Aus für das Werk Bochum

Die Schreckensmeldung zu Opels 50. Geburtstag

Entsetzen in Bochum: Der Autobauer Opel will ab 2016 keine Autos mehr am traditionsreichen Standort im Ruhrgebiet bauen. Die Mitarbeiter reagieren entsetzt und wütend. Ein Bericht aus Bochum.
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Berichte von Tumulten in Bochum

BochumDie Opel-Mitarbeiter in Bochum sind Kummer gewohnt. Doch an diesem Montag ist ein neuer Tiefpunkt erreicht: Das kriselnde Unternehmen kündigt an, dass es in dem Werk im Ruhrgebiet ab 2016 keine Autos mehr bauen will. Die Opelaner sind wütend – und sie schämen sich für ihre Führungsspitze.

Von außen sieht alles normal aus. Das rote Backsteingebäude des Opel-Werks steht so da wie immer, nur der graue Himmel scheint noch grauer zu sein als sonst. Der Parkplatz ist nur zu einem Drittel voll. Es muss hier einmal bessere Zeiten gegeben haben. Bald wird er noch leerer sein: 2016 soll die Autofertigung geschlossen werden, lediglich ein kleiner Bereich des Werkes bleibt erhalten.

Die Opel-Mitarbeiter sind stinksauer. Nicht nur weil ihre Fabrik nach 50 Jahren geschlossen werden soll. Die Art und Weise, wie die Botschaft überbracht wurde, ärgert sie. Der Opel-Interimschef Thomas Sedran verdrückte sich bei der Belegschaftsversammlung nach einer kurzen Ansprache durch die Hintertür. Die zahlreichen Opel-Mitarbeiter, die an die Mikrofone im Saal getreten waren und wissen wollten, was nun passiert, ließ er einfach stehen. Als er gehen wollte, kam es zum Tumult: Ein IG-Metall-Vertrauensmann versuchte, Sedran aufzuhalten. Er wurde von Security-Mitarbeitern zu Boden gestoßen, blieb aber unverletzt.

„Eigentlich wollte er sagen: 'Wir brauchen euch nicht mehr'“, sagt Betriebsratschef Rainer Einenkel anschließend bei einer Pressekonferenz verbittert. Er ist seit 40 Jahren bei Opel, schon seit Vater hat im Bochumer Werk gearbeitet.

Neben ihm sitzen noch neun weitere Männer und eine Frau des Betriebsrates und der Gewerkschaft IG Metall. Ihre Mundwinkel sind tief nach unten gezogen.

„Wir schämen uns für das Verhalten von Sedran“, sagt Einenkel in die vor ihm aufgebauten Mikrofone etlicher Fernsehsender. Das Medieninteresse ist groß, die Journalisten passen fast nicht in den kleinen Raum in dem Bochumer Hotel, in das die Gewerkschafter geladen haben.

Erheblicher Schaden für die Marke Opel
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20 Kommentare zu "Aus für das Werk Bochum: Die Schreckensmeldung zu Opels 50. Geburtstag"

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  • Wie wäre es denn, wenn man anfangen würde Opel auch im Rest der Welt zu verkaufen?

  • Sorry, das Ruhrgebiet ist unter dieser Kanzlerin eine sterbende Region.

    Unsere Frau Bundeskanzlerin ist doch mehr an den neuen Bundesländern interessiert.
    Was soll jetzt diese Aufregung? Das hat man doch bei der Wahl dieser Kanzlerin in Kauf genommen.

    Diese Frau hat ein diktatorisches Verhaltensmuster und warum musste gerade heute ein Herr Brüderle sein Statement zu dieser ganzen Situation abgeben.

    Das ist Politik, leider merken wie es nicht unter Merkel

  • Genau die richtige Weihnachtsbotschaft für alle Arbeitnehmer, "Ihr seid nichts Wert". Nach Siemens hat nun GM sehr zartfühlend zu Weihnachten den Arbeitnehmern zu verstehen gegeben, dass sie "Der letzte Dreck" sind. Echt Toll.

  • Es war nur eine Frage der Zeit; jeder konnte das Ende kommen sehen, der sich nur halbwegs mit Autos und dem Markt beschäftigt.
    Jetzt haben die Mitarbeiter nicht nur jahrelang auf Gehalt und Freizeit verzichtet, jetzt wird auch noch für die, die keine neue Anstellung finden das niedrigere Lohnniveau für das Arbeitslosengeld zugrunde gelegt.
    Gut gemacht IG Metall

  • Firmen, die Fachkräfte aus der Automobilindustrie suchen, sollten jetzt Stellenanzeigen in NRW Zeitungen aufgeben.

  • Schreckensmeldung? Die Opelaner sind teilweise selbst Schuld.Nach Pressemeldungen sind die meistens Rückrufaktionen von Opel, da die Mitarbeiter sich weigerten bzw. nicht in der Lage waren/sind Qualitätsprodukte zu liefern. Warum weigerten sie sich beim Konzern durch zu setzen, damit Opel weltweit verkauft werden kann?Warum schwieg der Konzernbetriebsrat? Schmiergelder???

  • Keine Sorge(n): Viele Fachkräfte, die bisher noch in Bochum beschäftigt sind, werden nach ihrem „Abschied“ ein neues Beschäftigungsverhältnis finden. Selbstverständlich mit kaum erwähnenswerten Kompromissen und abzüglich von mindestens 1/4 ihres bisherigen Jahreseinkommens. Von Arbeitgeberseite mangelt es nicht an Argumenten, um auch in Zukunft das Einkommen für Mitarbeiter zu kürzen und die Arbeitszeit zu steigern. Man betone einfach den Zustrom von günstigen und willigen Fachkräften aus Griechenland oder bediene das übliche Szenario vom „internationalen Wettbewerb“. Da wird niemand ernsthaft widersprechen können.

    Fakt ist jedoch: Der Zustrom von Fachkräften aus dem Ausland findet praktisch kaum statt und der internationale Wettbewerb hat nie einen Schrecken gehabt. Dennoch eignen sich beide Märchen wunderbar als Druckmittel, um die in Deutschland arbeitslos gewordenen Fachkräfte gefügig zu machen. Es darf schließlich nicht sein, dass Arbeitgeber Not leiden. Wir haben einen guten Ruf zu verlieren und gerade zur Weihnachtszeit sind wir besonders großzügig und begrüßen Fachleute auch über die Feiertage in unserem Unternehmen.

    Kommt schon, liebe Arbeiter und Angestellte: Wir sind doch alles eine große und nette Familie. Jeder muss sein Opfer bringen. Auch Manager leiden unter der Situation und sind sicher traurig.

  • Werksschließungen sind doch ein Fall für die SPD. Dann müssen sie eben Alt-Kanzler Schröder reaktivieren und als Retter nach Bochum schicken. PH. Holzmann läßt grüßen.

  • Etliche „Opelaner“ sollten sich selbst einmal hinterfragen, ob sie wirklich begründet protestieren.
    Man schaue sich nur den Parkplatz fürWerksangehörige an und stellt dann schnell fest, dass mehr als 50% der dort geparkten PKW, NICHT von Opel stammen. Traurig, Traurig ! ! !
    Von uns „Nichtopelanern“ wird aber der Kauf von Opel-Fahrzeugen erwartet.

  • "Überkapazitäten kommen ja auch nicht von ungefähr, sondern von einem Absatzproblem. Und warum? Nicht unbedingt weil Opel schlechtere Autos baut..."
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    Ich habe lange Jahre Opel gefahren. Nachdem die letzten 3 Kadett resp. Astra am Durchbrennen der Zylinderkopf- und ~fußdichtung "verstarben" (nein, es war kein Wartungsfehler!) und so nebenbei rosteten, was das Zeug hielt, kommt mir kein Opel mehr ins Haus. Man muß schlechte Erfahrungen nicht immer und imer wieder verifizieren. Andere Firmen bauen auch schöne und vor allem zuverlässige Autos!

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