Auftragsflut
Flugzeugbauer haben Luxusproblem

Boeing und Airbus werden derzeit von einer Auftragsflut überrollt, boomt es doch in der Luftfahrt. Die weltgrößten Flugzeugbauer erwarten auf der am Montag beginnenden Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris weitere Milliardenaufträge. Doch schon jetzt kommen die Werke mit der Montage kaum mehr nach. Eine neue Produktionsweise schafft zusätzliche Probleme.

ali/dih/fas/je MÜNCHEN/PARIS. Zu schaffen machen den Herstellern zunehmende Engpässe bei Produktionsmaterialien wie Kohlefasern, Titan und Aluminiumnieten. Hinzu kommt, dass die Zulieferer überlastet sind. „Die Zulieferer und die Hersteller werden in Zukunft häufiger in Lieferschwierigkeiten kommen“, sagt der Hamburger Luftfahrtberater Heinrich Grossbongardt dem Handelsblatt. Boeing und Airbus geben derzeit immer mehr Fertigungsaufträge an Zulieferer ab.

Ein Airbus-Sprecher räumte ein: „Wir könnten mehr verkaufen, wenn wir genug produzieren könnten.“ Die größte Herausforderung sei es, „die Lieferkette stabil zu halten“. Dennoch wolle man alle Lieferzusagen fristgerecht einhalten. Airbus, eine Tochter des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, schiebt schon heute einen Auftragsberg von rund 2 500 fest bestellten Flugzeugen vor sich her.

Auch Boeing sieht kein Ende des Booms. Nach der von dem US-Konzern gestern veröffentlichten Marktstudie sollen in den kommenden 20 Jahren 28 600 Flugzeuge verkauft werden, das Marktvolumen beziffert Boeing auf 2,8 Billionen Dollar – mehr als noch vor einem Jahr erwartet.

Boeing-Verkaufschef Randy Tinseth sagte: „Alle Lieferanten in der Flugzeugindustrie sind derzeit unter starkem Druck.“ Tatsächlich läuft auch der Produktionsstart des Boeing-Hoffnungsträgers „Dreamliner“ nicht gerade rund. In den vergangenen Monaten mussten die Amerikaner 300 Mill. Dollar zusätzlich für den Produktionsstart aufwenden. Seit Wochen schickt Boeing eine „Feuerwehrtruppe“ von Ingenieuren zu Zulieferern, um die fristgerechte Fertigstellung der Komponenten zu überwachen. Erst in der vergangenen Woche räumte der Zulieferer Vought Aircraft „fortgesetzte Lieferprobleme“ bei der Produktion von Rumpfkomponenten für das Großflugzeug ein und feuerte seinen Programmchef. Dennoch geht Tinseth davon aus, dass „wir den Zeitplan für den Dreamliner einhalten werden. Im Moment bauen wir das erste Flugzeug zusammen. Es soll am 8. Juli in den USA aus der Fabrik rollen.“ Die Erstauslieferung an Nippon Airlines solle im Mai 2008 erfolgen. Der Dreamliner ist mit fast 600 Festbestellungen der Renner in der Branche.

Luftfahrtexperte Grossbongardt begründet seine Warnung vor wachsenden Zuliefererengpässen damit, dass Boeing und Airbus zurzeit ihr Konzept radikal ändern. Ähnlich wie in der Autoindustrie geben sie große Teilaufträge an Zulieferer ab. Beim Dreamliner beschränkt sich Boeing darauf, die Systempartner zu dirigieren. Die Partner liefern ihre Komponenten just in time in die Endfertigung. Anders als die Autokonzerne müsse die Flugzeugindustrie aber erst noch beweisen, ob dieses System überhaupt funktioniert, sagt Grossbongardt.

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