Aus alt mach neu
Ferrostaal bricht mit der Vergangenheit

Mit einer neuen Strategie will Vorstandschef Jan Secher die Korruptionsaffäre überwinden. Auf die Energiebranche fokussiert und ohne Rüstungsgeschäfte soll Ferrostaal sich neu erfinden und wieder wachsen.
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FRANKFURT/MÜNCHEN. Der von einer Korruptionsaffäre erschütterte Industriedienstleister Ferrostaal will sich neu erfinden. Künftig wird das Essener Unternehmen seinen Fokus stärker auf die Bereiche Energie, Öl und Automotive lenken, aus kritischen Feldern wie dem Verkauf von Kriegsschiffen will sich Ferrostaal hingegen zurückziehen. Insgesamt soll der Konzern fokussierter werden, verlautete aus Kreisen der Gesellschaft.

Nach den von Vorstandschef Jan Secher ausgearbeiteten Plänen soll die Zahl der Geschäftsbereiche von 20 auf acht zusammengestrichen werden. Rückendeckung erhielt der seit Juni amtierende Konzernlenker von den Eigentümern und auch von den Arbeitnehmern. Der Aufsichtsrat habe den Plänen zugestimmt, hieß es in den Kreisen.

Der Bruch mit der alten Ferrostaal AG ist der derart umfangreich, dass gleich zwei Tage für das entscheidende Treffen des Gremiums angesetzt worden waren. Die Gespräche am vergangenen Sonntag und Montag seien sehr konstruktiv gewesen, hieß es im Umfeld des Aufsichtsrats.

Dies ist nicht selbstverständlich, denn schließlich streiten der arabische Mehrheitseigner International Petroleum Investment Company (IPIC) und MAN seit Monaten über den Verkauf der Restbeteiligung von 30 Prozent. Wegen der Korruptionsaffäre und der daraus drohenden Geldstrafe hatte IPIC sogar eine Rückabwicklung des gesamten Deals gefordert. Zuletzt näherten sich die Parteien aber wieder an. Eine Einigung soll dem Vernehmen nach noch in diesem Jahr möglich sein.

Mit der Neuausrichtung zieht die Ferrostaal-Führung Konsequenzen aus den massiven Schmiergeldvorwürfen. Über Jahre hinweg sollen Manager der Firma beim Verkauf von U-Booten und Überwasserschiffen mit Barem nachgeholfen haben. Die dubiosen Zahlungen summieren sich auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag, wie eine interne Untersuchung ergeben hat.

Mit dem neuen Konzept beerdigt Secher auch das alte Geschäftsmodell. Ferrostaal galt als Außenstelle der Deutschland AG, die Maschinen im Ausland verkaufte und bei Rüstungsprojekten das sogenannte Offsetgeschäft übernahm. Dahinter verbergen sich Gegengeschäfte: Verkauft die Thyssen-Krupp-Tochter HDW Unterseeboote nach Griechenland, muss das Unternehmen im Gegenzug dort Waren und Dienstleistungen im gleichen Wert einkaufen. Da Thyssen-Krupp nicht mit Olivenöl und Wein handeln will, übernahm Ferrostaal diese Rolle.

Damit ist nun Schluss. Bestehende Offset-Geschäfte würden abgewickelt, aber keine neuen mehr angenommen, hieß es in Konzernkreisen. Überhaupt soll das Handelsgeschäft zurückgefahren werden.

Im Gegenzug soll der Anteil des Projektgeschäfts am Gesamtumsatz von derzeit 60 auf 75 Prozent erhöht werden, hieß es. Ferrostaal äußerte sich nicht dazu.

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  • Offset-Geschaefte gibt es zunehmend auch im zivilen bereich, z.b. im bereich Energie. Teil eines Kraftwerk-deals kann z.b. die Verpflichtung sein, ein Produktionsprojekt in einer anderen branche zu bringen, das im Land des Auftraggebers Arbeitsplaetze schafft (indirect offset). Offset-Geschaefte werden nicht weniger werden, da speziell im Middle East ohne Druck der industrie, die dort Umsatz generieren muss, nur selten reale Projekte entstehen. Offsetverpflichtungen sind fester bestandteil der industrieplanung in Nahost!

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