Ausblick für 2003 bleibt
Brennstoffzellen sollen Linde Dampf machen

Der Wiesbadener Mischkonzern Linde zählt zu den großen Fünf der Industriegaseunternehmen. Doch trotz Fokus auf dem Gas-Geschäft hält Linde derzeit an seiner Gabelstaplersparte fest. Neuer Hoffnungsträger soll jedoch die Wasserstofftechnologie im Automobilbereich werden.

HB WIESBADEN. Linde verspricht sich nach den Worten seines Vorstandschefs durch den erwarteten Wandel in der Autobranche hin zur Brennstoffzelle hohe Wachstumsraten in dem noch relativ kleinen Segment. Linde-Chef Wolfgang Reitzle bekräftigte zudem für den Konzern frühere Prognosen eines leichten Anstiegs bei Umsatz und operativem Gewinn in diesem Jahr.

In einem am Donnerstag freigegebenen Gespräch mit Reuters machte der Manager deutlich, dass Linde bereits jetzt kräftig in das Wasserstoffgeschäft investiere. „Zwischen zehn und zwanzig Prozent der Investitionen im Bereich Linde Gas fließen in das Wasserstoffgeschäft“, sagte Reitzle. „Wir gehen davon aus, dass das Geschäft auch weiter zweistellige Wachstumsraten aufweist.“ Im Gasebereich will Linde dieses Jahr insgesamt rund 420 bis 500 Mill. € investiert haben. Reitzle zufolge steht die Autobranche vor einem Wechsel von Verbrennungsmotoren hin zur Brennstoffzelle, bei der aus Wasserstoff und Sauerstoff Strom erzeugt wird. Bei diesem Technologiewandel will auch der Industriegase- und Gabelstaplerspezialist eine gewichtige Rolle spielen. Derzeit erzielt Linde mit Wasserstoff einen Umsatz von rund 240 Mill. € im Jahr.

Ausblick für 2003 bekräftigt

Zum Geschäftsausblick für dieses Jahr sagte der frühere Automanager, der seit Jahresbeginn an der Spitze des Traditionsunternehmens steht: „Wir stehen trotz der Währungseffekte im Gasebereich dazu, dass Linde zum Jahresende einen leicht besseren Umsatz und operatives Ergebnis haben wird als vergangenes Jahr.“ Leicht besser bedeute „ein paar Mill. €“ mehr. Es sei nach wie vor möglich, dies zu erreichen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Linde einen operativen Gewinn (Ebita) von 647 Mill. € und einen Umsatz von 8,73 Mrd. €.

Nach Einschätzung des Linde-Chefs wird der Ablösungsprozess in der Automobilbranche hin zum Wasserstoffauto allmählich stattfinden und zunächst vor allem von Premium-Modellen vorangetrieben. „In zehn Jahren wird es wahrscheinlich bereits einzelne große Flotten geben, wie bei der Post oder ähnlichen Organisationen die mit Wasserstoff laufen“, schätzt Reitzle. Alle großen Autohäuser wie DaimlerChrysler, BMW und GM arbeiteten zur Zeit an der Technologie. So plant etwa GM bis 2010 eine große Anzahl von Brennstoffzellenautos herzustellen. Nach früheren Angaben will GM als erster Automobilkonzern die Schwelle von einer Million verkauften Wasserstofffahrzeugen durchbrechen.

Nach Einschätzung von Reitzle wird die neue Technologie dann relevant, wenn erst einmal 10 000 Autos in Deutschland mit Brennstoffzellentechnologie auf den Straßen fahren. „Dies wird in zehn bis 15 Jahren der Fall sein“, schätzt der Manager. Linde selbst ist in der ganzen Wertschöpfungskette mit Wasserstoff aktiv, bei der Erzeugung, Speicherung in Tanks und der Distribution. „Linde ist also gut aufgestellt. Wir haben viele Patente in der Kette.“ Der Konzern ist einer der führenden Anbieter von Anlagen-und Verfahren zur industriellen Erzeugung von Wasserstoff.

Trotz des Fokus auf den größten Konzernbereich Gase, in dem Linde nach der Übernahme der schwedischen AGA nun zu den großen Fünf der Industriegaseunternehmen weltweit zählt, hält Linde einen Verkauf seiner konjunkturanfälligeren Gabelstaplersparte (Material Handling) nicht für angebracht. „Warum sollten wir Material Handling verkaufen? Das wäre nicht klug“, sagte Reitzle. Linde habe zweieinhalb Jahre in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld darauf verwendet, das Geschäft zu restrukturieren und erwarte, dass es erneut wächst. „Wenn der Aufschwung kommt, hat das Geschäft einen sehr hohen Free Cash Flow“, merkte der Manager an.

Eine Entscheidung über die Zukunft der kleinsten Sparte Kältetechnik - Linde will die Sparte bis Jahresende rechtlich verselbstständigen - ist noch nicht gefallen. „Ich habe gesagt, falls das Geschäft die Ziele in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht erfüllt, dass wir es dann entweder veräußern, oder in ein Joint Venture bringen oder wir gehen eine Kooperation ein“, sagte Reitzle. Zur Zeit gebe es keine festen Pläne. Linde versuche die Performance zu verbessern.

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