Aufstockung der Förderprogramme
Stipendien bleiben Mangelware

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) steckt mehr Geld in die Förderung besonders begabter Studenten. Anders als etwa in den USA ist das private Stipendiensystem in der Bundesrepublik bisland nämlich völlig unterentwickelt. Die Wirtschaft hält sich weiter zurück.

BERLIN. Bis zum Ende der Legislatur soll zumindest jeder 100. Student ein staatlich gefördertes Stipendium erhalten. Dieses Jahr steigen die Ausgaben für Stipendien der elf Begabtenförderwerke von 80 auf knapp 88 Mill. Euro.

Im internationalen Vergleich bleibt Deutschland damit gleichwohl auf niedrigem Niveau. Denn vergleichbare oder gar größere Anstrengungen Privater, vor allem der Wirtschaft, sind – trotz gegenteiliger Ankündigungen – bisher ausgeblieben.

Hintergrund ist die Debatte um die niedrige Akademikerquote und die geplanten Studiengebühren. In Deutschland beginnt nur gut jeder Dritte eines Jahrgangs ein Studium, im OECD-Schnitt jeder zweite, in den USA 60 Prozent und in Skandinavien gar zwei Drittel. Kritiker der in unionsregierten Ländern geplanten Studiengebühren fürchten, dass damit die zuletzt gestiegene deutsche Studienanfängerquote wieder sinken könnten.

Unter Experten und Wirtschaft herrscht daher weitgehend Einigkeit, dass eine vielfältiges Stipendiensystem die nötige Ergänzung zum Einstieg ins Bezahlstudium sein muss.

Die Begabtenförderung (siehe Tabelle „Stipendien – Wer wie viele Studenten fördert“) soll helfen, „dass junge Menschen eine Karriere machen, die ihren Fähigkeiten entspricht", argumentiert Schavan. „Wir müssen alles tun, damit hoch qualifizierte junge Leute bei uns ihre Chance sehen."

Nach der jüngsten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes erhalten lediglich zwei Prozent der Studenten hier zu Lande ein staatliches oder privates Stipendium, im Schnitt 318 Euro. Das Bafög, das rund jeder vierte erhält, ist hier nicht berücksichtigt. Es wird zur Hälfte zurückgezahlt.

Das private Stipendienwesen jedoch ist in Deutschland „völlig unterentwickelt", räumt der Präsident des Stifterverbandes und BDI-Vize, Arend Oetker, offen ein. Zwar gibt es durchaus positive Einzelbeispiele. So vergibt etwa die Carl Zeiss AG jährlich rund 40 Stipendien, vor allem an Ingenieure. „Die Wirtschaft muss hier Farbe bekennen“, fordert Carl-Zeiss-Chef Dieter Kurz.

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