Ausblick
Porsche erwartet neue Milliardenverluste

Wegen der gescheiterten VW-Übernahme ist die Porsche-Holding tief in die roten Zahlen gerutscht. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008/09 hat Porsche einen Verlust nach Steuern von knapp 3,6 Mrd. Euro eingefahren. Die Integration des Sportwagenherstellers in den VW-Konzern dürfte keine Spazierfahrt werden. Die Wolfsburger haben jedoch auch einen Plan B.
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STUTTGART. Der neue starke Mann im VW-Porsche-Reich, Martin Winterkorn, versucht bei seinem ersten Auftritt als neuer Chef der Porsche-Holding SE in Stuttgart nach Ende des Machtkampfs den Blick in die Zukunft zu richten. "Alle Beteiligten ziehen nun an einem Strang - und zwar in dieselbe Richtung", betonte Winterkorn. "Wir werden Wachstumspotenziale erschließen, erhebliche Synergien schaffen und dabei die Kosten deutlich senken."Allein Porsche rechnet durch die engere Kooperation mit VW mit Einsparungen im hohen dreistelligen Millionenbereich. Neue Modelle und ein Absatz von 150 000 Porsche-Fahrzeugen sind das Ziel.

Die Integration von Porsche als zehnte Marke in den VW-Konzern dürfte aber keine Spazierfahrt werden. "Es müssen noch hohe Hürden überwunden werden", räumte Winterkorn ein. Die finanziellen und bilanziellen Aufräumarbeiten nach der verlorenen Übernahmeschlacht um VW werden bei Porsche auch in diesem Jahr noch zu Milliardenverlusten führen. Die Überkreuzbeteiligung mit VW hat vor allem komplizierte bilanzielle Folgen. "Es wird in diesem Jahr noch einen Verlust im niedrigen einstelligen Milliardenbereich geben", sagte VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008/09 (per Ende Juli) hatte Porsche einen Verlust nach Steuern von knapp 3,6 Mrd. Euro eingefahren. Maßgeblich belastet wurde die Bilanz durch die Abwertung der Optionen auf VW-Stammaktien über 2,5 Mrd. Euro sowie Abschreibungen über 3,1 Mrd. Euro im Zusammenhang mit der Mehrheitsübernahme von VW.

Die Liquidität von Porsche ist gesichert

Pötsch ist gemeinsam mit VW-Vorstandschef Winterkorn in den Vorstand der Holding eingezogen, unter deren Dach das Autogeschäft der Porsche AG und die 51-Prozent-Beteiligung an VW gebündelt ist. Pötsch kommt mit seiner Expertise in Finanzfragen bei der Integration von Porsche in den VW-Konzern, die noch bis Ende 2011 dauern wird, eine zentrale Rolle zu. Der Finanzvorstand hatte stets betont, die Porsche-Übernahme dürfe die Bilanz von Volkswagen nicht belasten, um die für Kreditbedingungen wichtige Bonitätseinstufung durch Ratingagenturen nicht zu gefährden. "Die Lage ist sehr unübersichtlich. Der Verschmelzungsprozess wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet", sagt NordLB-Analyst Frank Schwope.

Der Sportwagenbauer muss vor der Verschmelzung mit Europas größtem Autobauer Volkswagen seinen riesigen Schuldenberg abbauen. Mit dem Plan dazu trägt VW den Bedenken der Wirtschaftsprüfer Rechnung, die das Testat für den Abschluss der Porsche Holding AG ergänzt hatten. "Entscheidend ist jetzt, die finanzielle Stabilisierung der Porsche SE weiter voranzutreiben", betonte Winterkorn. Am Bilanzstichtag 31. Juli 2009 betrug die Nettoverschuldung 11,4 Mrd. Euro. Mit den in der vergangenen Woche von den Aufsichtsräten beschlossenen Durchführungsverträgen wurde der Weg frei zur Umschuldung auf die neu verhandelte Kreditlinie über 8,5 Mrd. Euro, die wesentlich bessere Konditionen aufweist. Durch die Zusage der Banken und die in den Verträgen getroffenen Entscheidungen zur Zusammenführung beider Unternehmen sei die Liquidität von Porsche gesichert, betonte Pötsch. Zudem werde der geplante Kauf von knapp 50 Prozent an der Porsche AG durch VW noch vor Jahresende rund 3,9 Mrd. in die Porsche-Kasse spülen. 2011, im Jahr der geplanten Zusammenführung, steht bei der Porsche-Holding eine Kapitalerhöhung unter Beteiligung der Eignerfamilien Porsche und Piëch an. Dabei sollen neue Stamm- und Vorzugsaktien im Volumen von jeweils rund 2,5 Mrd. Euro ausgegeben werden. Porsche soll dadurch dann weitgehend entschuldet werden.

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