp 30 Prozent des Münchener Mischkonzerns erworben und will diesen mit seinem eigenen LKW-Geschäft und dem schwedischen MAN-Konkurrenten Scania fusionieren, an dem die Wolfsburger ebenfalls 34 Prozent halten. Einen zweiten Streitpunkt sehen die Aktionärsschützern in einem vermuteten Verstoß gegen die Mitbestimmung. Die SdK unterstellt, dass Ferdinand Piëch vor seiner Wahl zum MAN-Aufsichtsratsvorsitzenden Absprachen mit den Arbeitnehmervertretern im MAN-Aufsichtsrat getroffen hat. Denn nach dem anfänglich starken Widerstand der IG Metall gegen einen stärkeren Einfluss von VW, schwenkten die Arbeitnehmervertreter Anfang des Jahres um.

In einem Zeitungsinterview bekannte der stellvertretende Aufsichtsratschef Lothar Pohlmann Anfang März er habe es „schriftlich“, dass Piëch den Münchener Mischkonzern nach einer Fusion nicht zerschlagen wolle. Auf der Hauptversammlung bestritt Pohlmann solche Absprachen getätigt zu haben. Pohlmann war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Seite 1:

MAN wird zum Präzedenzfall

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%