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09.11.2007 
Lagertechnik

Aus eigener Kraft wachsen

von Wolfgang Gillmann

Der Markt für Gabelstapler und Lagertechnik boomt weiter. Doch Jungheinrich-Chef Hans-Georg Frey lehnt Zukäufe ab und zieht die Expansion aus eigener Kraft vor. Die Entscheidung über neues Werk für Lagertechnik in Ostdeutschland soll noch in diesem Jahr fallen.

Der Markt für Gabelstapler boomt weltweit. Lupe

Der Markt für Gabelstapler boomt weltweit.

HAMBURG. Der Markt für Gabelstapler und Lagertechnik boomt weiter. Um zehn Prozent auf knapp 700 000 Fahrzeuge ist das Weltmarktvolumen in den ersten neun Monaten gestiegen. Deshalb bleibt der Hamburger Anbieter Jungheinrich auch optimistisch. Der Auftragseingang erhöhte sich bei dem Hersteller im dritten Quartal um elf Prozent auf 527 Mill. Euro. „2007 ist bisher für unsere Branche und für Jungheinrich ausgesprochen gut gelaufen“, sagte der seit Mai amtierende Vorstandsvorsitzende, Hans-Georg Frey, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Jungheinrich, weltweit nach Toyota, Kion und Nacco viertgrößter Hersteller von Flurförderzeugen, wie der Fachbegriff für Gabelstapler und Lagertechnik lautet, erwartet 2007 einen Umsatz von zwei Mrd. Euro nach 1,7 Mrd. Euro 2006, heißt es im Quartalsbericht.

Auch für 2008 bleibt Frey optimistisch. „Wir erwarten ein weiteres Marktwachstum mit leicht abnehmender Dynamik“, lautet seine Prognose. Bremsend könnten neben den hohen Preisen für Rohstoffe und Energie die Auswirkungen der US-Hypothekenkrise und der schwache Dollar sein.

Jungheinrich plant weiteres Wachstum und will die Kapazitäten erweitern. Das Stammwerk Norderstedt vor den Toren Hamburgs wurde gerade aufwändig modernisiert, was das Unternehmen im vergangenen Jahr Umsatz gekostet hat, da man nicht voll lieferfähig war. Jetzt läuft die Produktion auf vollen Touren und dürfte im nächsten Jahr bereits an die Kapazitätsgrenze stoßen. Deshalb plant Jungheinrich ein neues Werk in Ostdeutschland mit etwa 140 Beschäftigten. Über den Standort will der Vorstand noch in diesem Jahr entscheiden. „Wir planen keine eigene Fertigung in Osteuropa“, sagt Frey, obwohl Russland ein stark wachsender Markt ist. „Die bedeutete zwar niedrigere Lohnkosten, brächte aber auch höheren Integrationsaufwand mit sich.“ In Ostdeutschland profitiert Jungheinrich von längeren Arbeitszeiten, vom niedrigeren Lohnniveau im Vergleich zum Westen, und erhält noch Fördergeld.

Analyst Eggert Kuls von MM Warburg hält es für wahrscheinlich, dass auch das Werk Moosburg vor den Toren Münchens ausgebaut wird. Dort stellt Jungheinrich Gabelstapler mit Elektro- und Dieselantrieb her. Während Jungheinrich vor allem beim Elektroantrieb stark ist, sind in den aufstrebenden Märkten in Russland und China vor allem Dieselantriebe gefragt ist. Dafür könnte Jungheinrich laut Kuls Moosburg erweitern.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Engagement in China

Zusätzlich baut Jungheinrich sein Engagement in China aus. In einem Joint Venture mit einem chinesischen Partner fertigt Jungheinrich bereits einfache Lagergeräte ohne eigenen Antrieb. Ein eigenes Montage-Werk bei Shanghai, das im vergangenen Jahr startete, soll ausgebaut werden. „Wir identifizieren Lieferanten und werden die Fertigung steigern“, sagte Frey. Die Märkte Russland und China sollen kräftig ausgebaut werden. „In zehn Jahren ist ein Anteil von 15 Prozent am Konzernumsatz möglich“, sagte Frey. Heute erzielt Jungheinrich in Russland und China erst drei Prozent seines Umsatzes.

Wachstum über Zukäufe lehnt Frey ab. „Diese wären schwer zu integrieren“, sagte er. „Wir sind ein Premiumanbieter und wachsen lieber langsamer, aber dafür nachhaltiger.“ Jungheinrich hat erst vor einigen Jahren die vorher übernommenen Marken Steinbock, Boss und MIC aus dem Programm genommen und auf die eigene Marke umgestellt. Frey räumt ein, dass dies Marktanteile gekostet hat. Dies liege aber auch daran, dass man bei schlechten Preisen Aufträge abgelehnt habe. „Im Mix wurden mehr höherwertige Produkte verkauft“, bestätigt Analyst Kuls. Jungheinrich achtete laut Frey besonders darauf, dass bei den Aufträgen auch ein anschließender Service vereinbart wurde, denn dieser bringt ebenso wie das Ersatzteilgeschäft höhere Renditen als der reine Verkauf.

Denn der Wettbewerb ist härter geworden. Laut Analyst Kuls sorgt vor allem die zu Kion, der ehemaligen Gabelstapler-Sparte von Linde, gehörende, ebenfalls in Hamburg ansässige Firma Still für Preisdruck. Aber auch Toyota drängt auf den europäischen Markt.

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