Ausbau der Turbinenproduktion
Siemens expandiert in Indien

Der Münchener Siemens-Konzern baut seine Produktion in Indien deutlich aus. Ein rasant wachsender Binnenmarkt, Innovationspotenzial und Kostenvorteile machen das Land zu einem zunehmend wichtigen Produktionsstandort. Am Wochenende verkündete Siemens den Bau einer Fertigung für kleine Dampfturbinen. Das Werk soll den boomenden lokalen Markt für Industrieturbinen bedienen, aber auch Komponenten nach Europa liefern. Eine weitere neue Fabrik ist nach Informationen des Handelsblatts im Laufe des Jahres geplant.

BOMBAY. Die Expansion ist Teil des im vergangenen Jahr angekündigten Investitionsprogramms für Indien im Wert von 500 Mill. Euro bis 2007. Eine Fertigung für S-Bahn-Antriebe und eine Transformer-Fabrik sind bereits im Bau. Das neue Dampfturbinenwerk soll in der Startphase 5,6 Mill. Euro kosten.

Indiens boomender Binnenmarkt ist der wichtigste Grund für die Erweiterung der Produktionskapazität. Siemens profitiert vor allem vom immensen Nachholbedarf des Landes bei der Infrastruktur. Der Bau neuer Kraftwerke und Stromübertragungsnetze, die Modernisierung des Bahnverkehrs sowie ein Flughafenprojekt verhalfen dem Konzern 2005 zu Großaufträgen.

Bislang machte Indien hauptsächlich als Niedrigkosten-Standort für Forschung und Entwicklung von sich reden – ein Bereich, in dem auch Siemens 5 000 von insgesamt 12 000 Angestellten in Indien beschäftigt. Doch mit Wachstumsraten von rund zehn Prozent gewinnt nun auch die lange abgeschlagene verarbeitende Industrie an Bedeutung, vor allem bei wissensintensiven Produkten. „Indien ist auf dem Weg zu einem Fertigungsstandort von globaler Bedeutung“, sagt Siemens-Indienchef Jürgen Schubert.

Sein Konzern ist dafür ein Beispiel. In drei Jahren stieg der Ausfuhranteil der 14 Siemens-Fabriken in Indien von null auf 15 Prozent. Für die Zukunft peilt Schubert 30 Prozent an: „Wir werden von hier aus vor allem Märkte in Südasien und der Golfregion bedienen.“ Im Mittleren Osten öffnet ein von hohen Ölpreisen angefachter Boom neue Marktchancen. Im Vorjahr bekam Siemens’ Indien-Tochter einen Auftrag über 500 Mill. Euro für Stromübertragungsnetze in Katar. „Den hätten wir ohne die Kostenvorteile hier nicht bekommen“, sagt Schubert. Um preissensiblen Kunden Alternativen bieten zu können, fahren auch Konkurrenten wie ABB neben Entwicklungszentren ihre Produktionskapazitäten in Indien hoch. Dort entstehen zudem neue Konkurrenten: lokale Konzerne wie Larsen & Toubro, die stark im Ausland expandieren. „Deutsche Hersteller müssen sich auf ernsten Wettbewerb mit Indern einstellen“, sagt Siemens-Manager Schubert.

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