Aufteilung zwischen Berlin und Bad Soden in Sicht
Sanofi-Aventis sucht Standort-Kompromiss

Der neue Pharmariese Sanofi-Aventis wird sein deutsches Pharmageschäft voraussichtlich von Berlin aus steuern. Wichtige Verwaltungsfunktionen sollen aber am bisherigen Aventis-Standort Bad Soden bleiben, wie das Handelsblatt gestern aus Unternehmenskreisen erfuhr. Dieses Aufteilungs-Szenario gelte derzeit als das wahrscheinlichste.

shf FRANKFURT/M. Wichtige Weichen für die neue Struktur werden möglicherweise heute und morgen gestellt, wenn Konzernchef Jean-Francois Dehecq erstmals die Aventis-Werke in Frankfurt besucht. Mit einer definitiven Entscheidung über die künftigen Standorte rechne man aber erst Ende des Monats, sagte eine Sprecherin von Sanofi.

Sanofi-Aventis ist Mitte August aus dem Zusammenschluss der beiden französischen Pharmakonzerne Sanofi-Synthélabo und Aventis hervorgegangen. Die neue Nummer Drei der weltweiten Pharmabranche beschäftigt in Deutschland rund 10 000 Menschen, die meisten davon im traditionsreichen Industriepark Frankfurt-Höchst. Während die dortigen umfangreichen Produktions- und Forschungsaktivitäten nicht in Frage stehen, wird im Konzern derzeit vor allem um den künftigen Standort von Vertrieb und Verwaltung heftig gerangelt. Bei Aventis waren diese Funktionen bisher in Bad Soden angesiedelt, während Sanofi von Berlin aus operiert. Das Unternehmen beschäftigt dort 320 Menschen in der Zentrale am Potsdamer Platz und weitere 700 im Außendienst

.

Für einen Sitz in der Bundeshauptstadt spricht aus Sicht von Branchenkennern vor allem die Nähe zur Politik und zu wichtigen Institutionen des Gesundheitswesens. Dieses Argument gab bereits vor fünf Jahren den Ausschlag, als Sanofi sich zwischen Berlin und München entscheiden musste. Als Indiz für einen Sitz in Berlin spricht ferner die Tatsache, dass mit Jean-Yves Wessely der bisherige Chef von Sanofi in Deutschland auch Landeschef des neuen Pharmariesen werden soll.

Dessen ungeachtet fürchten Arbeitnehmervertreter von Sanofi, dass der Löwenanteil der Verwaltungsaktivitäten in Bad Soden angesiedelt wird, wo Aventis bisher rund 650 Mitarbeiter im Innendienst beschäftigt. Die Stadt am Rand des Taunus lockt das Unternehmen unter anderem mit einem äußerst günstigen Gewerbesteuer-Hebesatz von 280 Prozent gegenüber 410 Prozent in Berlin. Hinzu kommt, dass es von Bad Soden nicht weit zu den Produktions- und Forschungsstätten in Frankfurt ist. Eine Rolle könnte ferner die Tatsache spielen, dass sich Aventis verpflichtet hat, bis 2007 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Bei Sanofi gibt es keine entsprechenden Regelungen.

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