Ausblick
Autozulieferer hoffen auf Wende zum Besseren

In der Krise litten die Zulieferer stark unter den schwächelnden Autobauern. Die Branchenvertreter Leoni und Grammer blicken jetzt wieder optimistischer in die Zukunft. Für das kommende Jahr erwarten die Unternehmen mehr Aufträge und bessere Zahlen. Dennoch mussten viele Mitarbeiter entlassen werden.
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MÜNCHEN. Der Automobilzulieferer Leoni erholt sich langsam von den schweren Einbrüchen der vergangenen Monate. "Die Wirtschaftskrise wirkt noch stark, dennoch hat sich das Geschäft nachhaltig stabilisiert", sagte Leoni-Chef Klaus Probst in einer Telefonkonferenz. Auch der Sitz- und Kopfstützenhersteller Grammer sieht Licht am Ende des Tunnels. "Die Talsohle auf den Automobilmärkten scheint durchschritten", meldete Grammer am Dienstag.

Leoni steuerte nach zwei Verlustquartalen das Ergebnis vor Zinsen und Steuern erstmals mit 5,5 Mio. Euro leicht ins Plus, unter dem Strich blieb aber ein Verlust von 3,9 Mio. Euro. Der MDax-Konzern mit seinen beiden wichtigsten Geschäftssparten Kabelproduktion und Bordnetzfertigung hängt stark von der Konjunktur in der Autoindustrie ab.

China treibt den Markt

Ab Herbst 2008 brach das Geschäft aber dramatisch ein, seit Beginn des Jahres hat Leoni mehr als ein Drittel seines Umsatzes verloren. Diese Einbrüche sind für das laufende Geschäftsjahr nicht mehr aufzuholen. Noch immer ist die Unsicherheit groß. So hänge das Ergebnis des vierten Quartals stark von der Länge der Werksferien der Autohersteller im vierten Quartal ab, sagte Probst. Finanzchef Dieter Belle rechnet jetzt mit einem Umsatz knapp über 2,1 Mrd. Euro und einem Nettoverlust, der größer als 130 Mio. ist. Belle strebt zudem einen ausgeglichenen Cash-Flow bis Jahresende an.

Probst bleibt für die kommenden Monate zuversichtlich. "Der September war der bisher umsatzstärkste Monat in diesem Jahr", sagte der Leoni geht zudem davon aus, dass der Konzern im kommenden Jahr wieder wächst. "Der Weltmarkt in der Autoindustrie wird 2010 um rund acht Prozent wachsen. Wir sollten zehn Prozent schaffen", sagte Probst. Treiber der Entwicklung ist vor allem der chinesische Markt, aber auch neue Modelle. Leoni liefert die Kabelbäume für die neue E-Klasse und den neuen Opel Astra.

Jobabbau geht weiter

Dennoch musste viel Personal gehen: Leoni hat in den vergangenen zwölf Monaten weltweit 5 800 Arbeitsplätze abgebaut und beschäftigt jetzt noch 47 600 Menschen. Die extrem lohnintensive Bordnetzfertigung lohnt nur noch an Billigstandorten. Während die Nürnberger in Osteuropa und Nordafrika schon wieder Personal einstellen, wird in Westeuropa weiter abgebaut. Probst kündigte für das vierte Quartal eine Werkschließung in Westeuropa an, Deutschland sei allerdings nicht betroffen.

Der Kopfstützenhersteller Grammer blieb hingegen auch im dritten Quartal vor Zinsen und Steuern mit 5,4 Mio. Euro in den Verlusten, die Autosparte erzielte aber erstmals einen leichten Gewinn. Unter dem Strich summierte sich der Fehlbetrag seit Jahresbeginn auf 31,2 Mio. Euro.Auch Grammer hat in der Krise 2 000 Stellen abgebaut und beschäftigt jetzt noch 7 200 Menschen. Grammer geht nun aber von einem "allmählich aufhellen Umfeld" aus, rechnet indes mit einem deutlichen Jahresverlust.

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