Auktion der RWE-Wassertochter
Mindestens drei Bieter für Thames Water

RWE stößt beim Verkauf seiner britischen Wassertochter auf reges Interesse. Kurz vor Ablauf der Bieterfrist für Thames Water zeichnet sich ab, dass der Energiekonzern mindestens drei Offerten erhalten wird. Finanzkreise rechnen mit einem Verkaufspreis von bis zu sieben Mrd. Pfund.

mm LONDON. Vor sechs Jahren hat RWE Thames Water für 4,7 Mrd. Euro übernommen. Bis spätestens heute müssen die Interessenten ihre ersten verbindlichen Offerten unterbreiten. Offiziell prüft RWE nach wie vor auch einen Börsengang für die britische Tochter. Finanzkreise gehen aber davon aus, dass RWE-Chef Harry Roels angesichts der unsicheren Aussichten für die Kapitalmärkte inzwischen einen Verkauf favorisiert. Außerdem biete eine Auktion die Chance, sich auf einen Schlag von Thames Water zu trennen. Bei einem Börsengang könne RWE kaum mehr als ein Viertel der Anteile an den Markt bringen.

Als sicher gilt, dass die Beteiligungsgesellschaft Terrafirma ein Gebot abgeben wird. Das gleiche gilt für das Konsortium, aus der Schweizer Bank UBS und dem Investitionsfonds des Scheichtums Katar. Als dritter Bieter wird wohl der kanadische Pensionsfonds Borealis gemeinsam mit der Beteiligungsgesellschaft 3i ins Rennen gehen. Darüber hinaus gelten die australische Bank Macquarie, der australische Fonds Alinta und die Beteiligungsgesellschaft KKR als mögliche Interessenten.

Viele der rund 13 Mill. Thames-Water-Kunden wird das starke Interesse überraschen. Denn der größte britische Wasserversorger kämpft mit Imageproblemen. Die Wasseraufsichtsbehörde Ofwat hat mehrfach bemängelt, dass Thames Water mit der Reparatur des maroden Leitungsnetzes nicht nachkommt und dass zu viel Trinkwasser versickert. Vor allem wegen der Lecks im veralteten Rohrsystem leidet Südost-England seit Monaten unter Wassermangel.

Finanzinvestoren dürften sich davon nicht abschrecken lassen. Für sie ist die Wasserversorgung reizvoll, da stabile Erträgen locken. Thames Water muss zwar regelmäßig seine Investitionspläne bei der Ofwat vorlegen, bekommt aber ausreichende Renditen zugebilligt.

RWE braucht das Geld aus dem Verkauf, um bei der Konsolidierung der europäischen Energieversorger aktiv mitspielen zu können. Der Konzern hat zwar in Roels Amtszeit kräftig Schulden abgebaut. Um wie Eon für größere Konkurrenten bieten zu können, fehlt ihm aber noch die Finanzkraft. Investmentbanker warnen, dass RWE in eine prekäre Situation geraten könnte, falls Eon mit seinem Gebot für die spanische Endesa erfolgreich ist, und in Frankreich die geplante Fusion zwischen Suez und Gaz de France zu Stande kommen sollte. „RWE müsste dann selbst aktiv werden, oder der Konzern wird zum Übernahmeziel“, betont ein Londoner Banker.

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