Ausblick bestätigt
Bayer enttäuscht die Märkte

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat im zweiten Quartal seinen Gewinn im operativen Geschäft dank Kostensenkungen und höheren Umsätzen mit den Medikamenten Ciprobay und Kogenate deutlich gesteigert. An seiner Jahresplanung hält der Leverkusener Konzern weiter fest, auch wenn er im zweiten Halbjahr keine nachhaltige Konjunkturbelebung erwartet.

abo DÜSSELDORF. Die Bayer AG ist mit ihrem Halbjahresergebnis hinter den Erwartungen der Investoren zurück geblieben. Zwar verdiente der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern in seinem lauzfenden Geschäft 40 % mehr als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Doch hielt das Ergebnis des zweiten Quartals mit den sehr starken Zahlen der ersten drei Monate nicht Schritt, und die hoch gelobte Pflanzenschutzsparte patzte beim Gewinn. Die Bayer-Aktie verlor daraufhin bis zum Nachmittag über 6 % auf Werte unter 20 Euro und führte die Gruppe der Kursverlierer im Dax zeitweise an.

Dennoch sieht Vorstandschef Werner Wenning keinen Grund zur Panik. "Wir sind alles in allem mit der ersten Jahreshälfte zufrieden", äußerte er bei der Ergebnisvorlage. Wenn nicht zu einer weiteren Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Lage komme, "gehen wir weiter davon aus, dass unser Gewinn aus dem laufenden Geschäft im Gesamtjahr gegenüber dem Vorjahreswert zweistellig zulegen wird."

Er hoffe dabei nicht auf Unterstützung durch die Konjunktur, sagte Wenning vor Analysten. "Deswegen werden wir unsere interne Restrukturierung noch konsequenter voran treiben, um unsere Ertragskraft nachhaltig zu steigern." Das erste Halbjahr habe gezeigt, wie gut die Rationalisierungsprogramme liefen.

Der Bayer-Konzern hat im zweiten Quartal mit knapp 7,3 Mrd. Euro 3,3 % weniger Umsatz ausgewiesen als im Vorjahresquartal. Dies geht vor allem auf den schwachen Dollar zurück. Der operative Ertrag stieg zwar im Vorjahresvergleich um 80 % auf 454 Mill. Euro an, blieb aber um mehr als die Hälfte gegenüber dem Betriebsgewinn des ersten Quartals zurück. Auf den ersten Blick noch drastischer fällt der Vergleich beim Reingewinn aus: Nach 293 Mill. Euro Quartalsüberschuss vor einem Jahr wiesen die Leverkusener jetzt ganze 128 Mill. Euro aus.

Zwar hinkt der Vorjahresvergleich: Im zweiten Quartal 2002 hatten die Erlöse aus dem Verkauf eines Pakets von Agfa-Aktien die Bayer-Ertragszahlen mächtig aufgehübscht, was die aktuellen Ergebnisse mager aussehen lässt. Doch hatten viele Analysten in diesem Jahr Bayer auch ohne Einmalposten höhere Gewinne zugetraut. Sie hatten bis zu 673 Mill. Euro Betriebsgewinn vorhergesagt.

Die meisten Bayer-Geschäfte performten nicht so wie erhofft. Zwar wies die Pflanzenschutzsparte Bayer Crop Science 33 Mill. Euro Gewinn aus, um die Hälfte mehr als ein Jahr zuvor. Doch bei einem Quartalsumsatz, der nach der Akquisition des Konkurrenten Aventis Crop Science auf 1,6 Mrd. Euro angeschwollen ist, ist die Ertragsmarge im Branchenvergleich niedrig. Das wirft in der Branche Fragen auf, ob Bayer die strategische Position nutzen könne, in die sich der Konzern durch die Übernahme manövriert habe.

Unter anderem gab die Sparte 49 Mill. Euro für Abfindungen für ausscheidende Beschäftigte in Frankreich aus - doch auch ohne diese Kosten bliebt der niedrige Spartengewinn Analysten ein Rätsel. "Crop Science ist eine große Enttäuschung", sagte Andreas Theisen, der Bayer bei West LB Panmure beobachtet. "Um die Abfindungen bereinigt, weist die Sparte 82 Mill. Euro Gewinn aus wo wir einige 100 Mill. erwartet haben." Dagegen habe Weltmarktführer Syngenta ein sehr gutes Quartal gehabt.

Die Kunststoffsparte, die als größte Einheit des Konzerns eine dominierende Position am Weltmarkt hat, verlor im Quartalsvergleich mit 2,5 Mrd. Euro 8 % an Umsatz. Die operativen Erträge stiegen von 15 Mill. auf 69 Mill. Euro, was Bayer auf verbesserte Kostenstrukturen bei Polyurethan, Lacken und Fasern zurück führte. "Das ist kaum weltmeisterlich", meinte ein Analyst. Das Chemikaliengeschäft litt wie fast alle Konkurrenten unter der sprunghaften Chemiekonjunktur und setzte mit 870 Mill. Euro gegenüber dem Vorjahresquartal über ein Viertel weniger um. Der Betriebsgewinn fiel von 32 Mill. auf ganze 2 Mill. Euro.

Besser als erwartet schnitt Bayers Healthcare-Sparte ab. Trotz eines Umsatzverlusts von 6 % auf 2,2 Mrd. Euro stiegen ihre betrieblichen Gewinne um fast 60 % auf 379 Mill. Euro. Zwei Fünftel davon trugen allein die Biopharmaaktivitäten bei.

Bei alledem bleibt die Pharmasparte Wennings Sorgenkind: Sie ist zu klein, um auf Dauer den bei Bayer gewohnten Forschungsaufwand zu erwirtschaften. Die Produktpipeline tröpfelt nur. Dazu kommen Prozessrisiken in den USA: Bayer hat 1 200 bisher Lipobay-Klagen gütlich beigelegt und dafür umgerechnet 378 Mill. Euro ausgegeben. Doch mehr als 10 000 Klagen schhweben noch, und US-Anwälte erwägen, dem Konzern eine Sammelklage an den Hals zu hängen.

Das macht die ohnehin schwierige Partnersuche für die Sparte nicht leichter, auch wenn der Konzern nicht mehr kategorisch darauf besteht, in der fusionierten Pharmafirma das Sagen zu haben. Unter Analysten werden seit kurzem auch japanische Pharmahersteller wie Sankyo oder Dai-Ichi als denkbare Partner für Bayer Healthcare genannt.

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