Ausblick
Solarbranche hofft auf ein sonniges Jahr 2010

Die gebeutelte Branche stellt sich für 2010 auf Wachstum ein - aber die Konsolidierung ist unvermeidlich. Ein enormes Überangebot von Solarmodulen auf dem Markt hat den Preis ins Rutschen gebracht. Experten rechnen damit, dass die Talsohle noch nicht ereicht ist.
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FRANKFURT. Der Solarmanager Dieter Ammer will sich seinen Optimismus nicht nehmen lassen. Auch nicht von dem zweistelligen Millionenverlust, den die von ihm geführte Conergy AG im bisherigen Jahresverlauf angehäuft hat. "Für 2010 bin ich verhalten optimistisch", sagt Ammer dem Handelsblatt. Das Jahr verspreche trotz allem, ein gutes Geschäft zu werden.

Der Conergy-Chef beschwört einmal mehr das Prinzip Hoffnung, mit dem er sich schon durch die Ende 2007 gestartete Restrukturierung gehangelt hatte. Eigentlich wollte der Projektierer von Solarparks schon in diesem Jahr die Gewinnschwelle erreichen, aber die Krise machte Conergy einen Strich durch die Rechnung.

Erst brach der spanische Markt wegen einer Kürzung der Subventionen für Solarstrom zusammen, dann dampften auch noch die Banken die Kredite für Solarprojekte ein. Was blieb, war ein enormes Überangebot von Solarmodulen auf dem Markt, das die Preise ins Rutschen brachte.

Preise werden weiter fallen

Von den Folgen blieb kein Unternehmen verschont: Um 40 Prozent ging es seit Herbst vergangenen Jahres bergab, mit verheerenden Auswirkungen auf die Bilanzen der Solarfirmen. Aus Sicht der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) ist der Boden nicht erreicht. "Die Preise werden auf jeden Fall weiter fallen", sagt BCG-Geschäftsführer Philipp Gerbert dem Handelsblatt. Für das kommende Jahr sieht er ein Minus von zehn bis 20 Prozent.

Um die Krise zu meistern, müssen die Solarunternehmen neue Wege gehen. "Vor allem die Schwergewichte unter den Solarspezialisten müssen ihr Geschäftsmodell überdenken, sowie Kooperationen und Zusammenschlüsse mit anderen Unternehmen in Betracht ziehen", sagt Gerbert. Bislang steckt die Konsolidierung der Branche in den Anfängen. Größere Zukäufe haben nur Bosch und Siemens getätigt, um einen Fuß in den Markt zu bekommen. Als mögliche Käufer sehen die BCG-Experten auch Ölkonzerne.

In einer bislang unveröffentlichten BCG-Studie bescheinigen die Autoren Gerbert und Holger Rubel der Branche rosige Wachstumschancen. Die Aussichten für die Solarindustrie seien hervorragend. Bis zum Jahr 2015 rechnen Gerbert und Rubel mit einem jährlichen Wachstum von 30 Prozent, ab dann mit einem Zuwachs von 20 Prozent. Treiber werden aus ihrer Sicht die Vereinigten Staaten und China sein. "Die USA werden 2012 Deutschland als größten Solarmarkt ablösen", sagt Rubel.

Für dieses Jahr rechnet BCG indes mit einem Rückgang. "Die Hersteller sind aktuell in einer schwierigen Lage", sagt Gerbert.Die ausgelieferte Leistung werde um sechs Prozent auf 3,4 Gigawatt sinken - immerhin noch die doppelte Leistung eines Kernkraftwerkes. Der junge Wirtschaftszweig mit seinen rund 50 000 Beschäftigten geht durch ein Tal der Tränen. Marktpioniere wie Conergy und Solon schreiben tiefrote Zahlen, das Schwergewicht Q-Cells weist nach neun Monaten sogar einen Fehlbetrag von fast einer Mrd. Euro aus.

Der Boden ist noch nicht erreicht

Die Krise, ausgelöst von einem dramatischen Preisverfall und dem Wegbrechen des spanischen Marktes, hat auch schon Opfer gefordert. Die Solarfirmen Sunline und Solar2 mussten Insolvenz beantragen.

Der Boden ist damit aber nicht erreicht. In der Branche wird damit gerechnet, dass weitere Unternehmen vom Markt verschwinden werden. Die von den BCG-Experten geäußerte Erwartung, dass sich die Branche durch Übernahmen bereinigen wird, muss sich nicht erfüllen. "Wir kaufen keine Produktionsstandorte, da es bereits Überkapazitäten gibt", sagt ein Vorstand eines Solarkonzerns. Hinzu kommt, dass durch die rasante technologische Entwicklung Produktionsanlagen schnell an Wert verlieren. Statt auf dem Akquisitionspfad zu wandeln, stehen für Solarworld-Chef Frank Asbeck auf der Prioritätenliste Einsparungen ganz oben. "2009 ist für die deutsche Solarindustrie ein Jahr, in dem es darum geht, die Kosten sehr genau anzuschauen", sagt er. Bei seinem Unternehmen würden die Ausgaben kontinuierlich unter die Lupe genommen, zuletzt bei der Budgetplanung für 2010. In dem Jahr muss die Solarbranche auch die gesetzlich festgeschriebene Absenkung der Solarsubventionen um neun Prozent verdauen.

Andere Unternehmen müssen hingegen radikal ihre Kosten senken. Q-Cells durchläuft derzeit wohl den größten Umbau, war der einst größte Hersteller von Solarzellen doch mit Bleifuß in die Krise gerauscht. Mehrere Produktionslinien in Deutschland werden geschlossen, 500 Beschäftigte müssen gehen. Die Industrie will 2009 schnell abhaken und hofft auf das kommende Jahr. Conergy-Chef Ammer erwartet, dass die zuletzt gute Nachfrage anhält. Die Produktion in der Fabrik in Frankfurt (Oder) werde daher erhöht.

Mehr Wachstum, mehr Auslastung

Überkapazitäten: Die Solarindustrie kämpft mit großen Überkapazitäten. Nach Einschätzung von Bosten Consulting liegt die Auslastung der Fabriken in diesem Jahr bei rund 50 Prozent. Verantwortlich dafür ist neben einem geringerem Absatz von Modulen auch der massive Zubau neuer Produktionslinien. Eine Erholung ist erst zu erwarten, wenn der Markt für Photovoltaik nachhaltig anzieht.

Märkte: Größte Wachstumschancen sehen Experten im Sonnengürtel, der sich über die südlichen Länder Europas nach Kalifornien zieht. Aber auch China verfolgt einen ambitionierten Aufbau seiner Solarkapazitäten.

Kommentare zu " Ausblick: Solarbranche hofft auf ein sonniges Jahr 2010"

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  • Schon mal über die Kosten der Subventionen nachgedacht? Oder ist das Handelsblatt mittlerweile die wir-haben-mitleid-mit-millionären und wir-sind-alle-solarworld-fans-zeitung?

    Die Süddeutsche bekommt das besser hin (sowas liest man im Handelsblatt nie):

    www.sueddeutsche.de/,ra3l1/wirtschaft/228/495553/text/

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