Auftragsrückgang
Krise drückt den Gewinn von Voestalpine

Die Automobilindustrie schwächelt und verhagelt damit auch dem Stahlkonzern Voestalpine aus Österreich die Bilanz. Dass trotzdem noch Gewinn gemacht wurde, liegt vor allem an den guten Geschäften in der Eisenbahn- und Energiesparte. Die Konzernführung rechnet mit einem schlechten Jahr und kündigt bereits Kurzarbeit an.

WIEN. Der österreichische Stahlkonzern Voestalpine hat seine Aktionäre am Montag mit einer Gewinnwarnung für das laufende Geschäftsjahr 2008/09 (bis zum 31. März) überrascht. Das operative Ergebnis (Ebit) des Unternehmens aus Linz wird nun etwa zehn Prozent unter der bislang angekündigten Prognose bleiben und etwa eine Milliarde Euro erreichen. Die unerwartete Nachricht aus Österreich sorgte überall in Europa dafür, dass die Kurse der Stahlhersteller nachgaben. In Deutschland fielen die Werte von Thyssen-Krupp und Salzgitter sogar stärker als Voestalpine, der Ausgangspunkt der Krisensorgen.

Voestalpine beklagt einen massiven Rückgang bei den Aufträgen während der vergangenen Wochen. Besonders schmerzlich sind die geringen Bestellungen aus der Automobilindustrie. Der Konzern aus Österreich macht ungefähr ein Drittel seines Umsatzes mit großen Autoherstellern und Zulieferern. „Auch im Bau ist die Zurückhaltung spürbar“, sagte Voestalpine-Sprecher Peter Schiefer. Besonders schlecht läuft das Geschäft zu Beginn des neuen Jahres: Der Stahlhersteller wird wahrscheinlich in den ersten drei Monaten 2009 so gerade eben die Gewinnschwelle erreichen.

Trotzdem kam ein gewisser Lichtblick aus Linz. Voestalpine weigert sich zwar wie die meisten anderen Unternehmen derzeit, einen konkreten Ausblick für das neue Geschäftsjahr abzugeben. Gleichwohl sprach das Unternehmen davon, dass es auch im Geschäftsjahr 2009/10 „ein deutlich positives Ergebnis“ erwirtschaften wird. Stahlanalyst Franz Hörl von der Ersten Bank in Wien wertete diese Aussage so, dass Voestalpine keinen weiteren extremen Verfall der Auftragslage erwartet. Die Auslastung der Hochöfen liegt im Moment bei ungefähr 70 Prozent. Mit einer weiteren Verschlechterung sei nicht zu rechnen.

Voestalpine hat auch zwei Geschäftsbereiche, die trotz der Finanzkrise immer noch sehr gute Geschäfte machen. So arbeitet die Eisenbahn-Sparte (Schienen, Weichen) an der Kapazitätsgrenze. Davon profitiert auch ein Voestalpine-Werk in Duisburg. Zu den Hauptabnehmern der Österreicher gehört die Deutsche Bahn. Die Auftragsbücher dieses Voestalpine-Bereichs sind noch weit über das aktuelle Geschäftsjahr hinaus gefüllt. Die Auftragslage könnte sich noch einmal verbessern, wenn erste Konjunkturprogramme in Europa greifen und auch in Eisenbahn-Projekte investiert wird. Zufrieden ist Voestalpine zudem mit seiner Energiesparte. Strom- und Gaskonzerne haben bislang keine großen Abstriche bei ihren Bestellungen vorgenommen.

Trotzdem kommt auch der Konzern aus Linz an Kurzarbeit für einen Großteil seiner Mitarbeiter nicht vorbei. Von den insgesamt gut 42 000 Beschäftigten muss etwa ein Zehntel für die kommenden drei Monate kürzer treten. Ihre Arbeitszeit wird um 15 Prozent gesenkt, in der Lohntüte sind es immerhin zehn Prozent weniger. Betroffen von diesem Schritt sind in erster Linie Konzernstandorte in Österreich.

Für Aktionäre könnte sich das Auftragsloch bei Voestalpine recht bald negativ auswirken. Die Stahl-Experten vom Bankhaus Sal. Oppenheim rechnen damit, dass der Linzer Konzern die Auszahlungen an die Aktionäre kürzen wird. Das Unternehmen selbst machte dazu am Montag keine Angaben. zel

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