Ausbildung
Betriebe besetzen mehr Lehrstellen als 2009

Der positive Trend am Ausbildungsmarkt stabilisiert sich. Trotz sinkender Schulabgängerzahlen liegen Industrie, Handel und Handwerk mit der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge wenige Wochen vor Beginn des neuen Lehrjahres klar im Plus. Die Kammern rechnen mit einem Bewerbermangel.
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BERLIN. Nach einer Übersicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), die dem Handelsblatt vorliegt, waren Ende August insgesamt 275 657 Neuverträge in den IHK-Registern eingetragen. Das sind 1,2 Prozent mehr als Ende August 2009. Das Handwerk verzeichnet nach Daten seines Zentralverbands ZDH mit insgesamt 114 345 Neuverträgen gar ein Plus von 3,6 Prozent im Bundesschnitt.

„Der Aufschwung stärkt den Ausbildungsmarkt“, folgerte DIHK-Präsident Hans-Heinrich Driftmann. „Aufgrund besserer Geschäftserwartungen sehen sich nun mehr Betriebe in der Lage, ihr Angebot an Ausbildungsplätzen sogar noch zu erweitern.“ Davon profitierten erfreulicherweise auch Bewerber, die in früheren Jahren leer ausgegangen waren. Da 2010 fast drei Prozent weniger Jugendliche die Schulen verlassen hätten als 2009, zeige die gestiegene Zahl der Neuverträge, dass nun „viele der sogenannten Altbewerber einen Ausbildungsvertrag bekommen haben“, sagte er.

Der Trend ist zudem erheblich positiver, als es die Regierung vorausgeschätzt hat – sie hatte für 2010 eigentlich einen weiteren Rückgang der Vertragszahlen erwartet. Auch Hinweise auf einen möglichen Vorzieheffekt bestätigen sich nun wohl nicht. Vor wenigen Monaten hatte es noch geheißen, gute Zwischenergebnisse seien eventuell nur darauf zurückzuführen, dass die Betriebe ihre Verträge diesmal schlicht zeitlich früher als üblich unter Dach und Fach gebracht hätten – um sich angesichts sinkender Bewerberzahlen frühzeitig die besten Jugendlichen zu sichern.

Dass Bewerbermangel zum Thema wird, zeigt sich speziell im Osten. Von bundesweit zurzeit 10 000 offenen Plätzen im Handwerk entfällt gut ein Drittel auf die neuen Länder. Dies belege aber auch „die Bemühungen der Handwerksbetriebe, ihre Fachkräfte für die Zukunft zu qualifizieren“, sagt ZDH-Chef Otto Kentzler – und macht Reklame für eine Ausbildung im Handwerk: „Selbst für Jugendliche, die noch nicht die nötige Ausbildungsreife mitbringen, haben wir zahlreiche Angebote im Bereich der Einstiegsqualifizierung.“

Die Gewerkschaften sehen die Probleme indes längst nicht gelöst. Noch immer seien 233 000 Altbewerber unversorgt, sagte DGB-Chef Michael Sommer dem Handelsblatt.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

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