Auftragseingang um ein Viertel eingebrochen
Kunden stornieren Dreamliner

Der Airbus-Rivale Boeing muss weiter Federn lassen: Die in Dubai ansässige Leasingfirma LCAL hat 16 ihrer ursprünglich 21 bestellten Großraumflugzeuge vom Typ Boeing 787 (Dreamliner) storniert. Am Abend teilte der Konzern zudem mit, dass der Auftragseingang im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat eingebrochen ist - von 65 auf 18 Maschinen, alles Kurz- und Mittelstreckenjets der Modellreihe 737.

FRANKFURT. Die Leasingfirma LCAL stelle sich mit der Entscheidung auf die Herausforderungen ein, die durch die globale Rezession verursacht würden, sagte ein Boeing-Sprecher zu der aktuellen Stornierung. LCAL selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Es ist die zweite Stornierung des Boeing-Hoffnungsträgers binnen weniger Tage. Nach Medienberichten hat auch die russische Fluggesellschaft S7 ihre Bestellung von 15 Maschinen rückgängig gemacht. Da Boeing insgesamt rund 900 Aufträge für den Dreamliner vorliegen hat, ist die Fertigung aber nicht gefährdet. Dennoch fragen sich Beobachter nun, ob andere Kunden folgen werden. Ein Boeing-Sprecher machte am Donnerstag keine Angaben dazu, ob weitere Aufträge gestoppt wurden.

Der Konzern musste die Markteinführung des Dreamliners viermal verschieben. Nun soll der erste Testflug in diesem Jahr stattfinden, die ersten Maschinen sollen Anfang 2010 an die Kunden gehen, zwei Jahre später als geplant. Zwar dürften viele Airlines angesichts der aktuellen Krise nicht böse über die Verzögerung sein. Dennoch hat der US-Konzern für Unmut gesorgt: Qatar Airways prüft mögliche Schadensersatzansprüche, weil sich die Gesellschaft in ihrer Expansion behindert sieht.

Sibylle Pähler vom Flugzeugfinanzierer Dorit Asset Finance geht davon aus, dass der Rückzug von LCAL Boeing in gewisser Weise entgegenkommt, weil nun andere Kunden früher bedient werden können. "Boeing muss die Auslieferung der 787 wegen der Verzögerung steuern, um nicht die wichtigsten Kunden weiter zu verärgern", sagte sie. "Hier haben sich die Interessen von Boeing und LCAL getroffen, und ich nehme an, dass LCAL dafür auch Anreize erhalten hat."

Dennoch spielt die Entwicklung dem Erzrivalen Airbus in die Hände. Die EADS-Tochter arbeitet an dem Dreamliner-Konkurrenten A350. Dieser soll ab 2013 fliegen. "Die eine oder andere Stornierung könnte auch damit zusammenhängen, dass die Fluggesellschaften angesichts der Verzögerungen jetzt Alternativen prüfen oder die Situation bei den Preisverhandlungen nutzen wollen", sagte ein Luftfahrt-Experte.

Wichtige Kunden wie etwa Lufthansa haben sich zudem noch gar nicht auf einen Flugzeugtyp festgelegt. "Wir werden dies sicherlich nicht mehr im Jahr 2009 entscheiden", sagte Nico Buchholz, bei Lufthansa für die Flotte verantwortlich und Chefeinkäufer des Konzerns. "Wir können zwischen zwei hervorragenden Modellen wählen. Alles andere würde uns auch nicht gefallen", ergänzte er.

Über die Hintergründe der LCAL-Entscheidung ist kaum etwas bekannt. Zwar gibt es den allgemeinen Hinweis auf die Folgen der Rezession. "Es ist aber auch gut möglich, dass LCAL Probleme bei der Finanzierung der Flugzeuge bekommen hat", sagte ein Berater. Offen ist auch, inwiefern Kunden von LCAL ihrerseits bereits geschlossene Verträge über die Übernahme von Maschinen storniert haben. "Wir vermuten, dass LCAL in erster Linie einfach keine Verwendung mehr für die Flugzeuge hatte", sagte Pähler von Doric Asset Finance.

LCAL ist ausschließlich für den Kauf und die Vermietung des Dreamliners gegründet worden. Hauptaktionär ist die Al-Jomaih-Group of Saudi Arabia, eines der größten Konglomerate in Saudi-Arabien und ein weltweit tätiger Investor. Finanziert wird LCAL unter anderem von der Arab Banking Corporation in Bahrain.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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