Aufwärtstrend
Elektroindustrie profitiert vom starken Auslandsgeschäft

Die Branche verbucht im Juli 28 Prozent mehr Aufträge als noch vor einem Jahr. Das Geschäftsklima ist so gut wie seit Sommer 2007 nicht mehr. Besonders gut läuft der Export nach Südostasien und Lateinamerika.
  • 0

DÜSSELDORF. Der Aufwärtstrend in der deutschen Elektroindustrie hat sich im Juli etwas verlangsamt. Trotzdem bleiben die Lagebeurteilung und auch die Erwartungen der Unternehmen so optimistisch wie seit dem Sommer 2007 nicht mehr.

Im Juli verbuchte die nach der Autoindustrie und dem Maschinenbau drittgrößte deutsche Industriebranche 28 Prozent mehr Aufträge als im gleichen Monat des Vorjahres. Dabei bestellten Kunden aus dem Inland 24 Prozent mehr, das Ausland orderte 31 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Allerdings hatte die Branche im Juni ein Auftragsplus von 42 Prozent verbucht. "Dieser war allerdings auch durch Großaufträge geprägt", sagte der Chefvolkswirt des Branchenverbandes ZVEI, Andreas Gontermann. Insgesamt hat die Elektroindustrie seit Jahresanfang damit 27 Prozent mehr Aufträge verbucht als im Vorjahr.

Die verbesserte Auftragslage hat inzwischen bei der Elektroindustrie zu einem Anstieg von Umsatz und Produktion geführt. Der Umsatz der Branche lag im Juli um 15 Prozent über dem Vorjahr. "Dabei spielt das Ausland nach wie vor eine dominante Rolle", sagte Gontermann. Besonders gut läuft der Export nach Südostasien und Lateinamerika. Aber auch bei den Ausfuhren nach Europa und den USA gibt es nach Auskunft des ZVEI zweistellige Zuwachsraten. Im Juni hatte die Branche erstmals mehr exportiert als noch vor der Krise.

Wegen der wieder stark verbesserten Auftragslage hatte der ZVEI Ende August die Prognose für das Wachstum der Elektroindustrie für 2010 von fünf auf acht Prozent erhöht. Die Branche erwartet jetzt für das laufende Jahr einen Umsatz von 160 Mrd. Euro. Im Vorjahr war der Umsatz wegen der Rezession um 20 Prozent gefallen.

Die Elektroindustrie profitiert sowohl von der weltweiten Konjunkturerholung als auch von der Stärke der Branche bei Infrastrukturprojekten wie Verkehr, Energie und Gesundheit, die in der Krise nicht so sehr gelitten haben wie die Autoindustrie oder der Maschinenbau. So hat Siemens gestern erneut einen großen Kraftwerksauftrag verkündet. Der Konzern wird an einen Energieversorger in Kalifornien zwei Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerke liefern. Auch der Verkauf von Haushaltsgeräten erweist sich als nicht so konjunkturanfällig. So hat Miele vor kurzem einen Umsatzrekord in seiner 111-jährigen Firmengeschichte gemeldet. Bei dem Familienunternehmen aus Gütersloh wuchs der Umsatz im Inland mit einem Plus von fünf Prozent stärker als der Export, der sich lediglich um 1,1 Prozent erhöhte.

Mit der verbesserten Geschäftslage ist auch der Stellenabbau in der Elektroindustrie weitgehend abgeschlossen. Derzeit beschäftigt die Branche in Deutschland 801 000 Personen. Seit dem Februar hat es keinen Rückgang mehr gegeben. Zu Spitzenzeiten hatte die Branche noch 827 000 Personen beschäftigt. Die Zahl der Kurzarbeiter ist von 156 000 auf dem Höhepunkt der Krise auf jetzt rund 58 000 gefallen.

Kommentare zu " Aufwärtstrend: Elektroindustrie profitiert vom starken Auslandsgeschäft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%