Auftragsmangel beim Cabriobauer
Karmann streicht jede vierte Stelle

Der Cabriohersteller Karmann in Niedersachsen streicht wegen Auftragsmangels rund 1 800 Stellen. Betroffen sind das Werk in Rheine und der Stammsitz in Osnabrück. Bald könnte es für die Beschäftigten aber noch schlimmer kommen. Hunderte weitere Jobs sind in Gefahr.

DÜSSELDORF. In Rheine läuft demnach die Produktion des Audi A4-Cabrios aus, was zur Streichung von 900 der 1 000 dortigen Stellen führt. In Osnabrück sollen 870 Stellen abgebaut werden.

Die Karmann Unternehmensgruppe beschäftigt in Deutschland bisher 5000 ihrer weltweit rund 7000 Mitarbeiter an insgesamt sechs Standorten und erzielte 2006 einen Umsatz von rund 1,9 Mrd. Euro. Karmann baut im Auftrag von Fahrzeugherstellern Cabrios, bietet aber auch fertige Dachsysteme an. Vor allem ein Trend zur Rückholung von Bauaufträgen in die eigenen Werke der Autohersteller belastet die Geschäfte.

Die Geschäftsführung des Osnabrücker Autobauers schließt auch ein Abrutschen in die Verlustzone nicht aus. „Im nächsten Jahr könnte dies ein Thema sein“, sagte der Sprecher der Karmann-Geschäftsführung, Peter Harbig, am Montag in einer Telefon-Pressekonferenz. Für 2007 werde ein ausgeglichenes Ergebnis angepeilt.

„Es wird definitiv betriebsbedingte Kündigungen geben“, kündigte Harbig an. Zwei Entlassungswellen sind beschlossen. 870 Mitarbeiter in Osnabrück verlieren schrittweise im kommenden Jahr ihren Arbeitsplatz, wenn die Produktion der von Karmann gefertigten Modelle Chrylser Crossfire, Mercedes-Benz CLK und Audi A4 Cabrio ausläuft. In Rheine schließt das Unternehmen den Fahrzeugbau. Dort sollen nur noch 100 Mitarbeiter bleiben, die weiter Cabriodächer fertigen.

Gelingt es Karmann nicht, von Herstellern wie DaimlerChrysler, Kia oder VW neue Aufträge für Autos in Lohnfertigung zu erhalten, sind in einem dritten Schritt weitere 500 bis 600 Jobs in Osnabrück bedroht, bestätigte ein Firmensprecher dem Handelsblatt. Harbig nannte als Frist den 1. Juli 2008. Kämen bis dahin keine neuen Aufträge zustande, könne er einen kompletten Rückzug aus dem Bereich Fahrzeugbau für das Jahr 2009 nicht ausschließen. Karmann brauche Verträge über jährlich 40 000 zu bauende Einheiten, um weitere Entlassungen zu verhindern. „Wir sind in Diskussionen mit dem ein oder anderen Kunden. Aber das ist für uns nicht planbar. Deshalb müssen wir jetzt handeln“, sagte Harbig dem Handelsblatt. Konkret bestätigte er „Diskussionen mit Kia“.

Der Fahrzeugbau macht bis zu 40 Prozent des Unternehmensumsatzes aus. Für dieses Jahr rechnet Harbig nach dem Verkauf einer Tochterfirma mit einem Gesamtumsatz von 1,5 Mrd. Euro. Die weiteren Geschäftsfelder Dachbauten, technische Entwicklung und Betriebsmittelbau sind laut Harbig „nur marginal betroffen“. Insgesamt seien die Aussichten für diese Bereiche gut.

Neben Cabriodächern entwickelt und baut das Familienunternehmen im Auftrag von Herstellern wie Audi, DaimlerChrysler und früher vor allem VW Ableger von deren Großserienfahrzeugen. Meist handelt es sich um Nischenmodelle wie Coupés und Cabrios. Statt weitere Kapazitäten aufzubauen, haben viele Autobauer in den vergangenen Jahren Nischenmodelle an Spezialisten wie Karmann, die finnische Valmet oder Magna Steyr in Österreich vergeben. Inzwischen holen die meisten die Produktion aber wieder ins Haus. Angesichts wachsender Produktivität steigt der Druck auf die Automanager, zuerst ihre Kapazitäten auszulasten. Daimlerchrysler und VW haben Beschäftigungsgarantien abgegeben.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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