Ausblick auf 2005: Firmen starten zuversichtlich ins Jahr

Ausblick auf 2005
Firmen starten zuversichtlich ins Jahr

Die meisten Verbände rechnen mit Wachstum, aber nur Maschinenbau und IT-Industrie wollen 2005 neue Jobs schaffen.

HB DÜSSELDORF. Will man die paradoxe Situation der deutschen Wirtschaft beschreiben, dann bietet sich der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen als Beispiel an: Zehn Prozent Umsatzplus peilt der drittgrößte deutsche Automobilzulieferer in diesem Jahr an, und auch im kommenden Jahr will das Unternehmen kräftig wachen. Neue Arbeitsplätze, die dabei im Inland entstehen: praktisch keine. „Das schaffen wir über die gestiegene Produktivität an unseren Standorten“, freute sich ZF-Chef Siegfried Goll jüngst bei der Vorlage seiner Zahlen. Prima Zahlen, volle Bücher, doch verkauft wird vor allem im Ausland.

Genau das könnte sich 2005 ändern. „Der Aufschwung im Inland hat begonnen“, sagt Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW)in Köln. Nach vier Jahren Kürzen und Rationalisieren sei es vor allem die gewerbliche Wirtschaft, die im kommenden Jahr endlich in neue Anlagen und Verfahren investieren werde, um mit neuen Produkten am Markt zu punkten. „Die Unternehmen schauen wieder nach vorne, und sie müssen investieren“, sagt Hüther.

Der Optimismus lässt sich belegen. Mehr als die Hälfte der 43 befragten deutschen Wirtschaftsverbände schätzt die Lage zum Jahreswechsel 2004/2005 besser ein als noch vor zwölf Monaten und will im kommenden Jahr auch mehr produzieren. 17 Branchen planen höhere Investitionen, lediglich sieben wollen ihre Ausgaben herunterfahren. „Die Ausgangslage für 2005 ist besser als gedacht“, fasst Hüther die Ergebnisse zusammen.

Am Essen und am Urlaub wird nicht gespart

Stütze der Entwicklung bleibt der Export. Nach einem Zuwachs von 9,6 Prozent in diesem Jahr sollen die Ausfuhren im kommenden Jahr noch einmal um rund fünf Prozent zulegen. Traditionell profitiert hier der Maschinen- und Anlagenbau am stärksten. Zwar verliere die Investitionskonjunktur in den USA und in China an Dynamik, in Westeuropa steige die Nachfrage aber. Für ein neues Rekordergebnis mit einem Umsatz von über 140 Milliarden Euro sollte es aber „locker“ reichen, meldet der Verband selbstbewusst.

Problematisch wird aber auch 2005 die Lage am Arbeitsmarkt sein. Das sei der Wermutstropfen der Entwicklung, sagt IW-Chef Hüther. Die Arbeitslosigkeit werde auch im kommenden Jahr nicht wesentlich sinken, wenngleich mit den eingeleiteten Reformen durchaus die Grundlage für eine Trendwende am Arbeitsmarkt gelegt sei.

Immerhin: „Es herrsche wieder mehr Vertrauen in die Wirtschaftspolitik als vor einem Jahr.“ Das merkt bereits die Werbewirtschaft, die erstmals nach drei Jahren Stagnation und Rezession feststellt, „das sich das Werbeverhalten der Unternehmen offenkundig wendet.“ Zwar sei das Konsumverhalten der Verbraucher noch zäh, aber das Blatt scheint sich langsam zu wenden.

Dass zumindest am Essen und am Urlaub nicht weiter gespart wird, scheint für Touristik und Gastronomie ausgemachte Sache zu sein. Beide Branchen rechnen mit einer leichten Erholung im kommenden Jahr, 2006 dürfte die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland beiden Branchen eine Sonderkonjunktur bescheren.

Eine nachhaltige Stimmungsverbesserung brauchen vor allem die Anbieter langlebiger Konsumgüter, etwa die Autoindustrie. Der Absatz ist seit 1999 im Inland um 16 Prozent gefallen, vor allem die Massenhersteller wie Volkswagen und Opel bekommen die Kaufverweigerung zu spüren. Vielleicht ist die Branche aber auch Opfer der eigenen Qualität: Mittlerweile beträgt das Durchschnittsalter der Autos auf Deutschlands Straßen acht Jahre.

Die IT- und Telekommunikationsindustrie will 2005 richtig Fahrt aufnehmen. Hier gebe es einen regelrechten Nachfragestau in der deutschen Wirtschaft, berichtete jüngst Bitkom-Chef Willi Berchtold. 3,4 Prozent Zuwachs seien drin. Außer dem Anlagen- und Maschinenbau ist die IT-Branche die einzige, die 2005 neue Jobs schaffen will.

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