Aufspaltung in Chemie und Pharma
Akzo Nobel geht den BASF-Bayer-Altana-Weg

Der niederländische Chemie- und Pharmakonzern Akzo Nobel folgt dem Beispiel anderer Konzern und bricht seine traditionelle Mischstruktur auf. Die Pharmasparte soll als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebracht werden. Dort herrscht Jubel.

HB AMSTERDAM. "Als logischen Schritt und nach einer gründlichen strategischen Prüfung glauben wir, dass zwei unabhängige Unternehmen für Beschichtungen/Chemikalien sowie für Pharmazeutika den Shareholder Value verbessern werden", begründete Akzo-Chef Hans Wijers den Schritt. Innerhalb der kommenden drei Jahre soll die Aufspaltung in zwei separate Unternehmen vollzogen werden. Dazu werde in einem ersten Schritt in der zweiten Hälfte dieses Jahres ein Minderheitsanteil an der Pharmasparte, die künftig den Namen "Organon Biosciences" tragen soll, an die Börse gebracht.

Die Börse bejubelte die Entscheidung. Die Akzo-Nobel-Aktie führte am Dienstag die Gewinnerliste im DJ-Stoxx-Index für die europäischen Chemiewerte mit einem Kursplus von 6,4 Prozent auf 42,97 Euro an. Spekulationen, der Konzern könne seine Pharmasparte verkaufen oder abspalten, hatten der Aktie im vergangenen Jahr bereits zu einem Kursgewinn von 25 Prozent verholfen.

Analysten äußerten sich positiv. "Das ist eine Entscheidung, auf die wir seit mehr als zehn Jahren gewartet haben", kommentierte Mark van der Geest von der Rabo Bank. Zwischen dem Chemie- und dem Pharmageschäft gebe es keine Synergien, begründete er. Akzo ist zwar im Chemiebereich der weltgrößte Hersteller von Lacken und Beschichtungen. Die 1923 gegründete Pharma-Sparte Organon war dagegen zuletzt nur ein kleinerer Wettbewerber unter den international tätigen Arzneimittelherstellern. Die Sparte kam 2005 auf einen Umsatz von 3,5 Mrd. Euro.

BASF gab die Richtung vor

Wie Akzo mitteilte, hängt der endgültige Zeitplan für den Konzernumbau auch von Entwicklungen bei den Medikamentenkandidaten bei Organon ab, wie etwa von Studiendaten der Phase III für Asenapine gegen Schizophrenie. Toon Wilderbeek, der bisher für das Pharmageschäft im Akzo-Board zuständig war, soll das neue Unternehmen Organon Biosciences leiten.

Mit der Aufspaltung folgt Akzo einem Trend, der seit Jahren weltweit in der Chemie- und Pharmabranche besteht. War noch bis in die 90er Jahre hinein der Chemie-Pharma-Mischkonzern die bevorzugte Konzernstruktur in der Branche, gilt mittlerweile das auf Kernbereiche fokussierte Unternehmen als Maßstab. Dies trifft auch auf Deutschland zu. So hatte sich der Chemieriese BASF vor Jahren von seiner Pharmasparte getrennt und sich ganz auf das Chemiegeschäft konzentriert. Anfang 2005 hatte Konkurrent Bayer den Großteil seiner (schwächelnden) Chemie- und einen Teil seiner Kunststoffgeschäfte abgespalten und als Lanxess an die Börse gebracht. Und auch der Bad Homburger Altana-Konzern will dieses Jahr seine Chemiesparte an die Börse bringen.

Akzo Nobel meldete außerdem am Dienstag für das Jahr 2005 einen praktisch unveränderten Reingewinn von 961 Mill. Euro. Damit erfüllte Akzo Nobel eigene Zielmarken und traf die Erwartungen von Analysten. Der Umsatz stieg um 6 Prozent auf 13 Mrd. Euro und auch in diesem Jahr sollen sich die Erlöse weiter verbessern. Einen detaillierteren Geschäftsausblick für 2006 legte Akzo Nobel nicht vor. Seinen Aktionären stellte das Unternehmen eine stabile Dividende von 1,20 Euro in Aussicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%