Aufträge
Firmen profitieren kaum vom Konjunkturpaket

Die Mittel aus den milliardenschweren staatlichen Konjunkturprogrammen kommen nur sehr verzögert bei den Unternehmen an. Siemens kündigte zwar an, sich in den nächsten drei Jahren Aufträge über 15 Milliarden Euro aus den Konjunkturpaketen sichern zu wollen. Doch mit signifikanten Orders rechnen die Münchener und die meisten Unternehmen frühestens ab Herbst.

ax/jojo/mur/hsn MÜNCHEN."Eine durchschlagende Wirkung der Konjunkturpakete ist noch nicht zu sehen", sagte ifo-Experte Klaus Abberger dem Handelsblatt. Schnell gewirkt habe als Strohfeuer die Abwrackprämie, deren Wirkung lasse aber schon wieder nach. Bei Bau- und Infrastrukturprojekten wirkten die Programme mit erheblicher Verzögerung. "Dabei war ja schon geplant, relativ rasch etwas anzuschieben."

Verantwortlich für die verzögerte Wirkung sind gerade in Deutschland offenbar auch die zahlreichen bürokratischen Hindernisse. "In China geht das alles deutlich schneller, da spürt man schon Wirkung", heißt es bei einem deutschen MDAX-Konzern. Ein zusätzliches Problem für deutsche Unternehmen könnte jedoch der drohende Protektionismus in Staaten wie China oder den USA werden. Siemens-Chef Peter Löscher hofft, dass sein Konzern in den USA nicht benachteiligt wird. "Die aktuelle Debatte um den Schutz der nationalen Industrien sehen wir mit Gelassenheit." Siemens habe in den USA 70 000 Beschäftigte und werde daher als lokales Unternehmen gesehen.

Als Infrastruktur-Anbieter will Siemens zu den größten Profiteuren der Programme gehören. Weltweit seien von den Regierungen Konjunkturpakete mit einem Volumen von 2000 Mrd. Euro auf den Weg gebracht worden. Gut ein Drittel davon entfalle auf den Ausbau der Infrastruktur, sagte Löscher. Davon wiederum seien rund 150 Mrd. Euro für Siemens "adressierbar" – also potenzielle Aufträge. Nimmt man den aktuellen Weltmarktanteil von etwa zehn Prozent ergeben sich für Siemens die 15 Mrd. Euro, die sich der Konzern an Aufträgen in den nächsten drei Jahren sichern will.

Profitieren sollen alle drei Geschäftsbereiche des Siemens-Konzerns, also die Sparten Energie, Gesundheit und Industrie. "Die Programme der Staaten sichern weltweit Arbeitsplätze", sagte Löscher. In den Umsätzen allerdings werden sich die staatlichen Orders nur mit Verzögerung niederschlagen. Siemens-Finanzchef Joe Kaeser wollte denn frühere Aussagen, dass der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr 2008/09 noch einmal steigt, lieber nicht wiederholen.

Auch die deutsche Stahlindustrie, die große Hoffnungen auf die weltweiten Konjunkturprogramme setzt, rechnet erst ab dem kommenden Jahr mit Impulsen. "Erst dann greifen die Hilfspakete", sagte ein Manager dem Handelsblatt. Infrastrukturprojekte würden bis zur Umsetzung mindestens einige Monate brauchen, wenn nicht Jahre. Helfen dürften die Staatsgelder vor allem den Herstellern von Langstahl, der von der Bauwirtschaft nachgefragt wird. Einen Boom, wie er durch die Konjunkturpakete in China ausgelöst wurde, dürften diese in Europa und Nordamerika allerdings nicht entfachen.

Nutznießer der Staatsprogramme sollen neben Bau- und Stahlindustrie auch die modernen Technologien sein. So will sich Siemens-Chef Löscher allein Aufträge über sechs Mrd. Euro für grüne Technologien sichern. Auch die IT-Branche hofft auf Staatsaufträge, allerdings werden sie auch hier erst mit Verzögerung wirken. "IT-Projekte sind in der Regel sehr komplex", sagt August-Wilhelm Scheer, Präsident des Branchenverbands Bitkom. Das gehe nicht so schnell wie ein neuer Anstrich für die Schulen.

"Wir haben nicht erwartet, dass die Gelder aus dem Konjunkturpaket II schon umsatzwirksam sind", sagt auch eine Sprecherin des amerikanischen Netzwerkausrüsters Cisco. Positiv sei allerdings, dass der öffentliche Bereich derzeit viele Projekte in Angriff nehme und zahlreiche Ausschreibungen beginne. Einer Umfrage des Bitkom zufolge rechnet rund ein Viertel aller IT-Unternehmen hierzulande damit, von den Konjunkturprogrammen zu profitieren.

Da die Umsetzung der Programme schleppend läuft, hat der Branchenriese IBM ein eigenes Beschleunigungsprogramm für sich und seine Zulieferer aufgelegt. Der Konzern stellte kürzlich für Europa bis zu 1,5 Mrd. Euro für die Zwischenfinanzierung der Infrastrukturprojekte zur Verfügung.

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